Cambio verdreifacht Fahrzeugzahl Immer mehr Oldenburger nutzen Carsharing-Angebot

Auto auf Zeit: Cambio hat seine Fahrzeugflotte in Oldenburg seit 2003 verdreifacht. Foto: Ole RosenbohmAuto auf Zeit: Cambio hat seine Fahrzeugflotte in Oldenburg seit 2003 verdreifacht. Foto: Ole Rosenbohm

Oldenburg. Carsharing wird immer beliebter. In Oldenburg hat sich die Kundenzahl des Anbieters Cambio seit 2003 versechsfacht. Doch was die Stadt freut, ärgert einige Ladenbesitzer.

Autos teilen, das ist vor allem für die attraktiv, die nur selten Auto fahren wollen und die nicht zu weit weg von den festen Parkplätzen des Anbieters wohnen. Denn da muss das Fahrzeug nach Gebrauch wieder abgestellt werden. Dennoch greifen immer mehr Oldenburger auf das Carsharing-Angebot von Cambio, dem größten Anbieter in der Stadt, zurück. Er hat die Anzahl seiner Fahrzeuge seit 2003 von elf auf 33 verdreifacht und den Kundenstamm sogar versechsfacht – von 199 in 2003 auf aktuell 1250.

13 Parkplätze

Inzwischen gibt es 13 Parkplätze in der Stadt, auf denen ausschließlich die Cambio-Autos abgestellt werden dürfen. Ladenbesitzer sind darüber nicht immer glücklich. Denn für einige Stationen, die in der Nähe von Geschäften sind, mussten Kurzzeitparkplätze weichen. Das würde Kunden vertreiben, sagen die einen. Andere sehen das lockerer.

Für die Kunden lohne sich eine Cambio-Mitgliedschaft im Vergleich zur Unterhaltung eines Autos, bei der Kosten für Steuern, Versicherungen und Reparaturen anfallen, ab einer Fahrleistung von 60 bis 250 Kilometer im Monat, rechnet das Unternehmen vor: zehn Euro monatliche Grundgebühr, 23 Cent pro Kilometer und ein Zeitpreis von 1,70 Euro pro Stunde fallen bei Cambio an. Wer 240 Kilometer fährt und das Auto dazu 30 Stunden nutzt, müsste also 116 Euro zahlen. (Lesen Sie auch: Sharing Economy braucht Schutz)

Parkdruck sinkt

Die Stadt freut sich darüber, dass die Resonanz des Carsharings steigt. „Carsharing ergänzt das Fahren mit Bus, Bahn und Fahrrad und das Zufußgehen und entlastet die Stadt langfristig vom Parkdruck und von Umweltbelastungen“, sagt Norbert Korallus, Fachdienstleiter Verkehrsplanung. Cambio geht davon aus, dass ein Auto im Schnitt elf Privatfahrzeuge ersetzt, sagt Klaus Göckler, Geschäftsführer des Oldenburger Zweiges. „Rein rechnerisch ersetzen unsere Autos also mehr als 360 Fahrzeuge – vor allem im Innenstadtbereich, wo unser Angebot am besten angenommen wird.“

Mit dem Verein „StadtTeilAuto“ begann schon 1992 in Oldenburg das Carsharing. Elf Jahre später gründeten Vereinsmitglieder mit Cambio Bremen eine Dienstleistungs-GmbH.

Fünf Fahrzeugtypen

Zuletzt eröffnet wurde der Stellplatz am Bahnhalt Wechloy mit einem fabrikneuen Ford Fiesta. An anderen Standorten präsentierte Cambio zuletzt neue, benzinsparende Kleinstwagen der Marke Toyota Aygo. Fünf Fahrzeugtypen bis hin zum Transporter stehen den Oldenburger Kunden zur Verfügung. Weitere 3500 Fahrzeuge können bei Partnerunternehmen in rund 200 Städten in Deutschland und Belgien genutzt werden.

Wachstum auch in Bremen

Die Kunden-Zahl steigt nicht nur in Oldenburg an. Laut dem Bundesverband Carsharing nutzen inzwischen mehr als eine Million Menschen das Angebot. Wachstum allerorten – wenn auch in unterschiedlichen Ausmaßen – belegen auch die bei Cambio erfragten Zahlen: In Bremen etwa stieg die Zahl der Kunden seit 2003 von 1270 auf 10440, die der Stationen von 27 auf 61. (Carsharing bommt: Ein Video)

Erstaunlich sind die Zahlen aus dem mit 71000 Einwohnern im Vergleich zu Oldenburg nur halb so großen Lüneburg: Nach Angaben des Unternehmens sind dort mit 1226 Kunden fast so viele wie in Oldenburg unterwegs. In Hamburg fahren dagegen nur knapp 5000 Leute regelmäßig mit Cambio-Autos – nicht mal halb so viele wie in Bremen.