Stabile Nachfrage Trauma-Ambulanz in Bremen hat sich etabliert

Wer Opfer von Gewalt wird, braucht schnelle Hilfe. Weil die Wartezeit für eine Psychotherapie oft lang sind, bieten Trauma-Ambulanzen Unterstützung. Foto: dpaWer Opfer von Gewalt wird, braucht schnelle Hilfe. Weil die Wartezeit für eine Psychotherapie oft lang sind, bieten Trauma-Ambulanzen Unterstützung. Foto: dpa

Bremen. Vor zwei Jahren hat das Amt für Versorgung und Integration Bremen die Trauma-Ambulanzen ins Leben gerufenen. Sie haben sich mittlerweile etabliert und verzeichnen eine stabile Nachfrage.

Seit März 2013 bietet das Amt für Versorgung und Integration Bremen (AVIB) Opfern von Gewaltdelikten eine zeitnahe Betreuung in Trauma-Ambulanzen. Die Nachfrage ist seitdem konstant hoch. „Wir wissen, dass es aus medizinischer wichtig ist, ein Trauma kurz nach dem Auftreten zu behandeln, damit langfristige Folgen abgemildert werden“, sagt David Geduldig, Leiter des AVIB. Oft seien die Wartezeiten für eine notwendige Psychotherapie lang, besonders dann ist das Angebot des AVIB wertvoll.

Das Angebot richtet sich an alle Opfer von Gewalttaten. In Bremen finden die Behandlungen im AMEOS Klinikum und im Krankenhaus Bremen-Ost statt. In Bremerhaven wird auf das Klinikum Reinkenheife und die Initiative Jugendhilfe Bremerhaven zurückgegriffen. Teilweise werden die Opfer von der Polizei, Anwälten und Staatsanwälten sowie Psychologen in die Ambulanzen geschickt.

Opfer von Körperverletzung

Im vergangenen Jahr nahmen 46 Personen, 32 Frauen und 14 Männer, das Angebot in Anspruch. Die meisten Klienten sind Opfer einer gefährlichen oder schweren Körperverletzung geworden. 2014 waren es insgesamt 22 Fälle, mit 14 Frauen und acht Männern. In zehn Fällen lag eine Vergewaltigung oder sexuelle Nötigung vor. Die Opfer waren allesamt weiblich. Bei zwei Männern und einer Frau wurde ein Schockschaden diagnostiziert. „Das sind Fälle, bei denen die Patienten Zeugen von Gewalt wurden. Sie haben zum Beispiel Tötungsdelikte gesehen oder getötete Angehörige gefunden. Eine Discoschlägerei mitzuerleben reicht nicht, damit so eine Schädigung auftritt“, sagt Geduldig.

„Letztlich sind unsere 46 Fälle im Jahr nur ein Bruchteil dessen, was im Land Bremen anfällt“, so Geduldig weiter. „Es gibt aber neben uns noch einige weitere Angebote, wie etwa Schattenriss, die missbrauchte Mädchen betreuen, oder weitere Anlaufstellen in Krankenhäusern. Das ändert aber nichts daran, dass viele Betroffene noch durchs Netz fallen.“

Mobbing-Fälle werden angehört

Die Kosten der Behandlung trägt das AVIB. Die Behandlung von Schäden durch Stalking oder Mobbing ist offiziell nicht Teil des Angebots. Dennoch werden auch solche Fälle angehört. „Zumindest schicken wir die nicht einfach nach Hause“, so Geduldig, „Die fallen im Moment noch nicht unter das Opferentschädigungsgesetz. Das ist noch stark an der körperlichen Unversehrtheit orientiert.“

Eine Gesetzesänderung stehe aber bevor und sei Teil des Koalitionsvertrags der Bundesregierung. Dann sollen auch Stalking und Mobbing unter das Opferentschädigungsgesetz fallen. „2016 wird ein Entwurf vorliegen, der klarmacht, wie das Gesetz lauten wird. Dann wird es allerdings noch eine Übergangszeit geben, bis es gilt und wir auch solche Schädigungen ganz normal in der Ambulanz behandeln.“

Auch Klienten aus Niedersachsen können das Angebot in Anspruch nehmen. Dann rechnet das Amt die Kosten mit dem Bundesland ab.