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05.08.2015, 18:16 Uhr ERFREULICH, ABER ...

Mehr Abiturienten in Niedersachsen: Zahl mit Schattenseiten

Kommentar von Jörg Sanders

Der Anteil der Abiturienten an allen Schülern in Niedersachsen. Das ist zu begrüßen, hat aber auch Schattenseiten. Symbolfoto: dpaDer Anteil der Abiturienten an allen Schülern in Niedersachsen. Das ist zu begrüßen, hat aber auch Schattenseiten. Symbolfoto: dpa

Osnabrück. Die Zahl der Schüler, die in Niedersachsen das Abitur ablegten, hat sich seit 2004 fast verdoppelt. Auf den ersten Blick ist das schlichtweg erfreulich; auf den zweiten nur bedingt.

Da ist zum Einen die Entwertung niedrigerer Abschlüsse. Auf viele Ausbildungsberufe brauchen sich junge Menschen erst gar nicht mehr zu bewerben, wenn sie kein Abitur vorlegen können – ganz egal, wie gut ihr Realschulabschluss ist. Das ist zwar völliger Irrsinn, aber eine Folge der Abitur-Inflation.

Alarmierend ist ferner, wie der Bildungshintergrund der Eltern die Schullaufbahn ihrer Kinder beeinflussen kann. Oftmals sind Vater und Mutter dafür gar nicht verantwortlich, wie die Studie „Herkunft zensiert längst bewies. Ihr zufolge bekommen Kinder aus bildungsfernen Familien bei gleicher Leistung schlechtere Noten als ihre Mitschüler aus bildungsstarken Familien. An dieser Stelle sind Pädagogen gefragt: Sie müssen ihren Blick häufiger auf das reale Potenzial des Kindes richten statt auf den Bildungsstand der Eltern. Insbesondere, wenn Letztere nicht den Willen oder die Möglichkeiten haben, ihr Kind selbst zu fördern. Eine Schulempfehlung kann immerhin das gesamte Leben beeinflussen.

Erfreulich ist hingegen der Rückgang der Zahl der jungen Menschen, die keinen Schulabschluss haben. Aber wie dem auch sei: Jeder verdient eine faire Chance und darf nicht als Bildungsverlierer abgedrängt werden.


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