Zehnjahresvergleich Anteil der Abiturienten in Niedersachsen fast verdoppelt

Von Jörg Sanders

In Niedersachsen steigt die Zahl der Abiturienten. Aber noch immer ist oft entscheidend, welchen Bildungsstand die Eltern haben. Foto: dpaIn Niedersachsen steigt die Zahl der Abiturienten. Aber noch immer ist oft entscheidend, welchen Bildungsstand die Eltern haben. Foto: dpa

Osnabrück. Der Anteil der Abiturienten an allen Abgängern von allgemein bildenden Schulen hat sich in Niedersachsen in den vergangenen zehn Jahren nahezu verdoppelt. Im bundesweiten Vergleich liegen Niedersachsen Schüler noch leicht zurück.

Der Anteil der niedersächsischen Abiturienten stieg von 16,3 Prozent in 2004 auf 30,6 Prozent im vergangenen Jahr, wie aus aktuellen Zahlen des Landesamtes für Statistik hervorgeht. Insgesamt erreichten 26.724 Schüler 2014 das Abitur. 2004 waren es 18.904 gewesen. Das entspricht einem Anstieg von 41,4 Prozent. Der Frauenanteil der Absolventen lag 2014 bei 55,2 Prozent (14.740) und war damit rückläufig: 2004 hatte ihr Anteil 57,9 Prozent betragen. Die jungen Männer holen folglich leicht auf: Ihre Anzahl erhöhte sich in den vergangenen zehn Jahren um 50,6 Prozent. Bei den Frauen waren es 34,7 Prozent.

Mehr Absolventen – mehr Studierende

Das spiegelt sich auch in den Zahlen der Studierenden wider: Im Wintersemester 2014/2015 erreichten Niedersachsens Hochschulen mit 191.215 Studierenden einen Höchststand. Das waren 7,7 Prozent oder 13.644 Studierende mehr als im Vorjahressemester. So verzeichnete die Uni Osnabrück für das kommende Wintersemester fast 19.000 Online-Bewerbungen. Bei den Masterstudiengängen stiegen die Anfragen um zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Mehr Absolventen – unter Bundesdurchschnitt

Mit 34,7 Prozent Abiturienten liegt Niedersachsen knapp unter dem Bundesdurchschnitt. 2013 lag dieser bei 36 Prozent – in Hamburg absolvierten im selben Jahr gar 58 Prozent der Schüler das Abitur. In Bayern und Baden-Württemberg waren es hingegen mit 27 Prozent am wenigsten.

Bildung wird weiterhin vererbt

Bundesweit gilt auch weiterhin: Je höher der Bildungsabschluss der Eltern ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Kinder ebenfalls einen hohen Schulabschluss erreichen. Das ist nicht neu und ist jedes Mal wieder in den Shell-Jugendstudien zu lesen. Alarmierend ist aber die Zahl. Der Mikrozensus 2011 ergab: 61 Prozent der Gymnasiasten hatten mindestens einen Elternteil mit Abitur oder Fachabitur. Aber nur zehn Prozent Gymnasiasten hatten Eltern, die als höchsten Abschluss einen Hauptschulabschluss oder gar keinen Abschluss besaßen.

Weniger ohne Schulabschluss

Andererseits hat sich in Niedersachsen die Zahl Schüler ohne jeglichen Schulabschluss verringert. Insgesamt erlangten im vergangenen Jahr 4245 Schüler an allgemein bildenden Schulen keinen Abschluss. Das entspricht 4,9 Prozent aller Schüler. Vor zehn Jahren hatten noch 7,5 Prozent aller Schüler keinen Abschluss erreicht. Männer verfehlen mit 59,6 Prozent wesentlich häufiger den Hauptschulabschluss als Frauen (2004: 63,7 Prozent).

Mehr Spitzennoten an Unis

An deutschen Unis vergeben Professoren bei Promotionen zudem immer häufiger die Bestnote „Summa cum laude“. Das berichtet die „Süddeutsche Zeitung“ (Mittwoch). Der Anteil der Spitzennoten sei innerhalb von gut zehn Jahren in fast allen Fächern gestiegen, wie eine Auswertung einer Datenbank des Instituts für Forschungsinformation und Qualitätssicherung (IFQ) zeige.

(mit dpa)