Westfalenbahn bereits im September? Emslandstrecke: Jeder zehnte Zug der Bahn zu spät


df/aky Osnabrück. Die Bahn kriegt ihre Probleme auf der sogenannten Emslandstrecke zwischen Emden und Münster nicht in den Begriff und kämpft weiter mit Verspätungen. Ein Pendler aus Lingen kassierte seit Jahresbeginn 450 Euro Entschädigungen. Möglicherweise übernimmt der Konkurrent Westfalenbahn schon im September einzelne Fahrten.

Von Dirk Fisser und Alexander Klay

Eigentlich sollte das Unternehmen aus Bielefeld erst im Dezember zum anstehenden Fahrplanwechsel den Regionalverkehr auf der Strecke übernehmen. Doch nach Informationen unserer Redaktion unterhalten sich die beiden Konkurrenten derzeit darüber, dass möglicherweise bereits im September Westfalenbahnen durchs Emsland rollen. Dies soll sogar schon für den August geplant gewesen, dann aber nicht zustande gekommen sein.

Problemfall Emslandstrecke

Ein Sprecher der zuständigen Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG) sagte unserer Redaktion: „Wir haben keine Einwände.“ Die LNVG vergibt im Namen des Landes Aufträge für den Schienennahverkehr. Die Emslandstrecke bereitete dabei in der Vergangenheit immer wieder Probleme.

Weil Lokführer fehlten, fielen reihenweise Züge vor allem Anfang vergangenen Jahres aus. Die Pünktlichkeitsquote – also Züge mit mehr als sechs Minuten Verspätung - lag laut LNVG 2014 bei 84 Prozent. Vertraglich vereinbart mit dem Land Niedersachsen sind aber 95 Prozent. Die Konsequenz: Niedersachsen behielt eine sechsstellige Summe wegen nicht erbrachter Leistungen ein. (Weiterleisen: Emslandstrecke: Niedersachsen straft Bahn ab)

Pünktlichkeit bei 89 Prozent

Auch im laufenden Jahr sieht es schlecht aus. Laut LNVG konnte die Pünktlichkeitsquote im ersten Halbjahr 2015 auf lediglich 89 Prozent gesteigert werden. Damit ist weiterhin jeder zehnte Zug zu spät und wieder drohen Kürzungen beim sogenannten Betreiberentgelt, dass Niedersachsen dem Unternehmen für die Leistung zahlt. Immerhin die Personalprobleme habe die Bahn in den Griff bekommen, so ein LNVG-Sprecher. Zugausfälle in den vergangenen Monaten seien überwiegend auf Fahrzeugschäden zurückzuführen gewesen.

Auf Nachfrage bei der Bahn heißt es, dass Unternehmen bewerte „die Situation auf der Strecke grundsätzlich stabil“. Die Betriebsdurchführung erfolge planmäßig und abgesichert bis zum Fahrplanwechsel im Dezember.

450 Euro Entschädigung für Pendler aus Lingen

Für Pendler auf der Strecke ist das aber nur ein schwacher Trost. Stefan Hanke pendelt mit der Bahn von Lingen zu seinem Arbeitsort Münster. Seit Anfang des Jahres, berichtet der Emsländer, habe er 40 sogenannte Fahrgastrechteformulare wegen Verspätungen oder Zugausfällen auf der Strecke ausgefüllt. Die Bahn habe ihm bis jetzt 450 Euro erstattet. Was ihn besonders ärgert, sei die „mangelhafte Information der Bahn. Kunden werden häufig allein gelassen“, beklagt Hanke.

Die Westfalenbahn scheint derweil gut gerüstet für die Übernahme der Emslandstrecke. 15 Triebwagen im Wert von 75 Millionen Euro sind für die Fahrten zwischen Emden und Münster geordert worden. Seit dieser Woche sind einige im Testbetrieb mit Fahrgästen zwischen Bielefeld, Osnabrück und Bad Bentheim unterwegs. Bislang setzte die DB auf Doppelstockwagen. Künftig beschränken sich die 215 Sitzplätze auf nur noch eine Ebene. Zudem soll Platz für bis zu 42 Fahrräder in den Zügen Namens „Flirt“ sein.

Ob die Züge nun frühzeitig zwischen Münster und Emden fahren, bleibt aber unklar. Die Bahn bestätigte auf Nachfrage zwar die Gespräche mit dem Konkurrenten. Darin gehe es aber darum, einen reibungslosen Übergang zu organisieren.

Doppelstockwagen bald in Osnabrück

Neben der Emslandstrecke werden die Westfalen von der Bahn auch die sogenannte Mittellandlinie von Rheine über Osnabrück und Hannover nach Braunschweig übernehmen. Hier wird die Privatbahn ab Dezember Doppelstock-Triebwagen einsetzen. (Weiterlesen: Neue Züge für Emslandlinie im Praxistest in der Region)

Aktuell umfasst das Netz der Westfalenbahn die Strecken Bielefeld–Bad Bentheim, Osnabrück–Münster, Münster–Rheine und Herford–Paderborn. Hier ist die Privatbahn noch bis Ende 2017 unterwegs: Eine erneute öffentliche Ausschreibung der Linien des „Teutoburger-Wald-Netzes“ hat die Privatbahn kürzlich verloren. Einen Widerspruch hat das Unternehmen zwischenzeitlich zurückgezogen: Künftig fährt auf den Linien die Eurobahn, ebenfalls eine Privatbahn, mit Sitz in Hamm.


Ist auch Ihr Zug ausgefallen? Werfen Sie ihre Fahrkarte nicht weg, denn gegebenenfalls haben Sie Anspruch eine Rückzahlung. In den Fahrgastrechten der Bahn ist unter anderem aufgeführt, dass ab einer Verspätung von 60 und bis zu 119 Minuten am Ankunftsort eine Rückzahlung von 25 Prozent des Fahrpreises vorgesehen ist. Ab 120 Minuten steigt die Entschädigung demnach auf 50 Prozent des Fahrpreises. Wie Sie an Ihr Geld kommen, können Sie unter www.bahn.de/fahrgastrechte oder www.fahrgastrechte.info nachlesen.