Rastplatz im Kreis Vechta Totes Baby an der A1: Fall wieder bei Aktenzeichen XY


Osnabrück. Fast ein Jahr nach dem Fund einer Babyleiche an einer Raststätte der A1 im Kreis Vechta sucht die Polizei weiterhin nach der Täterin. Jetzt wird die Straftat nochmals in der Sendung „Aktenzeichen XY ...ungelöst“ aufgegriffen.

Der tote männliche Säugling war am 19. August 2014 auf der Damentoilette des Parkplatzes Bakumer Wiesen West von einer Autofahrerin entdeckt worden. Der Parkplatz befindet sich an der A1 zwischen den Anschlussstellen Vechta und Lohne/Dinklage in der Fahrtrichtung Osnabrück/Münster.

Das Baby wurde auf der Raststätte zur Welt gebracht und war zum Geburtszeitpunkt lebendig. Wie es ums Leben kam, sagte die Polizei aus „aus ermittlungstaktischen Gründen“bisher nicht. Nach seinem Tod hat der Neugeborene den Namen Johannes Gethsemane erhalten und wurde inzwischen in Bakum bestattet.

Von Mutter fehlt jede Spur

Von der Mutter fehlt weiter jeder Spur. Die Polizei ermittelt seit dem Fund der Leiche in unterschiedliche Richtungen. Dabei geht sie auch der Frage nach, wer eine Frau in der Ortsumgebung kennt, die im August 2014 hochschwanger war, dann aber später aus nicht erklärbaren Gründen kein Baby hatte oder verschwand.

Das ZDF strahlt die Folge „Aktenzeichen XY ...ungelöst“ mit dem Fall am Mittwoch, 15. Juli, ab 20.15 Uhr aus. Bereits im September hatte die Polizei mithilfe der Sendung nach der Mutter des Kindes gesucht. Im Anschluss sind nach Angaben einen Polizeisprechers rund 50 Hinweise eingegangen – die Täterin fanden die Ermittler jedoch nicht.

Fahndung führt zu anderem Fall

Erfolg hatte die Polizei nach Ausstrahlung trotzdem – allerdings in einem anderen Fall. Denn zufällig stießen die Ermittler durch einen Hinweis nach der Sendung auf eine andere Straftat. Sie kamen einer Mutter auf die Spur, die ihre zwei toten Babys in einem Schließfach im Hamburger Hauptbahnhof abgelegt haben soll.

Im Fall des toten Babys von Vechta ist nach Polizeiangaben bisher unklar, ob die gesuchte Person aus der Umgebung stammt oder ob sie auf der Durchreise war. Ein Anhaltspunkt der Polizei sind nach eigenen Angaben Feuchttücher der Firma „dm“ mit der Bezeichnung „Baby Love“. Sie waren von der Täterin am Tatort zurückgelassen worden und könnten im Umkreis des Rastplatzes gekauft worden sein.

Suche nach Lkw

Darüber hinaus suchen die Ermittler nach einer weißen Sattelzugmaschine der Marke Renault mit einem roten Anhänger. In ihn soll nach Polizeiangaben am Morgen des 19. August eine blonde Frau zugestiegen und davongefahren sein. Sie soll auf einer Bank in der Nähe der Toiletten gesessen haben, bevor sie den Lkw-Fahrer ansprach. Die Polizei bittet Zeugen, die Angaben zu dem Fahrzeug mit polnischem Kennzeichen oder den Personen machen können, sich an die Polizeiinspektion Cloppenburg/Vechta zu wenden (Tel. 04471/18600 oder 04441/9430). Wer den entscheidenden Hinweis gibt, erhält nach Angaben des Polizeisprechers 5000 Euro als Belohnung. Diese Summe habe die Polizeidirektion Oldenburg bereits im vergangenen Jahr ausgelobt.

Die Hintergründe der Tat sind bisher unklar. In anderen Fällen wissen werdende Mütter unter Umständen schon vor der Geburt, dass sie ihr Kind nicht großziehen und es weggeben wollen: Frauen in Deutschland können seit dem 1. Mai ihr Kind mit einer sogenannten vertraulichen Geburt im Krankenhaus entbinden. Das Gesetz will verhindern, dass verzweifelte Schwangere ihr Kind heimlich gebären, aussetzen oder gar töten. (mit dpa)


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