Warnung vor Zerschlagung Experten: Nifbe als Marke nicht beschädigen

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Hannover. Das Niedersächsische Institut für frühkindliche Bildung (Nifbe) war Thema im Wissenschaftsausschuss des Landtags in Hannover. Dort hat am Montag eine knapp vierstündige Expertenanhörung den Druck auf die Erhaltung des Nifbe erhöht.

Namhafte Experten sprachen sich in ihren Stellungnahmen zwar für eine Verschlankung der Strukturen aus, warnten aber vor einer Zerschlagung des Instituts. „Das Nifbe ist eine bundesweite Marke, die man nicht beschädigen darf, sondern weiterentwickeln muss“, betonte für die Landeshochschulkonferenz Professor Wolfgang-Uwe Friedrich.

Krirtik gab es vor allem an der von Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajic (Grüne) zunächst angestrebten ersatzlosen Streichung der Regionalnetzwerke, die dem Transfer der wissenschaftlichen Erkenntnisse in die Praxis dienen. So betonte die Direktorin des Münchner Staatsinstituts für Frühpädagogik, Professorin Fabienne Becker-Stoll, die enge Verzahnung von Forschung und Wissenstransfer beim Nifbe sei bundesweit einmalig und müsse unbedingt bleiben.

„Nifbe ist unverzichtbar für die Praxis“

„Das Nifbe ist unverzichtbar für die Praxis“, meinte auch Erika Brahms von der Diakonie. Ähnlich äußerten sich andere Experten, die schnelle Klärung anmahnten: Die Verträge der Mitarbeiter in den Regionalstellen liefen Ende 2015 aus.

Bei der Entgegennahme von Protestunterschriften hatte Heinen-Kljajic zuvor die Bereitschaft zum Einlenken bekräftigt. „Wir werden einen neuen Vorschlag unter Aufrechterhaltung der Netzwerkstrukturen machen“, sagte die Ministerin.

Bajus: Sinnvolle Lösung

Als eine Möglichkeit wurde in den Raum gestellt, die Führung der fünf Netzwerke in Osnabrück zu konzentrieren und die Einrichtungen in der Fläche nur noch als Außenstellen zu führen. Das könnte laut Landesrechnungshof Verwaltungskosten um rund 50 Prozent senken. Der Grünen-Abgeordnete Volker Bajus sprach von einer „sinnvollen Lösung“.

Umstritten blieb die vorgesehene Umwandlung des Nifbe in ein In-Institut, das eine volle Integration in die Universität bedeuten würde. Der Osnabrücker Uni-Präsident Wolfgang Lücke warb für eine solche Eingliederung. Eine enge Kooperation mit dem Institut für Migrationsforschung und dem Islaminstitut könne einen Schub an wissenschaftlicher Kompetenz auslösen. Allerdings schränkte Lücke ein, dass Wissenstransfer in die Praxis „nicht zum Kerngeschäft“ der Uni gehöre; dies müsse bei einer Nifbe-Aufnahme anderweitig gewährleistet werden – etwa über eine Kooperation mit Stiftungen. Auch finanzieren könne die Uni diese Aufgabe nicht.

Lücke gab auf Fragen zu verstehen, dass das Ministerium für ein Nifre als In-Institut nur noch 500000 Euro an direkten Forschungsmitteln bereitstellen wolle. Bislang sind es gut zwei Millionen.

CDU und FDP forderten eine Beendigung der „Hängepartie“ beim Nifbe. Die Unionsabgeordneten Burkhard Jasper und Jörg Hillmer kündigten eine Sondersitzung des Ausschusses noch im Juli an. Sie verlangten, nicht nur das Nifbe voll zu erhalten, sondern auch auf eine Etatkürzung zu verzichten.

„Das Nifbe ist ein Juwel und unverzichtbar“, machte auch die FDP-Abgeordnete Almuth von Below-Neufeldt deutlich. SPD und Grüne mahnten moderne Strukturen auf diesem Sektor an. Die SPD-Abgeordnete Silke Lesemann bezeichnete es als richtig, dass die Wissenschaftsministerin die Auflösung der regionalen Netzwerke überdenken wolle. Eine Verschlankung der Strukturen sei aber unerlässlich.


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