Ministerin geht auf Institut zu Doch weiterhin Nifbe-Regionalstellen in Osnabrück?

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Den Erhalt von Nifbe-Regionalstellen in Aussicht gestellt: Wissensachaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajic. Foto: dpaDen Erhalt von Nifbe-Regionalstellen in Aussicht gestellt: Wissensachaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajic. Foto: dpa

Hannover. Das Niedersächsische Institut für frühkindliche Bildung und Entwicklung (Nifbe) in Osnabrück soll in seinen Strukturen nun doch nicht ganz zerschlagen werden.

In einem Gespräch mit unserer Redaktion erklärte Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajic (Grüne) am Freitag, man wolle zwar am geplanten Umbau der Einrichtung festhalten, nicht aber an der heftig kritisierten Abschaffung der fünf Netzwerkstellen zum Wissenstransfer in die Praxis.

„Streichung muss überdacht werden“

„Wir sind nach intensiven Beratungen zu der Überzeugung gelangt, dass die ersatzlose Streichung dieser Regionalstellen überdacht werden muss“, sagte Heinen-Kljajic nach Gesprächen mit Vertretern des Osnabrücker Instituts und der angegliederten Netzwerke. „Wir werden da einen neuen Vorschlag unterbreiten“, sagte die Politikerin der Grünen.

Ob alle fünf Vertretungen in Emden, Lüneburg, Hannover, Hildesheim und Osnabrück in vollem Umfang erhalten bleiben sollen, ließ die Ministerin offen. Fakt sei nach dem Urteil von Gutachtern, dass die Transaktionskosten nicht vertretbar seien und Strukturen so geändert werden müssten, dass Reibungsverluste in der Organisation abgebaut werden.

Integration in die Universität Osnabrück

Heinen-Kljajic kündigte an, die Stränge Forschung und Praxis klarer abzugrenzen und über einen Kooperationsvertrag neu zu verbinden. Die bisher als An-Institut geführte Einrichtung solle voll in die Uni Osnabrück integriert werden, was unter anderem zu Verbesserungen bei der Qualifizierung wissenschaftlichen Nachwuchses und der Einwerbung von Drittmitteln führen dürfte. Die Stellen für die Professoren und die ihnen zugeordneten Mitarbeiter würden überführt.

Auf die Frage, in welchem Umfang die institutionelle Förderung für Nifbe (nach anfänglich fünf Millionen zuletzt 4,5 Millionen Euro pro Jahr) gekürzt werden könnte, wollte sich die Grünen-Politikerin nicht festlegen. Sie beteuerte, bei Forschung und Qualifizierung werde es unter dem Strich keine Einschnitte geben. Über die Bereitstellung von VW-Vorab-Mitteln solle der Forschungsaufwand für frühkindliche Bildung insgesamt sogar über den heutigen Stand aufgestockt werden.

Warnung vor Zerschlagung

Vor einer für Montag anberaumten Expertenanhörung zu diesem Thema im Landtag warnten führende Wissenschaftler vor einer Zerschlagung des Nifbe. So betonte Professor Wassilios Fthenakis –Mitgründer und 30 Jahre lang Direktor des Münchener Staatsinstituts für Frühpädagogik– in einer vom Parlament erbetenen Stellungnahme, das Osnabrücker Institut genieße weit über das Land hinaus „hohes fachliches Ansehen“.

Die Forschungstätigkeit zähle zu den qualitativsten Beiträgen des Landes überhaupt; die enge Verbindung von Forschung und Anwendung sei keinem Institut in Deutschland so gelungen wie dem Nifbe. Dies dürfe „auch künftig nicht in Frage gestellt werden“, erklärte der renommierte Wissenschaftler.

Wachsender Bedarf

Fthenakis, der zugleich Institutsdirektorin Renate Zimmer als „weltweit geschätzte und anerkannte Kollegin“ lobte, nannte den Fortbestand und die Stärkung von Einrichtungen wie dem Osnabrücker Institut „unverzichtbar“, um die Qualität der frühkindliche Bildung zu sichern. In diesem Bereich gebe es auch einen wachsenden Bedarf.

Professorin Fabienne Becker-Stoll –heute Leiterin des Münchener Instituts für Frühpädagogik und über die Wissenschaftliche Kommission Niedersachsen als Gutachterin bei der Evaluierung des Nifbe engagiert– warb für den Erhalt der Osnabrücker Einrichtung mit enger Verzahnung von Forschung und Wissentransfer über regionale Netzwerke. „Das ist ein absolutes Alleinstellungsmarkmal des Nifbe“, betont Becker-Stoll.


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