zuletzt aktualisiert vor

Osnabrück untersagte Spektakel Nach Explosion: Holi-Festival in GMHütte sicher? Meppen prüft

Meine Nachrichten

Um das Thema Niedersachsen Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Osnabrück. In Taiwan hat die Feuerkatastrophe auf einem Holi-Festival das erste Todesopfer gefordert. Kann eine solche Katastrophe auch in Deutschland passieren, etwa bei den anstehenden Holi-Festivals in Georgsmarienhütte und Meppen? Die Feuerwehr Osnabrück untersagte bereits ein Spektakel, Meppen zieht es nun zumindest in Erwägung.

Noch ist nicht klar, wie es zu dem Unglück in Taiwan gekommen war. Klar ist aber: Während der großen Holi-Party entzündete sich das zuvor weitflächig verstreute Farbpulver – binnen Sekunden befanden sich viele der 1000 Party-Teilnehmer in einer Feuersbrunst. Eine Teilnehmerin starb, Hunderte wurden verletzt.

„Das kann bei uns nicht passieren“, versichert Christian Fischer von Holi Farbrausch, dem Veranstalter des Festivals in GMHütte am 11. Juli. „Die Farben, die wir verwenden, haben Explosionsgutachten und sind nicht explosionsfähig“, versichert er. Das mit Lebensmittelfarbe gefärbte Reismehl sei in Deutschland hergestellt und getestet. Viele Kommunen, zumeist die Feuerwehren, ließen sich das Zertifikat im Vorfeld vorlegen. Für die Qualitätsware würde das Unternehmen ein paar Cent mehr bezahlen als für womöglich gefährliche Ware aus Ländern wie Indien, die nicht immer als sicher gilt. Aber nicht alle Kommunen würden ein Gutachten einfordern, sagt Fischer.

Die Stadt GMHütte ließ sich ein Gutachten vorlegen. „Wir haben keine Bedenken“, bestätigte Katharina Hummert aus dem Fachbereich Kultur. Das Gutachten für das Pulver liege vor. Es sei weder entzündbar noch explosionsfähig.

Auch beim Holi-Spektakel in Meppen am 15. August müsse sich niemand sorgen, versichert der Oldenburger Veranstalter Böse Events. „Wir bekommen am Montag eine offizielle Aussage unseres Lieferanten. Dieser hat uns aber schon vorab wissen lassen, dass er schon seit zwei Jahren Reisstärke anstatt Maismehl verwendet. Außerdem liegt uns ein zertifiziertes Dekra Explosionsgutachten vor“, sagt Geschäftsführer Maik Böse.

Meppen schließt Party-Stopp nicht aus

Auch in Meppen gibt es „keine Bedenken“, sagt Pressesprecher Florian Jürgens. Der Stadt liege ein umfangreiches Gutachten zum Pulver vor, das in Meppen verwendet werden soll. Fazit: „nicht explosionsfähig“. Doch nur wenige Stunden später heißt es, die Stadt wolle sich doch nicht gänzlich auf das Gutachten verlassen. Am Dienstag soll der Brandschutzbeauftragte des Landkreises es als Reaktion auf das Drama in Taiwan prüfen, sagt Jürgens. Sollte dieser zu dem Ergebnis kommen, dass von dem Pulver doch eine Gefahr ausgehe, sei das Aus der Party in Meppen nicht auszuschließen.

Spektakel in Osnabrück abgesagt

Die Feuerwehr Osnabrück untersagte 2012 ein geplantes Holi-Spektakel in der Stadt. Denn: „Generell können alle organischen Pulver explodieren“, sagt Jan Südmersen von der Osnabrücker Feuerwehr. Zwar habe es auch damals ein Gutachten gegeben, „aber Gutachten sind immer so eine Sache“, ergänzt er. Es habe offene Fragen gegeben. Sein Kollege Markus Gehle, Fachberater Chemie der Feuerwehr, ergänzt: „Es ist immer die Frage, wer ein Gutachten geschrieben hat und ob letztlich auch genau der Stoff verwendet wird, der in dem Gutachten auftaucht.“ Es gebe Gutachter, die auf dem Gebiet keine Expertise hätten, sagt Gehle. Wichtig sei ein Experte – und dieser müsse unabhängig arbeiten.

Holi-Organisator Fischer entgegnet, seine Farben würden vom unabhängigen Wilhelm-Jost-Institut überprüft (nach VDI 2263).

Gutachten hin oder her: Ein Restrisiko will die Feuerwehr Osnabrück nicht ausschließen. „Passiert doch etwas, steht man doof da“, sagt Südmersen – insbesondere nach dem Vorfall in Taiwan. Die Verantwortung trage letztlich nicht nur der Veranstalter, sondern auch die Kommune – und damit auch die Feuerwehr. „Und 200 Schwerverbrannte können wir in der gesamten Region nicht behandeln“, gibt Südmersen zu bedenken. Daher lehnte die Feuerwehr bislang ein oder zwei Anfragen für Holi-Festivals in der Stadt ab. Gebe es aber ein unabhängiges Gutachten eines Experten, „dann ist solch ein Spektakel auch in Osnabrück zumindest möglich“, sagt Gehle.

Gehle wie auch Südmersen sehen sich in ihren bisherigen Bedenken nach dem Unglück von Taiwan bestätigt. Der Veranstalter des vor zwei Jahren in Osnabrück angedachten Holi-Festivals habe sich nun an die Feuerwehr gewandt und ihr für die Ablehnung gedankt. „Ich jedenfalls bin sehr froh, dass es uns damals genau aus diesem Grund schlussendlich abgesagt wurde“, zitiert die Feuerwehr Osnabrück den Veranstalter auf Facebook. Die oftmals vorgeworfene „Schwarzseherei“ der Feuerwehr trage dazu bei, dass solche Brandkatastrophen nicht passieren, sagt Südmersen. Denn auch Gutachter könnten sich irren. Daher müsse nun der Ursache des Unglücks in Taiwan auf den Grund gegangen werden.

Video: Eine Staubexplosion in Zeitlupe (Gefahr: keinesfalls nachmachen!"")


Das Holi-Festival in Georgsmarienhütte findet am 11. Juli statt. Von den 5000 Karten sind bereits 4500 verkauft. Das Holi-Farbspektakel in Meppen findet am 15. August statt.

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN