Mitgliederschwund und Priestermangel Nähen statt beten: Katholiken geben Kirchen auf

Von dpa


Kalefeld. Angesichts des Mitgliederschwunds gibt die katholische Kirche in Niedersachsen eine Vielzahl an Gebäuden auf. Nur wenige werden abgerissen, die meisten erhalten eine neue Funktion.

Die Zahl der katholischen Kirchen in Niedersachsen sinkt weiter. Allein das Bistum Hildesheim habe seit Beginn dieses Jahrtausends 55 der ursprünglich 435 Gotteshäuser profaniert, also entweiht, und damit förmlich aus der kirchlichen Nutzung herausgenommen, sagte ein Sprecher. Als 56. Kirche kommt jetzt St. Jakobus in Kalefeld im Landkreis Northeim hinzu. Das Gotteshaus wird am Freitag nach einem letzten Gottesdienst ebenfalls profaniert.

Kirche wird an Privatperson verkauft

Die im Jahr 1961 gebaute Kirche, die zur Pfarrgemeinde „Mariä Heimsuchung“ in Northeim gehört, wird mitsamt Pfarrhaus und Pfarrheim an eine Privatperson verkauft, sagte der Sprecher. Die Kirche soll künftig für Konzerte oder Ausstellungen genutzt werden. In anderen ehemaligen Gotteshäusern im Land sind inzwischen Kindergärten oder Kulturzentren untergebracht. Die katholische Kirche in Holtensen in der Region Hannover beherbergt inzwischen eine Nähmaschinen-Firma.

Mit der Entweihung von St. Jakobus in Kalefeld sei die Serie der Kirchen-Schließungen aber noch nicht beendet, sagte der Bistumssprecher. Gut 70 weiteren Gotteshäusern im Bistum Hildesheim könnte in den kommenden Jahren dasselbe Schicksal drohen.

Immer weniger Mitglieder

Die Gründe für die Umnutzung von Kirchen seien vielfältig, sagte der Sprecher. Der Rückgang an Gemeindemitgliedern und der damit einhergehende rückläufige Gottesdienstbesuch spiele eine wesentliche Rolle. In Kalefeld zum Beispiel hat sich die Zahl der Gemeindemitglieder seit dem Bau der Kirche von 1500 auf 650 verringert.

Von Bedeutung sei auch der Priestermangel. Dieser mache es zunehmend schwieriger, regelmäßig heilige Messen in jeder Kirche anzubieten. Zudem sei die Erhaltung von Kirchen mit enormen Kosten verbunden.

Für das Inventar der Kalefelder Kirche haben sich im übrigen Nutzer gefunden. Einiges geht an eine Kirche bei Berlin. Die Glocken werden nach Indien verkauft, berichteten die „Northeimer Neuesten Nachrichten“. Und die Orgel könnte demnächst in Bayern erklingen.