Kein Konzept für den Wolf? Wolfsberater schmeißt hin: Sauer aufs Land Niedersachsen

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Das Land Niedersachsen sei auf den Wolf schlecht vorbereitet, kritisiert Wolfsberater Christian Lohmeyer. Am 15. Juni legt er sein Amt nieder. Foto: dpaDas Land Niedersachsen sei auf den Wolf schlecht vorbereitet, kritisiert Wolfsberater Christian Lohmeyer. Am 15. Juni legt er sein Amt nieder. Foto: dpa

Osnabrück. Der Wolfsberater Christian Lohmeyer hat die Nase voll. Er schmeißt sein Ehrenamt hin. Lohmeyer fühlt sich vom Land Niedersachsen alleine gelassen. Das Land habe kein Konzept und ducke sich beim Thema Wolf hinter den Wolfsberatern weg.

Im November vergangenen Jahres hat Christian Lohmeyer seine Ernennungsurkunde überreicht bekommen. Seitdem ist er einer von 113 Wolfsberatern in Niedersachsen. Er ist für den Landkreis Nienburg zuständig. Seine Aufgabe ist es unter anderem, die Akzeptanz des Wolfes in der Bevölkerung zu fördern und Menschen im Umgang mit dem Tier zu beraten.

Acht Monate später hat er die Faxen dicke. Von Beruf ist Lohmeyer Landwirt und Schäfer, außerdem ist er Jäger. „Ich war fasziniert vom Wolf und von der Frage, wie ein Zusammenleben mit dem Menschen gelingen kann.“ Deshalb habe er das Amt angenommen.

Mittlerweile ist er nur noch enttäuscht. Er kritisiert, dass es beim Land Niedersachsen kein klares Konzept gebe, wie mit dem Wolf umgegangen werden soll. Mittlerweile gebe es Wölfe, die in Siedlungen auftauchen, Dutzende von toten Nutztieren in Niedersachsen und eine große Verunsicherung in der Bevölkerung. So sieht er es. (Weiterlesen: Schnellere Zahlung bei Wolfsrissen)

„Ich spreche ständig mit Hundehaltern, mit Pferdehaltern, mit Kindertagesstätten. Alle wollen wissen, wie sie sich verhalten müssen, wenn ein Wolf auftaucht.“ Vom Land Niedersachsen gebe es keine klaren Anweisungen. Jeder Wolfsberater rate im Zweifelsfall etwas anderes. (Weiterlesen: Wolf soll Fohlen in Bispingen getötet haben)

„Im Zweifelsfall zu Hause bleiben“

„In einigen Broschüren steht ernsthaft, man soll in die Hände klatschen, um den Wolf zu vertreiben“, sagt Lohmeyer. „Ich kann doch einer Erzieherin nicht sagen, die Kinder sollen in die Hände klatschen und sich groß machen, wenn ein Wolf kommt. Einige Tiere sind so an den Menschen gewöhnt, dass sie das vermutlich erst recht neugierig macht.“ Wenn ein Wolf in einer Siedlung auftaucht, bekomme Lohmeyer eine Menge Anrufe in kürzester Zeit. Die Menschen wollen wissen, wie sie sich verhalten sollen. „Im Zweifelsfall rate ich ihnen, im Haus zu bleiben.“

Es sei vom Land nicht geregelt, wie mit einem Tier umgegangen werden soll, dass sich regelmäßig in der Nähe von Menschen zeigt. „Es gibt keine Handlungsanweisungen, wie ein Tier vergrämt werden soll und wer das im Zweifelsfall zeitnah macht“, sagt Lohmeyer. (Weiterlesen: Experte: Wölfe mit Paintball-Munition vergrämen)

Das Land Niedersachsen und Naturschützer vermittelten ein Bild vom Wolf, das in der Realität in vielen Fällen nicht zutreffe. „Es wird gesagt, der Wolf meidet den Menschen und reißt nur ausnahmsweise Nutztiere – für Niedersachsen stimmt beides so nicht.“ (Weiterlesen: Osnabrücks Zoodirektor: Müssen uns an Wolf gewöhnen)

„Kaum zu bewältigen“

Finanziell sei das Amt des Wolfsberaters ein Zuschussgeschäft: Teilweise fahre er 80 Kilometer, um ein gerissenes Nutztier zu dokumentieren. „Mit allen Drum und Dran ist das ein halber Arbeitstag.“ Das Geld für die Fahrtkosten bezahle er aus eigener Tasche. „Vom Land gibt es für die vollständige Dokumentation eines gerissenen Nutztieres eine Aufwandsentschädigung von 25 Euro.“

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Auch zeitlich sei das Amt eine Überforderung. „Wenn man einen normalen Beruf hat, ist das kaum zu bewältigen.“ Zudem bekomme er den Ärger der Menschen ab, die mit der Wolfspolitik unzufrieden sein. „Das Land duckt sich hinter den Wolfsberatern weg.“ Seine Kritik sei beim Land auf taube Ohren gestoßen. Für ihn ist am 15. Juni Schluss mit der Wolfsberatung.

In einer Stellungnahme bedauert das niedersächsische Umweltministerium den Rücktritt Lohmeyers. Die Kritik des Wolfsberaters sei in persönlichen Gesprächen mit der Staatssekretärin erörtert worden. Beim Wolfsmanagement sieht sich das Ministerium allerdings auf einem guten Weg. So würden die Wolfsberater im Auftrag des Ministeriums regelmäßig geschult.


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