Ende des Turbo-Abiturs Rückkehr zu G9: Das ändert sich nach den Ferien

Der Weg zum Abitur wird wieder länger. Symbolfoto: imago/Thomas MüllerDer Weg zum Abitur wird wieder länger. Symbolfoto: imago/Thomas Müller

Osnabrück. Niedersachsen kehrt nach den Sommerferien als erstes Bundesland zum Abitur nach 13 Schuljahren zurück. Für Schüler und Eltern sind damit einige Änderungen verbunden – Fragen und Antworten zum G9.

Wer muss jetzt eigentlich wie lange zur Schule?

Die jetzigen siebten Klassen sind der erste Jahrgang, der wieder regulär nach 13 Jahren Abitur macht. Für die jetzigen achten Klassen und alle höheren Jahrgänge bleibt es bei G8 und damit einem Abitur nach zwölf Jahren. Die Regelung gilt für Gymnasien und Gesamtschulen. Leistungsstärkere Schüler haben aber weiter die Möglichkeit, schon nach zwölf Jahren das Abitur zu machen.

Wurde das Turboabitur nicht kürzlich erst gestartet?

Stimmt, so fühlt es sich zumindest für so manchen an. Die schwarz-gelbe Regierung hatte das Turbo-Abitur aber schon im Schuljahr 2004/2005 eingeführt. Entsprechend legten aber erst 2011 die erste G8-Abiturienten die Prüfungen ab.

Welche Argumente führen G9-Befürworter an?

Das Hauptargument führte unter anderem der grüne Abgeordnete Heinrich Scholing während der Debatte im Landtag an: „Die Rückkehr zum Abitur nach 13 Jahren bedeutet mehr Zeit zum Lernen.“ Weitere Argumente hat das Kultusministerium in einem Flyer zusammengefasst.

Wie funktioniert die Umstellung im Jahr 2020?

In dieses Jahr fällt der Übergang: Die gegenwärtigen Achtklässler haben bereits 2019 ihr Abitur gemacht – zumindest im Regelfall. Die derzeitigen Siebtklässler machen ihr Abitur erst 2021. Das heißt, 2020 gibt es keinen oder zumindest nur einen sehr dünnen Abiturjahrgang.

Bekommen die Schulen ein Raumproblem?

Das lässt sich jetzt noch nicht abschätzen, denn erst ab 2021 wird es einen zusätzlichen Jahrgang an den Schulen geben. Bis dahin wird sich vermutlich aber auch der demografische Wandel weiter verschärfen. Bei der vorherigen Umstellung, als die Schulzeit an den Gymnasien um ein Jahr verkürzt wurde, wurden Raumkapazitäten frei. Diese wurden in Osnabrück beispielsweise unterschiedlich genutzt: zum Beispiel durch die Einrichtung dringend benötigter zusätzlicher Fachräume.

Lief die Rückkehr zu G9 reibungslos?

Ganz im Gegenteil: Die Entscheidung zu G9 war Teil eines umfangreichen neuen Schulgesetzes, das als eins der umstrittensten und weitreichendsten Vorhaben der rot-grünen Koalition gilt. (Weiterlesen: Kommentar – Neues Schulgesetz ist eine Weichenstellung)

Worum ging es bei der Schulreform noch?

Durch die Novelle sollen auch Gesamtschulen als ersetzende Schulform zugelassen und Grundschulen pädagogisch weiterentwickelt werden. Insbesondere die vorgesehene starke Ausrichtung auf Gesamtschulen gab der Opposition während der Debatte Anlass zu heftiger Kritik. Die Gegner verwiesen auf mehr als 100 Petitionen mit rund 100.000 Unterschriften. Indes verwies SPD-Politiker Stefan Politze beispielsweise auf die starke Nachfrage der Eltern nach Gesamtschulen. Nach Auffassung von Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) erhöhen Gesamtschulen zudem Bildungschancen für alle Schüler. Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund spricht von einer höheren Chancengleichheit für Kinder. (Weiterlesen: Die Schulreform im Überblick)

Integrierte Gesamtschulen können jetzt andere Schulformen ersetzen. Was heißt das?

Bietet ein Schulträger zukünftig in seinem Zuständigkeitsbereich eine Gesamtschule an, muss er keine Schule des gegliederten Systems mehr vorhalten – also weder Haupt-, Real- oder Oberschule noch ein Gymnasium. CDU und FDP hätten diese Ersatzregelung mit ihrem Alternativentwurf gerne gestrichen und sprechen von einem „Anschlag“ auf die Schullandschaft. Sie befürchten, dass es bald nur noch IGS geben könnte. SPD und Grüne begründen ihren Vorstoß damit, dass die IGS zunehmend stark nachgefragt sei. Zudem würden bestimmte Klauseln Gymnasien in ihrem Bestand schützen.

Was ändert sich nach den Sommerferien noch?

Bis zur zehnten Klasse dürfen nach den Sommerferien höchstens 30 Pflichtwochenstunden unterrichtet werden. Außerdem soll die Zahl der Klausuren in der Qualifikationsphase der gymnasialen Oberstufe reduziert werden. Eine weitere Änderung betrifft Grundschüler: Die Empfehlung für Viertklässler – also der Hinweis darauf, ob sie auf ein Gymnasium, eine Realschule oder eine Hauptschule gehen sollten – entfällt. Diese Regel gilt aber erst ab Sommer 2016.


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