300 Mitglieder bei Großlogentreffen Legendenumwobene Freimaurer treffen sich in Osnabrück

Der Zirkel und das Winkelmaß sind die Symbole der Freimaurer. Foto: imago/INSADCODer Zirkel und das Winkelmaß sind die Symbole der Freimaurer. Foto: imago/INSADCO

Osnabrück. Alles wird gläsern im digitalen Zeitalter und der Welt der sozialen Netzwerke, in der sich Nachrichten aus der ganzen Welt rasant verbreiten. Doch um die Freimaurer ranken sich weiterhin Legenden. Ein Grund: Der Männerbund ist in sich gekehrt und verschwiegen. Jetzt kommen Mitglieder aus In- und Ausland zum Großlogentreffen nach Osnabrück.

„Die Freimaurer sind eine ideale Projektionsfläche für Verschwörungstheorien“, sagt Matthias Pöhlmann, Ansprechpartner für Sekten, Psychogruppen, Neureligionen und Weltanschauungen der evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern. Dabei spielt die Geheimhaltung eine Rolle: Die Rituale der Freimaurer können nicht besucht werden, es herrscht Verschwiegenheit über das, was in der Loge passiert, erklärt der Autor zweier Bücher über den ethischen Männerbund. Eine Sekte aber seien die Freimaurer nicht.

Für den stellvertretenden Bundesvorsitzenden der Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland (AFAM) , Peter Doderer, ist Verschwiegenheit eine Tugend. „Doch sie wird oft mit Geheimniskrämerei gleichgesetzt.“ Zweifelnde Haltungen von Außenstehenden gegenüber der Brüderschaft sieht er in Unkenntnis begründet. Und wo den Menschen Wissen fehlt, kommt oft die Fantasie ins Spiel.

Lortzing schrieb Freimaurer-Kantate

Auch die Vergangenheit spielt da eine Rolle: Während der Zeit des Nationalsozialismus waren die Freimaurer verboten. „So etwas wirkt immer nach“, sagt Doderer. Wie Juden, Bolschewisten und der Untergang des Abendlandes wurde auch den Freimaurern ein negatives Image angedichtet. „Ich kann mir vorstellen, dass man irgendwann daran glaubt, wenn man es lange genug hört“, erklärt Doderer, der aus Bad Laer im Landkreis Osnabrück kommt. In absolutistischen Ländern ist die Freimaurerei noch immer verboten.

Das Buch „Das verlorene Symbol“ von Dan Brown hat ebenfalls nicht dazu beigetragen, das mystische von den Freimaurern zu nehmen. In dem Thriller thematisiert der Autor Legenden rund um die Bruderschaft. Doch Doderer sagt ganz klar: „Wir sind kein Geheimbund.“

Die die Freimaurer haben sich den Werten Humanität, Toleranz und Brüderlichkeit verschrieben. Ihr Ziel ist die Arbeit an der eigenen Persönlichkeit. Entstanden sind die Freimaurer aus mittelalterlichen Steinmetzbruderschaften.

Vier Millionen Freimaurer

Etwa 16000 Freimaurer sind in zahlreichen Logen verschiedener Lehrarten in Deutschland organisiert. Die AFAM ist laut Pöhlmann eher humanitär ausgerichtet. Traditionell sind die Freimaurer ein Männerbund. Seit einigen Jahren gibt es aber auch eine Frauengroßloge in Deutschland. Etwa 300 Freimaurerinnen soll es in der Bundesrepublik geben. Verglichen mit anderen Ländern sind die Freimaurer hier nur eine kleine Bruderschaft. „In England gibt es rund 450000 Freimaurer“, erklärt Doderer. Kein Wunder: Früheste Belege über ihre Existenz gibt es aus dem 18. Jahrhundert aus Schottland. Weltweit schätzen Experten die Anzahl der Freimaurer auf rund vier Millionen.

Konzept überholt?

„Männer suchen sich Räume und Gesellschaften, in denen sie sich geschlechtsspezifisch etwa über Ethik oder Symbolik austauschen können“, versucht Pöhlmann den Sinn des Bundes in der heutigen Zeit zu beschreiben. Auch, dass sich über die Bruderschaft auf der ganzen Welt Freundschaften knüpfen lassen, gehöre dazu. Allerdings müsse man sich auch fragen, ob das Konzept der Freimaurer nicht überholt ist. „Geselligkeit, Freundschaft, Ethik werden auch woanders abgedeckt“, so Pöhlmann. Zum Beispiel durch Service-Clubs wie die Rotarier.

Wie die Rotarier engagieren sich auch die Freimaurer karitativ und bürgerschaftlich mit Spenden oder Patenschaften – doch das geschieht eher im Verborgenen. Daran wollen die Freimaurer laut Doderer etwas ändern. „Bei uns besteht der Wunsch, uns zu öffnen“, sagt Doderer. Dazu beigetragen habe auch Altkanzler Helmut Schmidt. „Als er den Preis der Freimaurer erhielt, hat er gesagt, ‚Tun Sie Gutes und reden auch darüber. Die Menschen erfahren nichts von Ihren Aktionen‘“, erklärt Doderer.

Digitale Welt ein Thema

Mithilfe des Internets sei es relativ leicht, Außenstehende über all diese Dinge zu informieren. „Freimaurer im Informationszeitalter – Chancen, Risiken und Nebenwirkungen der digitalen Welt“ lautet deshalb das Thema des diesjährigen Großlogentreffens, das die Großloge AFAM vom 13. bis 15. Mai in Osnabrück veranstaltet. „Ältere Mitglieder haben Vorurteile gegenüber dem Internet. Ich denke aber, wir müssen uns dieses Mediums bedienen“, so Doderer. Laut Pöhlmann haben die Freimaurer ihr Image in der Vergangenheit bereits etwas überarbeitet. Es gibt zahlreiche Veröffentlichungen zu dem Thema und auch die Internetauftritte einiger Logen seien professioneller geworden.

Das Thema Ökologie spielt bei dem Treffen in Osnabrück ebenfalls eine Rolle. „Wir haben die Pflicht und Schuldigkeit, Ökologie und Ökonomie unter einen Hut zu bringen.“ Referenten werden über verschiedene Aspekte informieren, die Anwesenden darüber diskutieren. Rund 300 Freimaurer haben sich laut Doderer angemeldet – eine „ansehnliche Zahl“.

Wirgefühl stärken

Während die Großlogentreffen im Zwei-Jahres-Rhythmus stattfinden, treffen sich die Mitglieder einzelner Logen mehrmals im Monat. An manchen Abenden sind Referenten vor Ort, an anderen sprechen die Freimaurer über Dinge, die den einzelnen beschäftigen und überlegen, wie sie ihm helfen können. „Bei den Bruderabenden geht es darum, das Wirgefühl etwas zu stärken und sich untereinander weiter kennenzulernen.“

Die Runden sind dabei bunt gemischt. Vom Fliesenleger über den Schreiner bis hin zu Vertretern aus der Wirtschaft oder der Politik seien alle Berufe vertreten. Auch das Alter sei gemischt. „Es ist ein Querschnitt der Gesellschaft.“ Anschließen könne sich den Freimaurern jeder – vorausgesetzt, er sei bereit, sich einzubringen. „Man kann nicht wegen einer bestimmten Position in der Gesellschaft Mitglied werden“, sagt Doderer. Auch wenn das nicht schade.

Und auch wenn die Freimaurer laut eigener Aussage kein Geheimbund sind – nicht jedes Mitglied möchte seine Zugehörigkeit öffentlich preisgeben. Das zeigt auch das auf der Internetseite der 10200-Mitglieder starken Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland, dem Veranstalter des Großlogentreffens, veröffentlichte Programm: Einige Brüder, die Vorträge halten, sind nur mit Initialen aufgeführt.

Ein „Geheimnis“ haben die Freimaurer entgegen aller Bekunden dann aber doch noch: „Egal, in welche Loge man kommt, man ist überall Zuhause. Denn die Idee ist immer die gleiche. Es ist schön, überall nicht nur Freunde zu haben, sondern Brüder“, sagt Doderer.


In Osnabrück gibt es eine Freimaurerloge, die sich „Zum Goldenen Rade“ nennt. Sie ist der älteste eingetragene Verein der Stadt und wurde 1807 gegründet und hat heute etwa 80 Mitglieder. Sie halten ihre Treffen im Lortzinghaus ab. Dort treffen sich auch die englischsprachige Loge „Thistle & Saltire Nr. 1040“ , die Freimaurerinnenloge „Temperantia“ und die „Doric Nr. 866“.

Die Freimaurer sind aus den Bruderschaften der Steinmetze entstanden. Sie verstehen sich als Mitglieder eines ethisch orientierten Bundes. Zu ihren zentralen Symbolen gehören Winkelmaß, Zirkel, Senkblei und Kelle. In Deutschland gibt es etwa 16000 Freimaurer, weltweit schätzungsweise vier Millionen. Die Freimaurer organisieren sich in Logen. Die erste deutsche Loge wurde 1737 in Hamburg gegründet. Die Logen treffen sich mehrmals im Monat; Außenstehende dürfen nur an Gastabenden dazustoßen. Bei ihren Treffen ist es verpönt, sich über politische oder religiöse Themen zu unterhalten. Auch einige berühmte Menschen waren Freimaurer: Mozart, Goethe, Churchill, Voltaire, George Washington und Stresemann zum Beispiel. Ob Bewerber Mitglieder werden können, darüber entscheiden die Freimaurer mithilfe der sogenannten Kugelung. Freimaurer durchlaufen drei Grade: vom Lehrling über den Gesellen werden sie zum Meister.

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