Umfrage unter Historikern Kalkriese wichtigster Erinnerungsort in Niedersachsen

Von Joachim Göres

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Hannover. Kalkriese ist als mutmaßlicher Schauplatz der Varusschlacht der wichtigste Erinnerungsort in Niedersachsen und Bremen, gefolgt vom Auswandererhafen Bremerhaven, dem Konzentrationslager Bergen-Belsen und dem Wolfsburger VW-Werk. Das ist das Ergebnis einer Umfrage unter Historikern, die am Samstag in Hannover vorgestellt wurde.

Auf Platz fünf befindet sich das Osnabrücker Rathaus mit seinem Friedenssaal, auf Platz 22 der Upstalsboom in Rahe bei Aurich, die einstige Versammlungsstätte der Abgesandten der friesischen Landesgemeinden. Es konnten auch sogenannte immaterielle Erinnerungsorte genannt werden – auf Platz neun kam das Niedersachsenross, auf Platz 15 mit gleicher Stimmzahl unter anderen das Schützenfest und das Niedersachsenlied.

Für die Umfrage hatte die Geschichtswissenschaftlerin Christiane Schröder aus Hannover 99 Historiker aus allen Landkreisen Niedersachsens sowie aus Bremen zu 20 konkreten Vorschlägen aufgefordert, die sie „für eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Erinnerungsorten in Niedersachsen und Bremen am wesentlichsten“ ansehen. 40 Personen antworteten und schlugen insgesamt 150 Erinnerungsorte vor, die für sie eine besondere Bedeutung haben.

Der Historiker Detlef Schmiechen-Ackermann von der Uni Hannover sagt: „Geschichte wird benutzt, um Identität aufzubauen. Dafür muss man erstmals fragen, welches die besonders wichtigen Orte sind. Wir wollen eine breite und kritische Diskussion zu diesem Thema“, so der Sprecher des Arbeitskreises für die Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen. Sein Stellvertreter Jochen Oltmer von der Uni Osnabrück betont: „In der Spitzengruppe sind viele Orte, in die in den letzten Jahren viele Millionen Euro investiert wurden wie in das Museum Varusschlacht, das Auswandererhaus Bremerhaven oder das Museum Friedland. So wird Erinnerungspolitik betrieben.“

Nach Angaben von Thomas Vogtherr, Vorsitzender der Historischen Kommission, wird diese zum 70. Geburtstag des Landes Niedersachsen im kommenden Jahr ein wissenschaftliches Symposium über die Besonderheiten des Bundeslandes veranstalten.

Das Land Niedersachsen war am 1. November 1946 auf Beschluss der britischen Militärregierung durch die Vereinigung der ehemaligen preußischen Provinz Hannover und den Ländern Braunschweig, Oldenburg und Schaumburg-Lippe gebildet worden.


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