Im Fall Todespfleger Niels H. Todespfleger Niels H.: Ex-Oberstaatsanwalt angeklagt


Osnabrück. Die Staatsanwaltschaft Osnabrück hat einen heutigen Richter am Landgericht Oldenburg angeklagt, der in seiner Zeit als Oberstaatsanwalt in Oldenburg die Ermittlungen gegen den Krankenpfleger Niels H. verschleppt haben soll – einen der möglicherweise größten Serienmörder in der deutschen Nachkriegsgeschichte.

Strafvereitelung im Amt und zwei Fälle von Rechtsbeugung wirft die Staatsanwaltschaft dem Juristen vor. Er hatte die Ermittlungen von August 2011 bis November 2013 geleitet – also weit nach den fraglichen Vorfällen im Klinikum Delmenhorst.

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Die Stationen von Niels H.

1999-2002: Der Pfleger beginnt am Klinikum Oldenburg. Auf zwei Stationen ist er auffällig oft bei Wiederbelebungen dabei. Die Polizei untersucht dort zurzeit den Tod von mehr als 20 Patienten.

2003-2005: Der Angeklagte arbeitet als Pfleger auf der Intensivstation am Klinikum Delmenhorst. Die Todesrate in der Abteilung verdoppelt sich in dem Zeitraum beinahe. Die Ermittler gehen dort aktuell 163 Fällen nach. Außerdem fährt der Pfleger in seiner Freizeit für die Rettungssanitäter im Kreis Oldenburg.

Juni 2005: Eine Krankenschwester ertappt den Mann im Klinikum Delmenhorst auf frischer Tat. Die Polizei ermittelt.

2006: Das Landgericht Oldenburg verurteilt ihn wegen versuchten Totschlags zu fünf Jahren Haft. Der Bundesgerichtshof kippt das Urteil.

Januar bis Juli 2008: Der Mann arbeitet als Pfleger in einem Altenheim in Wilhelmshaven. Von März bis Oktober fährt er außerdem als Rettungssanitäter für das Deutsche Rote Kreuz in Wilhelmshaven.

Juni 2008: Das Landgericht verurteilt den Mann im Revisionsprozess zu siebeneinhalb Jahren Haft wegen Mordversuchs. Im Dezember wird das Urteil rechtskräftig. Das Berufsverbot tritt in Kraft.

Januar 2014: Die Staatsanwaltschaft erhebt erneut Anklage gegen den Mann. Diesmal wegen dreifachen Mordes und zweifachen Mordversuchs. Der Prozess beginnt im September.

26. November: Es wird bekannt, dass gegen zwei frühere Staatsanwälte wegen des Verdachts der Strafvereitlung im Amt ermittelt wird.

Januar 2015: Der psychiatrische Gutachter verliest eine Erklärung des Angeklagten. Darin gesteht er 90 Taten am Klinikum Delmenhorst. Bis zu 30 Patienten sollen gestorben sein.

26. Februar: Die Verteidigung hält ihr Plädoyer auf Totschlag. Die Richter verkünden das Urteil: Lebenslange Freiheitsstrafe, besondere Schwere der Schuld, lebenslanges Berufsverbot.

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