Opposition kritisiert Heiligenstadt „Ministerin reicht abgenagten Fingernagel“

Heftige Reaktionen gab es auf Vorschläge von Kultusministerin Frauke Heiligenstadt zu Klassenfahrten. Foto: Jörn MartensHeftige Reaktionen gab es auf Vorschläge von Kultusministerin Frauke Heiligenstadt zu Klassenfahrten. Foto: Jörn Martens

Hannover. Die Reaktionen auf die Klassenfahrt-Vorschläge von Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) fielen krass unterschiedlich aus: Während CDU und FDP kein gutes Haar an dem Vorstoß ließen, äußerten sich Lehrer-, Eltern- und Schülervertreter durchweg positiv.

„Die Ministerin reicht den Lehrern noch nicht einmal den kleinen Finger, sondern gerade mal ihren abgenagten Fingernagel“, verurteilte FDP-Bildungsexperte Björn Försterling die Angebote. Kai Seefried (CDU) sprach von „Kosmetik“; nötig sei die Rücknahme der Arbeitszeiterhöhung für Lehrkräfte.

Dagegen begrüßten der Philologenverband, die GEW und der Verband VBE die Vorschläge Heiligenstadts. „Wir sind zufrieden mit den Ergebnissen“, sagte VBE-Landeschefin Gitta Franke-Zöllmer. GEW-Vorsitzender Eberhard Brandt und Horst Audritz vom Philologenverband bezeichneten die Angebote der Ministerin als „längst überfällige“ Maßnahmen und „deutliche Verbesserung“.

Auf Fragen nach einem möglichen Ende des Boykotts erklärte Audritz, so manche Lehrkraft werde jetzt in der Tat überlegen, doch wieder Klassenfahrten durchzuführen. Das bleibe jedem Einzelnen überlassen. Er gab zu verstehen, sein Verband habe nie eine Aussetzung von Klassenfahrten empfohlen, und so gebe es jetzt auch keinen Anlass zu empfehlen, solche Fahrten wieder aufzunehmen. In einer Presseerklärung geißelte er dann später erneut die Arbeitszeitverlängerung massiv und verwies auf eine Entscheidung von Personalräten an über 200 Gymnasien, den Boykott bos 2018 fortzusetzen, wenn die Regierung keinen Rückzieher mache.

Die Vorsitzenden des Landeseltern- und Landesschülerrates, Tjark Melchers und Stefan Bredehöft, appellierten an Schulen und Lehrer, den Boykott vor dem Hintergrund der Verbesserungen für Lehrkräfte sofort zu beenden. Beide verwiesen auf den hohen Wert, den Klassenfahrten für Schüler hätten. Das unterstrich erneut auch Kultusministerin Heiligenstadt.


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