Teilzeit, Leiharbeit und Minijobs Vier von zehn Arbeitnehmern „atypisch“ beschäftigt

Ein Schild weist in Erfurt den Weg zu einer Zeitarbeitsmesse, auf der sich Zeitarbeitsfirmen den Interessierten vorstellen. Foto: dpaEin Schild weist in Erfurt den Weg zu einer Zeitarbeitsmesse, auf der sich Zeitarbeitsfirmen den Interessierten vorstellen. Foto: dpa

Osnabrück. Teilzeit, Leiharbeit und Minijobs: Zahlreiche Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer würden gerne mehr arbeiten, müssen sich aber mit „atypischer“ Beschäftigung begnügen. Auch in unserer Region ist der Anteil solcher Beschäftigungsverhältnisse teilweise überdurchschnittlich hoch.

„Die günstige Entwicklung am Arbeitsmarkt hält an“, so Hans-Jürgen Weise von der Bundesagentur für Arbeit. Er hat allen Grund zur Freude, denn die Zahl der amtlich registrierten Arbeitslosen ist im März weiter gesunken: auf 2,932 Millionen. Arbeitsmarktexperten gießen nun aber erneut Wasser in den Wein. Denn längst nicht jeder Arbeitsplatz entspricht den Vorstellungen der Beschäftigten. Vier von zehn Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern (rund 39 Prozent) hatten 2014 eine Teilzeitstelle, einen Minijob oder waren als Leiharbeiter beschäftigt.

In manchen westdeutschen Landkreisen und kreisfreien Städten hat die sogenannte „atypische Beschäftigung“ einen Anteil von mehr als 50 Prozent an der Zahl der abhängig Beschäftigten, so das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Auch in unserer Region gibt es teilweise hohe Werte.

Am stärksten verbreitet ist atypische Beschäftigung laut WSI in den westdeutschen Flächenländern: Schleswig-Holstein lag im vergangenen Jahr mit 42,7 Prozent vorn, gefolgt von Rheinland-Pfalz mit 41,8 und Niedersachsen mit 41,6 Prozent.

Auf Stadt- und Kreisebene sind Delmenhorst und Landshut mit 54,1 und 52,9 Prozent die Spitzenreiter. In der kreisfreien Stadt Osnabrück sind es 45,5 Prozent.

Weitere regionale Werte:

Landkreis Osnabrück 42,3 Prozent,

Landkreis Emsland 39,3 Prozent,

Landkreis Grafschaft Bentheim 45,2 Prozent,

Landkreis Leer 48,4 Prozent,

Landkreis Aurich 43,2 Prozent,

Landkreis Vechta 39,6 Prozent,

Landkreis Cloppenburg 39,7 Prozent,

Landkreis Oldenburg 43,00 Prozent,

Landkreis Ammerland 38,8 Prozent.

Im Osten Deutschlands liegen die Werte meist deutlich niedriger. WSI-Experte Toralf Pusch führt dies auf andere Erwerbsmuster vor allem bei Frauen zurück. Im Westen seien Frauen deutlich häufiger atypisch beschäftigt als im Osten. „Das liegt unter anderem an traditionellen Rollenbildern gerade auf dem Land sowie an fehlenden Möglichkeiten der Kinderbetreuung.“ Am niedrigsten ist der Anteil atypischer Beschäftigung in Thüringen mit 35,6 Prozent.

Teilzeitjobs machten im vergangenen Jahr mit insgesamt 21,8 Prozent aller abhängig Beschäftigten den größten Anteil der atypischen Arbeitsverhältnisse aus. Längst nicht jede Teilzeitbeschäftigung ist nach den Worten von Pusch als prekär, also heikel, anzusehen. Doch häufig entspricht Teilzeitarbeit dem Experten zufolge „nicht den tatsächlichen Arbeitszeitwünschen der Beschäftigten“.

Minijobs als Hauptverdienst hatten laut WSI 15,1 Prozent der Beschäftigten. In den ostdeutschen Bundesländern ist die Zahl der Minijobs erstmals seit Jahren deutlich zurückgegangen. Zugleich stieg die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN