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Fleischbranche gegen feste Quoten Niedersachsen will deutlich weniger Werkverträge

Per Werkvertrag sind die meisten Beschäftigungsverhältnisse in Schlachtereien geregelt. Foto: dpaPer Werkvertrag sind die meisten Beschäftigungsverhältnisse in Schlachtereien geregelt. Foto: dpa

Hannover. Die niedersächsiche Landesregierung will die Zahl der Werkvertragsbeschäftigten in der Schlacht- und Zerlegebranche „deutlich“ reduzieren, doch lehnen die Unternehmen feste Quoten ab.

Das ist das Ergebnis einer dritten Gesprächsrunde, zu der Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) und Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) jetzt mit Vertretern der Fleischbranche in Hannover zusammentrafen. Die beiden Kabinettsmitglieder machten dabei nach eigenen Angaben Druck, um eine drastische Beschränkung der Werkvertragsarbeitnehmer zu erreichen.

„Wenn 70 bis 80 Prozent der Belegschaft Werkvertragsbeschäftigte sind, dann stimmt etwas nicht, dann wird das Instrument Werkvertrag missbraucht“, erklärte Lies. Er forderte die Unternehmen auf, diese Arbeitnehmer endlich fest anzustellen.

Nach Schätzungen der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) gibt es derzeit in Niedersachsen bis zu 20000 Werkvertragsbeschäftigte. Ein großer Teil davon komme aus Rumänien, Bulgarien, Polen oder Tschechien.

Lies und Meyer appellierten an die Vertreter der Fleischbranche, sich zu verpflichten, die Zahl der Werkverträgler Schritt für Schritt abzubauen und diese Arbeitnehmer in ordentliche Beschäftigungsverhältnisse zu übernehmen. Vorgeschlagen wurde eine Reduzierung auf 20 Prozent der jeweiligen Belegschaft bis zum Jahr 2018.

Fleischbranche: Das geht nicht von heute auf morgen

Die Sprecher der Schlacht- und Zerlegebranche sicherten nach Angaben der Minister zwar zu, die Zahl der Werkvertragsbeschäftigten „deutlich zu reduzieren“. Auf feste Größenordnungen wollten sie sich jedoch nicht einlassen. „Wir werden keine Quote festschreiben können. Das ist ein Prozess, das geht nicht von heute auf morgen“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Ernährungswirtschaft, Michael Andritzky .

Er verwies darauf, dass es nicht genügend deutsche Arbeitnehmer für die Stellen gebe und viele Beschäftigte aus Osteuropa auch gar keinen dauerhaften Vertrag wollten. Zu starke Eingriffe bei Werkverträgen könnten auch die festen Arbeitsplätze in der Branche gefährden.

Ab Oktober 8,60 Euro Mindestlohn

Lies und Meyer kündigten an, im Bemühen um weitere Verbesserungen für Werkvertragsarbeitnehmer nicht locker zu lassen. Als Erfolge werteten sie, dass ein Tarifvertrag eingefädelt wurde, ab Oktober ein Mindestlohn von 8,60 Euro gezahlt werde und auch vielfach desaströse Wohnverhältnisse gemildert werden konnten. Die Gewerkschaft NGG forderte unterdessen, noch schärfer gegen Werkvertragsverhältnissen vorzugehen. Die Höchstgrenze sollte fünf Prozent betragen.


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