2761 Infektionen mit gefährlichem Keim MRSA: 180 Tote in Niedersachsen seit Mitte 2009 gemeldet



Osnabrück. 180 Niedersachsen sind seit Einführung der Meldepflicht Mitte 2009 an einer Infektion mit dem multiresistenten Erreger MRSA gestorben. Das sagte eine Sprecherin des Landesgesundheitsamtes unserer Redaktion. 2014 galt der Keim bei 34 Menschen als Todesursache nach 26 Fällen im Vorjahr.

Der Behörde seien im vergangenen Jahr 542 Infektionen mit dem Methicilin-resistenten Staphylococcus aureus, kurz MRSA, gemeldet worden. Damit stieg die Zahl der amtlich registrierten Infektionen auf 2761 Fälle seit Mitte 2009 an. (Hier Informationen zum Jahr 2013)

Zahl der Todesfälle unklar

Wie viele Menschen in Deutschland tatsächlich in der Folge einer Infektion mit einem multiresistenten Keim sterben, ist unklar. Die Angaben schwanken zwischen 2000 und bis zu 30.000 Toten pro Jahr. MRSA gilt dabei als Hauptproblem, es gibt aber auch weitere Erreger gegen die Antibiotika nur eingeschränkt oder gar nicht mehr helfen.

Lungeninfektion oder Blutvergiftung

Für gesunde Menschen ist MRSA in der Regel ungefährlich. Chronisch Kranke, immungeschwächte Patienten oder aber frühgeborene Babys gelten aber als besonders gefährdet. Bei diesen Risikogruppen kann eine Infektion eine Lungeninfektion oder eine Blutvergiftung auslösen und im schlimmsten Fall tödlich verlaufen.

Verschärfte Meldepflicht

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) hat den Keimen nun mit einem 10-Punkte-Plan den Kampf angesagt. Demnach sollen Meldepflichten in Kliniken verschärft werden. Zudem wird überlegt, Patienten vor einer Behandlung auf multiresistente Erreger zu testen. Karl-Josef Laumann, Patientenbeauftrager der Bundesregierung (CDU) sagte kürzlich, ein Großteil der Infektionen im Krankenhaus seien vermeidbar. Es mangele nicht an Gesetzen, sondern am richtigen Verhalten in Kliniken.

Mehr Fachkräfte notwendig?

Die Deutsche Gesellschaft für Infektiologie wies daraufhin, dass die Zahl der Infektions- und Hygienespezialisten an Krankenhäusern deutlich erhöht werden müsse. „Erforderlich wären hier rund 1000 Infektiologen in Deutschland statt der geschätzten 300, die es bisher im Krankenhausbereich gibt“, hieß es in einer Mitteilung.

Heinrich Bottermann, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, sagt: „Seit 1997 wird über MRSA debattiert. Die Erfolge sind seit dem bei Weitem nicht so, wie sie eigentlich sein müssten.“ Das wichtigste Mittel im Kampf gegen Resistenzen sei Aufklärung. Nur wer über Gefahren Bescheid wisse, könne sich entsprechend verhalten. „Wir brauchen eine erhöhte Aufmerksamkeit im Umgang mit Antibiotika sowohl bei Ärzten als auch bei Patienten“, so Bottermann. Seine Stiftung treibt besonders die Entsorgung von Medikamenten beispielsweise durch die Toilette um. Was passiert, wenn sich die Wirkstoffe im Wasser oder im Boden ablagern? So genau weiß das derzeit niemand.

DBU: Antibiotika-Einsatz in Tierhaltung reduzieren

Ein weiterer Fokus der DBU liegt auf dem Antibiotika-Einsatz in der Tierhaltung. Der Generalsekretär spricht sich zwar für einen reduzierten Einsatz in Ställen aus. Ein Verzicht sei mit dem Tierschutz aber nicht vereinbar. Und auch vor einem Verbot der sogenannten Reserveantibiotika warnt Bottermann.


Rund 35.000 Menschen erkranken Schätzungen zufolge jährlich bundesweit an dem gefährlichen Krankenhauskeim MRSA. Etwa 1500 sterben an dem Erreger, der gegen Antibiotika resistent ist. Infektionen mit MRSA sind nicht nur in Kliniken, sondern auch in Pflegeeinrichtungen und Altenheimen ein wachsendes Problem. MRSA steht für Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus, ein Staphylokokken-Keim, der durch den weltweit häufigen Einsatz von Antibiotika vor allem gegen das Breitband-Antibiotikum Methicillin unempfindlich geworden ist. Der Erreger kommt auf der Haut und in den Schleimhäuten der oberen Atemwege vor. Gesunde erkranken selten an MRSA. Auch für die meisten Krankenhauspatienten ist er nicht gefährlich. Sie können den Erreger aber weitertragen und andere gefährden. Kritisch wird es, wenn die resistente Variante des Bakteriums kranke Menschen befällt, die offene Wunden haben oder deren Abwehr geschwächt ist. MRSA kann Lungenentzündungen, Blutvergiftungen oder andere Infektionen auslösen, die bisweilen tödlich sein können. (dpa)

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