Jüngste Bilanz Enercon zufrieden mit ersten Monaten 2014

Von dpa

Das Windkraftanlagen-Unternehmen Enercon zieht eine positive Bilanz. Foto: ImagoDas Windkraftanlagen-Unternehmen Enercon zieht eine positive Bilanz. Foto: Imago

Aurich. Der Windkraftprimus Enercon ist so verschwiegen wie erfolgreich. Inzwischen sind die Ostfriesen die Nummer Drei der Windkraftwelt. Doch das enorme Wachstum fordert offensichtlich Tribut: Seit kurzem werkelt Enercon an einer Reform seiner Konzernstruktur.

Der Windkraft-Branchenriese Enercon ist in der ersten Jahreshälfte 2014 nach eigenen Angaben gut unterwegs gewesen. „Die ersten Monate des laufenden Geschäftsjahres entsprachen den eigenen Erwartungen“, heißt es laut Bundesanzeiger in der jüngsten Bilanz der Enercon-Holding UEE mit Stand Mai 2014. Der deutsche Marktführer aus dem ostfriesischen Aurich gilt als verschwiegen, die Pflicht zur Bekanntgabe von Kennzahlen im Bundesanzeiger ist stets die einzige Informationsquelle über das Stiftungsunternehmen, hinter dem der im Emsland geborene Ingenieur Aloys Wobben (63) steht. (Weiterlesen: Der reichste Mensch Niedersachsens: Enercon-Gründer Wobben)

Export macht die Hälfte aus

Der Prognose zufolge plante Enercon, 2014 Anlagen mit einer Leistung zwischen 3700 und 4000 Megawatt auszuliefern. Im Vorjahr 2013 waren knapp 3700 Megawatt zusammengekommen. Damit hatte Enercon das eigene Ziel um gut 5 Prozent übertroffen. Mit 4,9 Milliarden Euro waren die Umsätze 2013 im Vorjahresvergleich jedoch um 3,5 Prozent rückläufig. Der Export machte 2013 gut die Hälfte (59 Prozent) aus. Während die Erlöse im Inland um 23 Prozent zulegten, gaben sie im Ausland um 19 Prozent nach. Unter dem Strich standen bei der Holding 473 Millionen Euro, was einen Einbruch um gut 22 Prozent bedeutete.

Ein ähnliches Bild ergab sich beim Ergebnis vor Steuern, das um gut 200 Millionen Euro auf 712 Millionen Euro absackte. Dennoch habe man die selbst gesteckten Ziele übertroffen, und zwar „trotz der anhaltenden Verunsicherungen an den Finanzmärkten und trotz des sich fortsetzenden Wettbewerbsdrucks“, schreibt das Unternehmen.

Kampf mit der eigenen Komplexität

Wie aus den Angaben hervorgeht, hat Enercon seit 2012 eine Art Hausbank - mit rund 450 Millionen Euro Kapital, dessen Löwenanteil aus verzinslichen Wertpapieren besteht. Die Aufgabe der Tochter sei es, „die gruppeninternen Finanzierungsaufgaben abzubilden sowie die Mittelverwaltung zu bündeln“. Außerdem kämpft Enercon offensichtlich mit der eigenen Komplexität. So seien „Maßnahmen zur Schärfung der Kernstruktur geplant“. Dabei gehe es um „eine Bündelung der Fachkompetenzen in organisatorisch ausgelagerten Einheiten“. Unter der Holding steht ein Geflecht aus Töchtern mit diversen Aufgaben. Die Enercon-Pressestelle war am Donnerstag nicht zu erreichen.

Enercon nannte für 2013 einen Weltmarktanteil von 10 Prozent. Für Europa sei es gut ein Viertel (2012: 23 Prozent) und in Deutschland 47 Prozent, ohne die Anlagen vor der Küste sogar mehr als die Hälfte. Enercon verzichtet aus strategischen Gründen auf Offshore-Geschäfte.

Druck aus China

Weltweit rangieren nur noch Vestas und Goldwind vor Enercon. Jedoch schreiben die Ostfriesen: „Aufgrund des anhaltenden Preiskampfes gehen wir mittelfristig von einer Marktkonsolidierung auf Herstellerseite aus, erwarten aber selber nicht substanzgefährdend in Mitleidenschaft gezogen zu werden.“ Grund für den wachsenden Druck sei die Marktentwicklung in China, den USA und Indien. Sie bringe zu große Fabrikkapazitäten. Enercon sieht sich aber nicht betroffen.

Die Holding zählte 2013 im Vorjahresvergleich mit 3699 Menschen rund 140 Mitarbeiter weniger. Einen Abbau gab es vor allem im Ausland, wo die Zahl der durchschnittlichen Mitarbeiterstärke von knapp 2400 auf 2060 sank. Mit einer Eigenkapitalquote von mehr als 50 Prozent gilt Enercon als solide durchfinanziert und als kaum von Banken abhängig.

Profiteur der Energiewende

Enercon ist ein Profiteur der Energiewende, die der Windkraftbranche über das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) mit Aufschlägen auf den Strompreis eine sichere Wachstumsbasis bietet. Ein durchschnittlicher Haushalt zahlte im Jahr 2014 mehr als 200 Euro EEG-Umlage.

Laut Industrieverbänden hatte es 2014 bundesweit einen Rekordzubau in der Windkraft von 4750 Megawatt bei 1766 Anlagen gegeben. Die Branche dringt auf mehr Tempo. Doch die immer höheren Anlagen mit längeren Flügeln sorgen auch für Konflikte mit Anwohnern und dem Naturschutz.