zuletzt aktualisiert vor

„Niklas“ stoppt den Verkehr Sturmtief bremst Bahn und Autos in Niedersachsen aus

Von dpa

Die Deutsche Bahn hat den Regionalverkehr in Niedersachsen am Dienstagnachmittag wegen des schweren Sturms eingestellt. Foto: ImagoDie Deutsche Bahn hat den Regionalverkehr in Niedersachsen am Dienstagnachmittag wegen des schweren Sturms eingestellt. Foto: Imago

Hannover. Umgekippte Bäume, Strandkörbe und Zelte: Orkanartige Böen haben auf ihrem Weg quer durch Niedersachsen vielerorts Schäden hinterlassen. Der Bahn-Regionalverkehr wurde gestoppt, bisher aber niemand ernsthaft verletzt.

Das Sturmtief „Niklas“ ist mit orkanartigen Böen durch Niedersachsen gewirbelt und hat am Dienstag den Verkehr massiv gestört. Der Bahnverkehr wurde weitgehend durch umgestürzte Bäume lahmgelegt. Umgekippte leere Lastwagen und Anhänger blockierten zahlreiche Straßen. Bei Unfällen wurden mehrere Menschen verletzt. (Weiterlesen: Baum auf IC bei Osnabrück gefallen)

Von der Küste bis zum Harz waren Helfer im Dauereinsatz, um Unfallstellen abzusichern oder die Umgebung zu sperren. Allein die Feuerwehr Hannover zählte seit dem Mittag 125 Einsätze und war mit 450 Helfern im Einsatz. Die meisten Fälle gingen glimpflich und ohne ernste Verletzungen ab.

Bahnverkehr eingestellt

Nach diversen Unwetterschäden stellte die Bahn am späten Nachmittag den Regionalverkehr in ganz Niederachsen ein. Ausgenommen waren Strecken im Harz-Weser-Netz im Süden des Landes. Am Nachmittag war auch der S-Bahn-Verkehr im Raum Hannover aus Sicherheitsgründen gestoppt worden. Am Hauptbahnhof Hannover warteten zahlreiche Menschen auf ihre Anschlusszüge. Landesweit kam es zu erheblichen Verspätungen.

Nahe Osnabrück stürzten mehrere Bäume auf einen Intercity-Zug. Die rund 350 Insassen blieben unverletzt. Glück hatten auch Fahrgäste bei Coppenbrügge im Landkreis Hameln-Pyrmont: Ihr Regionalzug fuhr auf umgestürzte Bäume, ohne dass jemand zu Schaden kam. (Weiterlesen: So fegte Sturmtief „Niklas“ über Osnabrück)

Die privaten Metronom-Züge zwischen Hamburg und Bremen und Hannover-Celle blieben in den Bahnhöfen, auf anderen Regionalstrecken fuhren die Züge mit gedrosseltem Tempo, ebenso die Fernzüge. Auch die private Nordwestbahn konnte im Weser-Ems-Netz auf allen Linien keinen geregelten Verkehr mehr anbieten. Mit Einbruch der Dunkelheit sollte der Betrieb eingestellt werden. Für Mittwochfrüh wurde mit einem planmäßigen Betriebsstart gerechnet.

Dramatische Szenen auf A29 bei Oldenburg

Dramatisch sah es zeitweise auf der Autobahnbrücke der A29 bei Oldenburg aus. Es bestand die Gefahr, dass ein umgewehter Anhänger von der 26 Meter hohen Huntebrücke in den Fluss stürzt. Helfer konnten das Gespann rechtzeitig bergen.

Auf einer Bundesstraße bei Diepholz wurde ein Lastwagen vom Sturm in den Gegenverkehr gedrückt und prallte mit einem Bus zusammen. Mehrere Menschen, darunter Kinder, wurden verletzt.

Der Sturm trennte im Landkreis Lüneburg ganze Ortschaften vom Stromnetz, berichtete die „Landeszeitung“. Allein in der Gemeinde Oldendorf/Luhe waren laut Netzbetreiber Avacon 177 Haushalte von einer Netzstörung betroffen. Aus Sicherheitsgründen blieben der Zoo in Hannover und das Bremer Volksfest Osterwiese geschlossen. Auf dem Campingplatz in Schillig (Kreis Friesland) stürzten Zelte ein. Dort sorgten sich Gäste auch um die Campingwagen angesichts des bevor stehenden Nachthochwassers.

Leichte Sturmflut an der Nordsee

In der Nacht zum Mittwoch wurde zwischen Emden und Cuxhaven mit einer leichten Sturmflut gerechnet. Der höchste Wert sollte in Emden mit 1,5 Meter über dem mittleren Tidehochwasser liegen, sagte der Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz im ostfriesischen Norden voraus.

Im Fährverkehr zu den ostfriesischen Inseln von Borkum bis Wangerooge kam es zu Einschränkungen. Schiffe fielen aus oder konnten erst später ablegen. Die Verbindung zwischen Cuxhaven und der Hochseeinsel Helgoland wurde komplett gestrichen. (Weiterlesen: So fegte Sturmtief „Niklas“ übers Emsland)

Mit Spitzenböen von rund 150 Kilometern pro Stunden ist Sturmtief „Niklas“ am Dienstag zum Orkan geworden. Es sei einer der stärksten Stürme der vergangenen Jahre, sagte Meteorologe Lars Kirchhübel vom Deutschen Wetterdienst. Der Wetterdienst warnte für Hochlagen des Harzes vor extremem Unwetter. Der Sturm könne Bäume entwurzeln, Gegenstände durch die Luft wirbeln und schwere Schäden an Gebäuden verursachen. Für die Nacht zum Mittwoch wurde mit einer Entspannung der Wetterlage gerechnet. (Weiterlesen: Feuerwehren in Delmenhorst und Landkreis im Dauereinsatz)


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN