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Sturmtief „Niklas“ wütet in Region Baum stürzt auf IC – Kaum Zugverkehr in Niedersachsen

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sen/bjd/cg/kemp/awe/yjs/meba/dpa Osnabrück. Sturmtief „Niklas“ wütet in der Region. In Osnabrück ist ein Baum auf einen IC gestürzt. An der nördlichen Stadtgrenze brachte der Sturm ein Haus zum Einstürzen. Knapp 100 Einsätze verzeichnete die Polizei im Kreis bis zum Nachmittag. Die Bahn hat den Regionalverkehr in Niedersachsen eingestellt. Ein Überblick.

Osnabrück-Widukindland: In Osnabrück ist am Dienstagmittag ein Baum auf einen IC und die Oberleitung gestürzt. Der Zug samt den 350 Passagiere wurde per angeforderter Diesellok zurück nach Osnabrück geschleppt. Solange saßen die Fahrgäste fest. Der Intercity war auf der Fahrt von Köln nach Bremen. Verletzt wurde bei dem Unfall niemand, sagte Georg Linke, Sprecher der Polizei Osnabrück. (Hier geht es zu Videos von Sturm Niklas)

Osnabrück: An der nördlichen Osnabrücker Stadtgrenze ist am Dienstag ein altes Fachwerkhaus eingestürzt. Nur das Dach steht noch. An dem Haus wurden derzeit offenbar Arbeiten durchgeführt. Eine Windhose sei durch das offene Haus gezogen und habe es einstürzen lassen, vermutet der Besitzer.

Bahnverkehr in der Region:

Die Deutsche Bahn hat den Regionalverkehr in Niedersachsen wegen des schweren Sturms am frühen Abend eingestellt. Damit solle die Sicherheit der Fahrgäste gewährleistet werden, teilte die Bahn mit. Zuvor hatte bereits die Nordwestbahn den Streckenverkehr eingeschränkt. Zwischen Oldenburg und Osnabrück ist teilweise ein Busnotverkehr eingerichtet. Auch zwischen Bremen und Oldenburg geht derzeit nichts mehr. Einige wenige Verbindungen von Osnabrück aus fahren: Die Westfalenbahn nach Münster etwa ist auf der Strecke.

Stadt und Landkreis:

Insgesamt 95 Einsätze bewältigte die Polizei in Stadt und Kreis Osnabrück bis zum Nachmittag. Bislang kamen keine Personen zu Schaden, hieß es. Vielfach stürzten Bäume um, größere Äste lösten sich und behinderten den Straßenverkehr.

Georgsmarienhütte: Bei einem unbewohnten Einfamilienhaus in Georgsmarienhütte besteht Einsturzgefahr: Eine Buche wurde vom Sturm umgeweht und zerstörte Teile des Dachstuhls . Die Eigentümer haben das Gebäude nach ersten Informationen bereits seit Monaten saniert, wohnen aber noch nicht darin. Weil weitere Bäume in der Umgebung des Hauses umgeweht werden könnten, hat die Polizei Teile der Schützenstraße gesperrt.

Hasbergen: Wegen des starken Regens hat der Wilkenbach die Umgebung in eine Seenlandschaft verwandelt. Durch den Regen der Vorwoche waren die Böden in Hasbergen bereits aufgeweicht. An mehreren Stellen kam es zu Überschwemmungen.

Hagen/Hasbergen: In Hagen und Hasbergen blockierten zahlreiche umgestürzte Bäume mehrere Straßen. Die freiwillige Feuerwehr war mit allen Fahrzeugen im Einsatz.

Bramsche: Im Bramscher Ortsteil Engter stürzte eine alte Eiche zwischen zwei Gebäude. Dabei wurde ein Teil des Daches leicht beschädigt, sodass dieses abgedeckt werden musste. Aktuell sind Feuerwehr und Anwohner mit den Aufräumarbeiten beschäftigt, verletzt wurde niemand. Bis Dienstagmittag hat es in Bramsche und seinen Ortsteilen insgesamt sieben Alarmierungen durch die Rettungsleitstelle wegen Sturmschäden gegeben. Hinzu kamen laut Feuerwehr-Pressesprecher Marc Piwinski „unzählige Anrufe“ von Bürgern, die um Hilfe auf ihren Privatgrundstücken nachfragten. Die stärkste Sturmphase gab es in Bramsche am frühen Morgen: Allein zwischen 7 Uhr und 8 Uhr wurden die Ortswehren Engter, Sögeln, Epe und Bramsche-Mitte alarmiert.

Samtgemeinde Neuenkirchen: Windböen brachten auf dem Gelände einer Gärtnerei in der Ortsmitte von Neuenkirchen das Dach eines Gewächshauses teilweise zum Einsturz. Im Außenbereich knickten die ersten Bäume um und blockierten die Straßen. Menschen wurden dabei nicht verletzt.

Bereits in den Morgenstunden waren im Neuenkirchener Ortsteil Steinfeld zwei Bäume auf die Augustenstraße gestürzt. Eine Autofahrerin hatte das Hindernis auf der Straße offenbar zu spät gesehen und war mit ihrem Wagen auf den Baum gefahren. Dabei wurde die Ölwanne des Wagens beschädigt. Beim Wenden verursachte die Fahrerin somit eine Ölspur, die die Feuerwehr ebenfalls beseitigen musste.

Samtgemeinde Fürstenau: In Fürstenau gab es Probleme mit dem Hinweisschild eines Verbrauchermarktes. Dieses an oberster Stelle eines Pylonen befestigte Schild drohte sich aus seiner Halterung zu lösen und auf die Bundesstraße zu wehen. Mithilfe der Drehleiter der Feuerwehr Ankum wurde das Schild demontiert.

Auch ein alter Baum auf der Enteninsel im nördlichen Schlossteich in Fürstenau hat dem Orkan nicht standgehalten. Glück im Unglück: Der Unterschlupf blieb aber unbeschädigt. Die Beseitiung wird nach Angaben der Feuerwehr aber problematisch werden, denn die Insel ist nur mit einem Boot zu erreichen.

Gleichzeitig war die Feuerwehr Vechtel im Einsatz, um in Höhe der Firma Stöckel an der Bundesstraße 402 einen Baum von der Straße zu räumen. In Berge drohte an der Asterfeldstraße ein Zelt von Sturm verweht zu werden. Auch hier mussten die Einsatzkräfte helfend eingreifen.

Kreis Steinfurt: In Westerkappeln stürzte ein Baum auf ein Auto. Eine Person wurde ersten Angaben der Polizei nach verletzt. Die Ibbenbürener Straße ist in dem Bereich komplett gesperrt. Glück im Unglück hatte am Dienstagmorgen ein 68-jähriger Kurierfahrer aus Rheine. Auf sein Auto stürzte ein vom Sturm aus den Wurzeln gerissener Baum. Der Mann kam mit leichten Verletzungen davon.

Bei der Polizei im Kreis Steinfurt gingen Dutzende Anrufe wegen Sturmschäden ein. Bäume oder Äste fielen auf die Fahrbahn, Verkehrsschilder kippten um, Dachpfannen und andere Gegenständen wurden auf die Straßen geweht. In Waltrup bei Altenberge stürzte am Morgen ein Strommast um. In Ibbenbüren kippte ein Baum auf ein Haus. Verletzt wurde niemand.

Lotte: Wegen mehrerer umgestürzter Bäume bleibt die Münsterstraße in Lotte bis mindestens Mittwochfrüh auf einem Teilstück gesperrt. Betroffen ist das Stück vom Übergang von der Lotter Straße bis zur Einmündung Hasberger Straße. Mehrere Bäume sind dort anscheinend auf die Straße gefallen. Bis zum Ende des Sturms sollen aus Sicherheitsgründen keine Aufräumarbeiten stattfinden.

Bei der Mellenthin-Bedachungs GmbH in Wersen stand das Telefon den ganzen Tag nicht still. Bis 16 Uhr seien schon rund 50 Eingänge festgehalten worden, berichtete Martina Mellenthin. Die Geschädigten meldeten, dass Firstpfannen und Dachziegel von den Dächern gefegt worden waren. Betroffen waren Schulen, Betriebe und Privathäuser. Im Laufe des Tages verließ die Düte ihr Flussbett und trat über die Ufer.

Melle: Überfüllte Bahnsteige und verärgerte Zuggäste: Sturmtief „Niklas“ hat am Dienstagmorgen den Bahnverkehr auf der Strecke von Minden nach Rheine beeinträchtigt und damit auch für ein Chaos auf dem Meller Bahnhof gesorgt. Mehrere hundert Bahnreisende bevölkern die Aufgänge und den Bahnsteig. Auf der Internetseite teilte die Bahn mit, dass es wegen des Sturms Behinderungen in Niedersachsen gebe. Betroffen sei davon auch die Strecke von Minden nach Rheine. Im Bereich Melle/Bruchmühlen sei die Strecke nur einseitig befahrbar, so die Bahnauskunft. Es komme zu Verspätungen und Zugausfällen.

Auch in Oberholsten im Meller Stadtteil Oldendorf richtete der Sturm Schäden an: Dort flog eine zwölf Meter lange Scheune über eine zwei Meter hohe Hecke. Nun muss Landwirt Friedrich Kramm die Scheune auseinanderbauen, zerlegen und wieder neu aufbauen.

Minden-Lübbecke: Auch im Kreis Minden-Lübbecke kam es zu mehreren Einsätzen von Polizei und Feuerwehr. Aufgrund umgestürzter Bäume musste die Bergstraße zwischen Preußisch Oldendorf und Börninghausen gesperrt werden. Die Strecke durch das Wiehengebierge wird auch noch bis zum Mittwoch gesperrt bleiben, da der Deutsche Wetterdienst heftigere Böen angekündigt hat. Verletzte wurden der Polizei bisher nicht gemeldet.

Pokalderby des VfL Osnabrück nicht gefährdet

Trotz des Sturmtiefs „Niklas“ ist das Pokalderby zwischen dem VfB Oldenburg und VfL Osnabrück am Donnerstag (17.30 Uhr) nicht gefährdet. Nach Informationen aus Oldenburg sperrte die Stadt zwar alle Plätze in ihrem Hoheitsgebiet, nahm das Stadion am Marschweg für das NFV-Halbfinale aber davon ausdrücklich aus.

Der Deutsche Wetterdienst warnt weiter vor einer „Extremwetterlage“ in unserer Region. Sturmtief „Niklas“ wütet über Deutschland und erreicht dabei Geschwindigkeiten zwischen 105 und 115 km/h aus westlicher und nordwestlicher Richtung. In ganz Niedersachsen muss mit Schauern, Gewittern und orkanartigen Sturmböen gerechnet werden.

Wie sieht es im Nordwesten aus?

Bei Coppenbrügge im Landkreis Hameln-Pyrmont fuhr ein Regionalzug auf umgestürzte Bäume. In der Umgebung wurden 40 Häuser beschädigt, verletzt wurde niemand. Dramatisch sah es zeitweise auf der Autobahnbrücke der A29 bei Oldenburg aus. Es bestand die Gefahr, dass ein umgewehter Anhänger von der 26 Meter hohen Huntebrücke in den Fluss stürzt. Helfer konnten das Gespann rechtzeitig bergen. In Diepholz ist ein mit 17 Kindern besetzter Bus mit einem Lkw zusammengestoßen. Eine Windböe ließ den Sattelzug in den Gegenverkehr driften. Der Busfahrer wurde schwer verletzt. Fünf Kinder und zwei weitere Erwachsene erlitten leichte Verletzungen. Aus Sicherheitsgründen blieben der Zoo in Hannover und das Bremer Volksfest Osterwiese geschlossen. Im Fährverkehr zu einigen ostfriesischen Inseln kam es zu Einschränkungen. In der Nacht zu Mittwoch wird zwischen Emden und Cuxhaven mit einer leichten Sturmflut gerechnet.

Sturmtief „Niklas“: Was Verbraucher wissen müssen, lesen Sie hier.


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