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29.03.2015, 16:32 Uhr VERSCHIEDENE FRISTEN IM GESPRÄCH

Stopp der Küken-Tötung: Mit einer Stimme sprechen

Ein Kommentar von Dirk Fisser


Ein Küken schlüpft: Millionenfach werden männliche Tiere noch am ersten Tag nach dem Schlüpfen getötet. Das soll sich ändern.Ein Küken schlüpft: Millionenfach werden männliche Tiere noch am ersten Tag nach dem Schlüpfen getötet. Das soll sich ändern.

Osnabrück. Passend zu Ostern werden Forderungen zum Stopp der Tötung männlicher Küken laut. Niedersachsens Agrarminister Christian Meyer (Grüne) fordert ein Ende bis 2020, Bundesminister Christian Schmidt (CSU) peilt 2017 an. Sinnvoller wäre es, mit einer Stimme zu sprechen.

Niedersachsens Agrarminister Christian Meyer scheint eine Vorliebe für Fristen zu haben. Ob das Kupieren von Schweineschwänzen, das Kürzen von Schnäbeln bei Legehennen oder aber das Töten männlicher Küken: Der Grünen-Politiker bleibt bei seiner Basta-Politik selbst dann, wenn die Wissenschaft vor unabsehbaren Folgen warnt und mehr Zeit bei der Suche nach Alternativen fordert.

Man kann Meyers Handeln als unverantwortlich bezeichnen. Aber zugleich setzt es die Agrarbranche bei der Suche nach Alternativen unter Druck. Nur weil etwas seit Jahren praktiziert wird, ist es noch lange nicht mit dem Tierschutz in Einklang zu bringen. Dies gilt im Besonderen für die Küken-Tötung, wo das Tier nicht nur manipuliert, sondern gleich vergast wird.

Kluger Schachzug, aber...

Nun ist es von Meyer ein kluger Schachzug, die Verantwortung an den Bund abzuschieben. So läuft der Minister nicht Gefahr, dass ein von ihm im Alleingang erlassenes Verbot vor Gerichten scheitert – wie jüngst in Nordrhein-Westfalen. Zugleich hätte ein bundesweites Verbot den Vorteil, dass es zu keiner Ungleichbehandlung der Brütereien innerhalb Deutschlands käme.

Weniger klug ist es, dass Bund und Länder nun den Eindruck eines Verbote-Wettlaufs erwecken. Zu viele unterschiedliche Enddaten kursieren. Der Import von Küken oder Eiern aus EU-Ländern ohne Schredder- oder Vergasungsverbot bedroht die hiesige Wirtschaft. Es gilt daher, ein Verbot auf EU-Ebene einzufordern. Und das mit einer Stimme.

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