Jungtier lässt sich nicht fangen Wolf in Niedersachsen ist immer eine Pfote voraus

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Edewecht. Strenger als der Wolf ist kaum ein Tier in Europa geschützt. Und doch macht Heino Krannich Jagd auf ihn, fährt kreuz und quer durch Nordwestniedersachsen. Sein Ziel ist aber nicht der Tod des Tieres, sondern das Gegenteil.

Denn der junge Wolf, der seit Wochen Stadt um Stadt, Dorf um Dorf in Aufregung versetzt, ist am liebsten tagsüber unterwegs und damit dann, wenn auch das menschliche Leben pulsiert und die Straßen voller Autos sind. Immer wieder lässt sich das Tier blicken, zeigt kaum Scheu und schon gar keine Angst vor dem Menschen.

Leichter gesagt, als getan

Um Unfälle jeder Art zu vermeiden, will das Land Niedersachsen den Wolf einfangen , mit einem Sender versehen und vergrämen lassen. Schlechte Erfahrungen – etwa ein hartes Gummigeschoss aufs Gesäß – sollen ihn so heimlich werden lassen, dass er dem Menschen nicht mehr nahe kommt.

Aber das ist leichter gesagt als getan „und wird mit jedem Tag, den er draußen verbringt, immer schwieriger“, sagt Heino Krannich. Er sitzt am Freitagmorgen in einem Café in Edewecht im Ammerland und wartet auf Anrufe. Bei der Suche nach dem Wolf ist er auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen. Aber der 55-Jährige hat – so wie einige Mitstreiter in den vergangenen Tagen – ein Problem: Bis der aktuelle Standort des Tiers über Polizei, Jägerschaft oder Medien bei ihm angekommen ist, ist der Wolf immer schon weg. Bisher jedenfalls.

Nah dran gewesen

Am Donnerstag in Ostrhauderfehn war er schon nahe dran, aber unglückliche Umstände vermasselten ihm die Tour. Was er nun braucht, sind zwei Sichtmeldungen in kurzem Abstand: „Dann kann ich abschätzen, in welche Richtung der Wolf läuft und versuchen, ihm den Weg abzuschneiden. Ein Wildtier zu verfolgen macht gar keinen Sinn. Es würde fliehen.“

Wenn Krannich den Wolf ausmachen sollte, kommt es auf präzises Arbeiten an. Denn er muss mit einem Laser den genauen Abstand zum Tier berechnen, das Druckluftgewehr auf die Distanz einstellen und muss den Wolf dann möglichst am Vorderkörper treffen. „Der Narkosepfeil fliegt nicht in gerader Linie, sondern er beschreibt einen Bogen“, sagt Krannich. Das müsse man beim Zielen berechnen.“

Deshalb sei es weniger leicht, einen Wolf zu fangen, als man denken könnte. „Ich muss mich in ihn hineinversetzen, seine Vorlieben herausfinden, eventuelle Futterplätze finde. Irgendwann habe ich ihn dann.“

Krannich hat schon ausgebrochene Rinder gejagt, dazu Wisente oder Straßenhunde . Auch ein Wolf war schon dabei, er war 2008 bei Osnabrück aus einem Gehege entlaufen.

Richtung Bösel und Garrel

Nun also wieder ein Wolf, und tatsächlich klingelt um 12.55 Uhr das Telefon. Eine Sichtung aus Bösel bei Cloppenburg wird gemeldet, Krannich startet seinen Land Rover Defender und fährt los. In Bösel angekommen, ist das Tier schon weg, er soll nun nach Nikolausdorf bei Garrel fahren, aber auch dort zunächst Fehlanzeige. Langsam fährt der Tierfänger über Straßen und Wege – ein paar Kraniche stehen auf einem Acker, immerhin. Dann geht das Warten weiter. Bis zum späten Nachmittag bleibt das gesuchte Tier unsichtbar, die Zahl der Sichtungen ist von bis zu 30 am Tag auf bisher nur drei gesunken.

Wolfsnachweise in Niedersachsen: Klicken Sie auf die Symbole für mehr Informationen (E = Einzelnachweis; P = Wolfspaar; R = Rudel).


Karte: Google/Sanders


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