Ende 2018/Anfang 2019 Bahnstrecke in Nordhorn soll reaktiviert werden

Von dpa


Bad Bentheim. Bahnfahren ist für viele wieder zu einer Alternative zum Auto geworden. Niedersachsen prüft deshalb die Reaktivierung stillgelegter Strecken. Voraussichtlich springen für den Personenzug in Richtung Nordhorn die Signale nach mehr als 40 Jahren bald auf Fahrt.

Dicht gedrängt standen Schaulustige an Bahnsteig und Abteilfenstern, als sich am 25. Mai 1974 in Nordhorn der letzte Personenzug in Bewegung setzte. Damals schien es ein Abschied für immer zu sein, denn das Auto hatte sich für die meisten als Verkehrsmittel Nummer eins durchgesetzt. Der Ruf nach einem Neustart der Bahn kam - wie in vielen Landstrichen - erst Jahrzehnte später mit steigenden Spritpreisen, verstopften Straßen und wachsendem Umweltbewusstsein.

Nach einem Auswahlverfahren des niedersächsischen Verkehrsministeriums aus zuletzt acht für eine Reaktivierung infrage kommenden Strecken sieht nun alles danach aus, dass bald wieder ein Personenzug von Bad Bentheim über Nordhorn nach Neuenhaus fährt.

Ende 2018/Anfang 2019 sollen die Züge wieder fahren

Voraussichtlich könne der Zugverkehr Ende 2018 oder Anfang 2019 aufgenommen werden, sagte Dezernent Michael Kiehl vom Landkreis Grafschaft Bentheim der Deutschen Presse-Agentur. Veranschlagt sind Investitionen von 16,48 Millionen Euro in die Strecke der kreiseigenen Bentheimer Eisenbahn - vor allem geht es um den Neubau der Haltestellen. Die Gleise sind gut in Schuss, weil dort viele Güterzüge fahren. Schon lange wünschte sich die Kreisstadt Nordhorn Anschluss ans Personenzugnetz - deshalb wurde auf eine Reaktivierung hingearbeitet. Der Kreis gab eine Kosten-Nutzen-Berechnung in Auftrag und investierte in die Strecke, vor allem in die Beseitigung von Bahnübergängen.

Die Reaktivierungspläne des Verkehrsministeriums sehen vor, dass das Land mit seinen Nahverkehrsmitteln den künftigen Zugbetrieb finanziert und 75 Prozent der Kosten für die Instandsetzung der Strecke trägt. Die verbleibenden 25 Prozent müssen die Kommunen selber tragen - an mancher der zuletzt noch untersuchten acht Strecken dämpfte die finanzielle Belastung prompt die Begeisterung für einen neuen Bahnanschluss.

Kein positives Ergebnis für Ostfriesland

Hoffnungen auf einen Neustart des Personenzugverkehrs gab es auch in Ostfriesland. Für die 2008 für Güterzüge reaktivierte Strecke von Emden nach Aurich brachte die Kosten-Nutzen-Analyse des Landes aber kein positives Ergebnis. Zudem zog der Windkraftanlagenbauer Enercon kürzlich einen angekündigten Millionenzuschuss für den Ausbau der Strecke zurück, die er im Güterverkehr nutzt.

Die Landesentscheidung zu einer reaktivierungstauglichen Strecke zögerte sich zuletzt weiter hinaus, ursprünglich hatte die Auswahl Ende 2014 getroffen werden sollen. Die Landesnahverkehrsgesellschaft (LNVG) widersprach der Befürchtung, dass für das Projekt möglicherweise schlicht das Geld fehlt. Zwar stehe noch nicht fest, wie viel Geld der Bund künftig für die Finanzierung des regionalen Bahnverkehrs an die Länder überweist, sagte LNVG-Sprecher Rainer Peters. Anders als in anderen Bundesländern drohten aber keine Abbestellungen von Zugfahrten, auch für den Neustart auf einer reaktivierten Strecke gebe es Spielraum. „Wir haben solide gewirtschaftet mit dem Geld.“

Über den Stand des Reaktivierungsvorhabens will Verkehrsminister Olaf Lies (SPD) am 21. März in Bad Bentheim informieren. Welches Unternehmen künftig den Personenzug in Richtung Nordhorn betreibt, wird per Ausschreibung entschieden. Laut Dezernent Kiehl kann dies möglicherweise mit der nach einem Widerspruch nötigen Neuvergabe der Strecke Bielefeld-Bad Bentheim-Hengelo kombiniert werden, so dass ein Unternehmen beide Linien betreibt. Auch die Bentheimer Eisenbahn wolle sich um den Betrieb bewerben, sagte Vorstand Joachim Berends.


Die Bentheimer Eisenbahn ist international aktiv

Die Bentheimer Eisenbahn wurde 1895 gegründet und befindet sich in kommunaler Hand, zum allergrößten Teil gehört sie dem Kreis Grafschaft Bentheim. Das zunächst bis Nordhorn reichende Streckennetz wurde nach Norden bis ins niederländische Coevorden und nach Süden bis zum westfälischen Gronau ausgebaut.

Die südliche Strecke ging schon vor langer Zeit außer Betrieb, der Personenzugverkehr Richtung Nordhorn endete 1974. Allerdings betreibt die Bentheimer Eisenbahn weiterhin einen regen Güterverkehr. Vom Güterverkehrszentrum Coevorden aus fahren unter anderem Containerzüge nach Rotterdam und seit kurzem auch nach Malmö in Schweden.

Den Personenverkehr stellte die Bentheimer Eisenbahn nach und nach auf Busse um. Erfahrung auf der Schiene sammelte sie allerdings erneut zwischen 2010 und 2013 als Mitbetreiber des Grenzland-Expresses, der testweise zwischen Bad Bentheim und Hengelo pendelte. Das Schienennetz der Bentheimer Eisenbahn umfast fast 100 Kilometer. Mit rund einer Million beförderter Tonnen jährlich zählt die Bentheimer Eisenbahn zu den größeren Privatbahnen in Deutschland.

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