zuletzt aktualisiert vor

Tier wirkte harmlos aber ratlos Neues Video: Wolf bei Geeste-Varloh gefilmt


Geeste. Die Reise eines jungen Wolfes, der am Donnerstag bei Herzlake und Grafeld gesichtet worden war, geht offensichtlich weiter: Am Freitagmorgen haben Mitarbeiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes ihn bei Geeste-Varloh gesichtet, fotografiert und gefilmt. Später tauchte er westlich von Meppen auf.

Holger Thieben berichtete unserer Zeitung, das Tier sei ihm und seinen Kollegen sehr nahe gekommen: „Wir waren mit Forstarbeiten beschäftigt, als er am Dortmund-Ems-Kanal auftauchte.“ Bis auf drei Meter kam das Tier an die Arbeiter heran und trollte sich dann. (Weiterlesen: Der Wolf am Donnerstag bei Herzlake) „Er hat noch drei Rehen nachgestellt aber nicht sehr ernsthaft“, berichtet Thieben. Dann habe sich das Tier getrollt. Angst hatten die Männer nicht. „Respekt ja, aber keine Angst. Das Tier wirkte irgendwie ratlos und rastlos.“ (Weiterlesen: Wie sollte ich mich verhalten, wenn ich auf einen Wolf treffe?)

Wenig später am Vormittag setzte der Wolf seine Reise fort – und wurde zum Glücksfall für den 44 Jahre alten Meppener Naturfreund Christroph Elbert. Seit Jahren engagiert er sich als Angler für den Naturschutz, besitzt seit kurzem den Jagdschein und ist schon viele Jahre lang immer wieder nach Ostdeutschland in die Lausitz gefahren. Sein Ziel: einmal einen Wolf in der freien Natur erleben. Gelungen ist ihm das bisher aber nie.

Umso größer war sein Glück, als er am Freitag mit dem Berufsjäger Patrick Gyllesen telefonierte, um die weiteren Arbeiten in einem Jagdrevier bei Meppen-Rühle zu koordinieren. In eben jenem stand Gyllesen und die beiden sprachen über dieses und jenes, als Elbert seinen Gesprächspartner sagen hörte: „Da läuft ein Wolf“. Elbert schaltete schnell, verlies das Büro seines Busunternehmens und eilte ins Revier – bewaffnet mit Fotoapparat samt Teleobjektiv.

„Als ich ankam, war der Wolf tatsächlich noch da“, sagt Elbert. „Ich konnte mich auf einem Feldweg nähern. Irgendwann hat er mich bemerkt und kam herüber.“ Auf den 247 Fotos, die Elbert schießen konnte, ist zu sehen, wie der Wolf das Auto von der Beifahrerseite her beäugt. Elbert stieg kurz entschlossen aus.

Der Wolf schnüffelte noch unter einem Hochsitz vor sich hin und nahm von seinen Beobachtern kaum Notiz bis er weiterlief. „Für mich war das ein wahnsinniges Erlebnis“, sagt Elbert und doch mischen sich Bedenken in die große Begegnungsfreude: „Der Wolf benimmt sich nicht, wie er sollte. Er ist einfach zu zutraulich.“

Das sieht auch Gesa Kluth vom Wildbiologischen Büro LUPUS so, das sich seit mehr als einem Jahrzehnt mit der Rückkehr der Wölfe nach Deutschland beschäftigt. Sie sagt: „So einen zutraulichen Wolf hatten wir bisher in Deutschland noch nicht. Irgendetwas muss in seiner Welpenzeit untypisch gelaufen sein. Er hat nicht gelernt, den Kontakt mit Menschen zu meiden.“

Woran das liegen könne, müsse man untersuchen und deshalb das Tier möglichst lebend fangen – auch um jedes Risiko zu vermeiden. Aggressives Verhalten dem Menschen gegenüber hatte bislang keiner der Augenzeugen registriert, eher scheue Neugier. Der Wolf suche im Alter von etwa zehn Monaten ein Revier, sagt Kluth.

Sie könnte sich bei aller Vorsicht vorstellen, dass der Wolf aus dem Munsteraner Rudel in Ostniedersachsen stammt, dessen Mitglieder zuletzt mehrfach durch wenig scheues Verhalten auffielen. Möglicherweise müsse man schon hier mit der Ursachenforschung beginnen. Das nun alle Wölfe ihre Scheu vor dem Menschen verlören, könne man keinesfalls aus dem Verhalten des Jungtieres ableiten.

Ob der Jungwolf aus Munster stammt, könnte sich bald herausstellen. Denn Christoph Elbert und sein Jagdkollege Patrick Gyllesen konnten den Weg des Wolfes von Varloh aus nach Rühle in etwa rekonstruieren. Und mit viel Glück gelang es ihnen, Wolfshaare zu finden, die das Tier beim Unterqueren eines Stacheldrahtes verloren hatte. Möglicherweise lässt sich mit dieser probe die Herkunft des ra(s)tlosen Wolfes klären.

Wo er sich derzeit aufhält ist unklar. Das niedersächsische Umweltministerium hatte Anfang der Woche das Einfangen, Vergrämen oder Töten des streunenden Jungwolfes genehmigt.

Wir halten Sie auf dem Laufenden, wo der Wolf sich im Laufe des Tages bewegt. Wo haben Sie den Wolf gesehen? Bilder, Videos und aktuelle Berichte finden Sie in der Facebookgruppe „Der Wolf in Niedersachsen“.

Weitere Informationen zum Wolf finden Sie auf unserem Themenportal zum Wolf

Wolfsnachweise in Niedersachsen: Klicken Sie auf die Symbole für mehr Informationen (E = Einzelnachweis; P = Wolfspaar; R = Rudel).


Karte: Google/Sanders


3 Kommentare