„Tötung nur bei Gefahr“ Oldenburger Land: Wolf soll eingefangen werden

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Abschuss vorerst nur mit Betäubungspfeilen: Wolf, hier ein Tier im Wolfspark Dörverden. Foto: dpaAbschuss vorerst nur mit Betäubungspfeilen: Wolf, hier ein Tier im Wolfspark Dörverden. Foto: dpa

Hannover. Der in den Landkreisen Oldenburg und Nienburg auffällig gewordene Jungwolf soll betäubt und eingefangen werden, später aber wieder freikommen. Das sieht ein am Dienstag vorgestellter Plan des niedersächsischen Umweltministeriums vor.

Wie Staatssekretärin Almut Kottwitz (Grüne) am Nachmittag erläuterte, sollen Bürger bei einem erneuten Auftauchen des Tieres die Polizei oder andere Behörden verständigen. Ein mit Betäubungsgewehren geübter Beamter der Polizeidirektion Oldenburg oder andere geschulte Kräfte wie etwa Veterinäre würden dann ausrücken, um den Wolf zu stellen und zu betäuben.

Das Tier werde danach in die Auffangstation Wildpark Lüneburger Heide oder in die Quarantänestation des Tierparks Görlitz gebracht und dort von Tierärzten und Wolfsexperten untersucht.

Geplant ist laut Kottwitz in der Folge, dem Wolf einen Peilsender einzupflanzen und ihn wieder in die Natur zu entlassen. Unmittelbar nach der Freilassung erfolge allerdings eine „Vergrämung“ in der Form, dass das bislang ohne Scheu auftretende Tier mit Gummigeschossen aus dem Umfeld von Siedlungen verjagt werde. Bei weiterhin auffälligem Verhalten mit Annäherung an Menschen seien weitere Aktionen dieser Art vorgesehen.

Wenn sich das Tier auch davon nicht abschrecken lasse und Aggressionen gegenüber Menschen entfalte, sei allerdings auch daran gedacht, den Wolf ganz aus dem Verkehr zu ziehen – entweder durch erneutes Einfangen und Unterbringung etwa in einem Zoo oder durch Tötung, hieß es. Der Abschuss sei jedoch nur im Rahmen des „rechtfertigenden Notstands“ erlaubt – also bei Gefahr für das Leben von Personen. In diesem Fall sollen auch Jäger von der Waffe Gebrauch machen können.

Der verhaltensauffällige Wolf hatte sich in den letzten Jahren zum Teil bis auf zehn Meter Menschen genähert. So wurde er in einem Wohngebiet in Wildeshausen gesichtet; an anderer Stelle näherte er sich Joggerinnen, und ein älteres Ehepaar verscheuchte das ungewöhnlich zutrauliche Tier mit einem Regenschirm. Auf die Frage, was denn Bürgern bei einer Begegnung mit dem Wolf geraten werde, sagte Kottwitz: „Ruhe bewahren, laut in die Hände klatschen und sich dann zurückziehen.“

Der Naturschutzbund Nabu warnte unterdessen davor, vorschnell eine Tötung des Tieres in Betracht zu ziehen. Bei erneuter Auffälligkeit des bislang nicht aggressiven Wolfes im Weser-Ems-Gebiet sei einer Vergrämung durch Gummigeschosse Vorrang einzuräumen.

Nach Erkenntnissen der Behörden gelten als Aufenthaltsgebiet dieses Wolfes vornehmlich die Kreise Nienburg, Diepholz, Vechta, Oldenburg, Ammerland und Cloppenburg. Täglich lege er Dutzende Kilometer zurück. Er soll inzwischen rund 80 Schafe gerissen haben.

Mehr zum Thema auf der Spezialseite „Wölfe in der Region“


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