Interview mit TÜV-Mitarbeiter Warum werden Windräder bei Sturm abgeschaltet?

Von dpa

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Stürmisches Wetter mit Wind im Überfluss - und trotzdem werden Windkraftanlagen abgeschaltet. Foto: dpaStürmisches Wetter mit Wind im Überfluss - und trotzdem werden Windkraftanlagen abgeschaltet. Foto: dpa

Hannover. Bei welcher Windstärke müssen Windräder abgeschaltet werden? Und wie gefährlich sind von dort abfallende Eisstücke? Mit diesen Fragen beschäftigt sich Michael Dahm vom TÜV Nord.

Stürmisches Wetter mit Wind im Überfluss - und trotzdem werden Windkraftanlagen abgeschaltet. Das geschieht aus Sicherheitsgründen, weiß der Windradexperte Michael Dahm vom TÜV Nord.

Frage: Wie gefährlich ist Sturm für Windräder?

Antwort: Ab einer bestimmten Windstärke werden Windenergieanlagen bei Sturm abgeschaltet, um Schäden zu vermeiden, etwa durch allzu starke Schwingungen. Wenn die Belastung zu groß wird, kann die Stabilität der Anlage gefährdet werden. Eine weitere Gefahr ist, dass die elastischen Rotorblätter an den Turm stoßen können. (Weiterlesen: Für vier neue Windräder ist in Osnabrück noch Platz)

Frage: Wie lässt sich das verhindern?

Antwort: Sensoren auf der Anlage messen ständig die genauen Windgeschwindigkeiten. Ab einer Windstärke von etwa 90 Stundenkilometern drehen sich die Rotorblätter automatisch in die sogenannte Fahnenstellung. Sie werden dabei aus dem Wind gedreht, um möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten, Die Blätter bewegen sich noch, drehen sich aber nicht mehr. Die Anlage schaltet sich ab. Ganz fix steht sie nur bei Service- und Montagearbeiten: Dann greift eine Feststellbremse.

Frage: Gilt das für Windräder an Land und auf See?

Antwort: Ja, in der Praxis ist das ähnlich. Die genaue Windgeschwindigkeit wird auf der Anlage gemessen und fließt in die Steuerungssoftware. ein. Den Grenzwert zum Abschalten legt der Hersteller fest. (Weiterlesen: Orkan „Elon“ bringt Windstrom-Rekord)

Frage: Wie gefährlich ist abfallendes Eis an den Anlagen?

Antwort: Eis kann sich durch das Drehen der Rotoren lösen oder in Brocken von der stehenden Anlage abfallen. Das ist gefährlich für Menschen auf angrenzenden Verkehrswegen oder Firmengeländen. Eine Maßnahme kann sein, eine Windkraftanlage mit einem Eiserkennungssysteme auszustatten. Dieses schaltet die Windenergieanlage automatisch ab, damit es nicht zu Eisabwurf kommt, sondern nur noch zu Eisabfall von der stehenden Anlage. (Weiterlesen:Für vier neue Windräder ist in Osnabrück noch Platz)

ZUR PERSON: Michael Dahm leitet die Abteilung Windenergie beim TÜV Nord. Der Wirtschaftswissenschaftler Diplom-Ökonom arbeitet seit zwölf Jahren im Bereich Windenergie.


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