Opposition warnt vor Wolfsromantik Welche Gefahr birgt der Wolf für Niedersachsen?

In einer emotional geführten Debatte hat die Opposition der Landesregierung am Mittwoch „Wolfsromantik“ vorgeworfen und verstärkten Schutz gefordert. Foto: dpaIn einer emotional geführten Debatte hat die Opposition der Landesregierung am Mittwoch „Wolfsromantik“ vorgeworfen und verstärkten Schutz gefordert. Foto: dpa

Hannover. In einer emotional geführten Debatte haben die Oppositionsfraktionen der Landesregierung am Mittwoch „Wolfsromantik“ vorgeworfen und verstärkte Schutzmaßnahmen gefordert – bis hin zur Ausweitung des Jagdrechts.

Die Abgeordneten Ernst-Ingolf Angermann (CDU) und Gero Hocker (FDP) wiesen darauf hin, dass sich die Wolfspopulation in Niedersachsen rasant ausbreite. 50 bis 60 Tiere seien hier inzwischen heimisch; für die kommenden Jahre sei mit einem weiteren enormen Zuwachs zu rechnen.

Gefahr für Weidetiere

Dies bedeute nicht nur einen Erfolg für den Artenschutz in diesem Land, so Angermann und Hocker, sondern auch eine zunehmende Gefahr für Weidetiere. ( Weiterlesen: Wolf soll Tier in Vechta getötet haben )

Der FDP-Abgeordnete sprach von inzwischen mehr als 70 Tieren –zumeist Schafen–, die in Niedersachsen von Wölfen gerissen worden seien. Laut Angermann dürfte dies erst recht zu einem Problem werden, wenn Wölfe verstärkt auch im Nordwesten des Landes ansässig würden, wo allein 16 000 Schafe an Deichen weideten.

Der CDU-Politiker forderte von der Landesregierung ein „nachhaltiges und vorausschauendes Konzept“ für den Umgang mit Wölfen. Dabei müsse der Schutz von Menschen und Nutztieren oberste Priorität haben. Wie Angermann plädierten auch Hocker und der FDP-Agrarexperte Hermann Grupe dafür, auch über eine Regulierung des Wolfsbestandes –etwa durch eine Änderung des Jagdrechtes– nachzudenken. Im Übrigen müssten Schutzvorkehrungen landesweit gefördert und bei Rissen schneller Entschädigungen gezahlt werden. ( Weiterlesen: Niedersachsen hat jetzt Wolfsberater für alle Landkreise )

Nicht dramatisieren

Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) und andere Koalitionsvertreter warnten dagegen vor einer Dramatisierung. Allerdings gelte es die Sorgen der Menschen ernst zu nehmen und mögliche Gefährdungen nicht zu verharmlosen. Wenzel machte deutlich, dass die Landesregierung auch an permanenten Verbesserungen arbeite; zum Beispiel seien die Kreise Vechta und Oldenburg aufgrund aktueller Vorkommnisse in das Präventionsprogramm zum Schutz von Herden aufgenommen worden.

Wenzel betonte zudem, dass in begründeten Einzelfällen auch vom Tötungsverbot von Wölfen abgewichen werden könne. Eine generelle Bejagung dieser Tiere sei jedoch mit europäischem und nationalem Recht unvereinbar.


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