Ministerin kritisiert Region Einkommen in Westen-Niedersachsen bis zu 15 Prozent geringer

Von Dirk Fisser

Geld ansparen fürs Alter? Das ist bei geringem Einkommen schwierig. Foto: ImagoGeld ansparen fürs Alter? Das ist bei geringem Einkommen schwierig. Foto: Imago

Osnabrück. Das verfügbare Einkommen im Raum Weser-Ems liegt teilweise bis zu 15 Prozent unter dem niedersächsischen Durchschnitt. Das geht aus Zahlen des Landesamtes für Statistik hervor. Gleichstellungsministerin Cornelia Rundt kritisiert in diesem Zusammenhang die geringe Erwerbsquote von Frauen in West-Niedersachsen.

Demnach ist das Schlusslicht der Landkreis Leer. Den Menschen steht hier pro Kopf und pro Jahr nach Abzug aller Steuern ein Einkommen von 17151 Euro zur Verfügung. Das Durchschnittseinkommen in Niedersachsen liegt bei 20094 Euro. Auch Aurich, das Emsland, die Grafschaft Bentheim oder Delmenhorst schneiden schlecht ab.

Altersarmut droht

Verfügbares Einkommen der Niedersachsen


Quelle: LSN; Karte: Google/Sanders

Daniel Schiller vom Niedersächsischen Institut für Wirtschaft mahnt, das niedrige Lohnniveau habe zwar geholfen, die Wirtschaft der Region in den vergangenen Jahrzehnten anzukurbeln und die Arbeitslosenzahlen zu drücken. Zugleich drohe in der Zukunft aber auch verstärkte Altersarmut, da sich mit geringem Einkommen auch nur geringe Vorsorge fürs Alter treffen lasse.

Prägend für West-Niedersachsen seien die Futter- und Ernährungsindustrie sowie die Landwirtschaft, hier werde traditionell weniger verdient als in anderen Branchen. Zudem seien Ballungszentren wie Bremen oder Hamburg weit weg, in denen höhere Einkommen gezahlt würden. Ein Effekt, von denen Landkreise im sogenannten Speckgürtel der Hansestädte profitieren.Hans-Joachim Haming, Chef der Arbeitsagentur für Arbeit im Emsland und der Grafschaft Bentheim, betont: Ein niedriges Lohnniveau könne sich einerseits positiv auf die Standortwahl von Unternehmen auswirken. Andererseits sei es aber ungleich schwerer Fachkräfte zu halten oder zu werben, wenn andernorts mehr verdient werde. (Mehr zu den Hintergründen auf noz.de)

Ministerin kritisiert Emsland

Als mitursächlich für das unterdurchschnittliche Einkommen in West-Niedersachsen gilt aber auch die geringe Quote bei der Frauenbeschäftigung, die im Emsland laut Sozialministerium bei lediglich 37,7 Prozent liegt. Arbeiten weniger Menschen, sinkt auch das Pro-Kopf-Einkommen.

Ministerin Cornelia Rundt (SPD) sagt, aufgrund des allgemeinen Fachkräftemangels gebe es zwar unbesetzte und oft gut bezahlte Stellen. „Das Bewusstsein vieler Unternehmen im Hinblick auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist im Raum Emsland deutlich optimierbar und führt dazu, dass es Frauen trotz guter Betreuungsmöglichkeiten schwer gelingt, in sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse einzusteigen.“ Nach der Geburt arbeiteten viele Frauen in Minijobs, statt wieder voll in den Beruf einzusteigen. „Das ist besonders im Westen Niedersachsens der Fall“ und berge ein erhebliches Armutspotenzial, so die niedersächsische Ministerin für Gleichstellung. (Hier weitere Hintergründe)

FDP: Arbeitslosenquote wichtiger

Die FDP im Niedersächsischen Landtag warnt davor, die Zahlen überzubewerten. Fraktionschef Christian Dürr spricht von einem möglicherweise irreführenden Maßstab für wirtschaftliche Prosperität einer Region. Wichtiger sei beispielsweise die Arbeitslosenquote. „Je weniger Menschen arbeitslos sind, desto besser kann jeder sein Leben selbst in die Hand nehmen“, so der Liberale. Die Statistik in diesem Punkt zeigt beispielsweise für das Emsland oder die Grafschaft: Andernorts ist das Einkommen vielleicht höher. Die Zahl der Arbeitslosen allerdings auch.

Uneinig sind sich die Experten indes, welche Auswirkungen der zum Jahresbeginn eingeführte gesetzliche Mindestlohn auf die Einkommensstatistik haben könnte. Für eine Abschätzung der Effekte sei es derzeit noch zu früh, heißt es.

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