Nachweise in der Region Antibiotika und Metalle: Medikamentenrückstände im Wasser

Was ist drin im Trinkwasser? Manchmal auch Medikamentenrückstände. Foto: dpaWas ist drin im Trinkwasser? Manchmal auch Medikamentenrückstände. Foto: dpa

Osnabrück. Das Problem an der Sache mit den Medikamentenrückständen und dem Wasser ist: Niemand weiß, ob und vor allem ab wann sie ein Problem sind. Nur dass die medizinischen Produkte im Fluss-, Grund- und Trinkwasser angekommen sind, ist erwiesen. Auch in der Region Weser-Ems.

Thülsfelde im Landkreis Cloppenburg sorgt selten für Schlagzeilen. Ausflüglern aus der Region dürfte höchstens noch die gleichnamige Talsperre ein Begriff sein. Im November vergangenen Jahres aber erlangte Thülsfelde bundesweit Bekanntheit. Die Welle losgetreten hatte der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband. An drei Messstellen in etwa zehn Meter Tiefe hatte er bei Untersuchungen Rückstände eines Antibiotikums entdeckt, das in der Tierhaltung verwendet wird. Knapp über der Nachweisgrenze seien die Werte gewesen, hieß es.

Weiterer Fund im Landkreis Cloppenburg

Thülsfelde ist kein Einzelfall. Ein paar Monate zuvor hatte das Umweltbundesamt eine Studie zu Antibiotika im Grundwasser veröffentlicht: Darin gaben die Forscher prinzipiell Entwarnung. Doch an sieben von bundesweit 48 Messstellen wurde eine geringe Konzentrationen von Antibiotika-Wirkstoffen nachgewiesen. Fünf Fundorte in Niedersachsen, der höchste Wert dabei in Bösel – gut zehn Kilometer von Thülsfelde entfernt. Warum hier? Die Forscher hatten und haben darauf keine genaue Antwort. Auch der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband will sich erst einmal nicht weiter äußern. Dieses Jahr würden weitere Untersuchungen durchgeführt, heißt es. Bis die Ergebnisse vorlägen, könne es aber noch einige Monate dauern.

Kontrastmittel-Rückstände im Trinkwasser

Die Aufregung war in beiden Fällen groß, auch wenn keine unmittelbare Gefahr für das Trinkwasser bestand. Doch auch in dem finden sich bereits jetzt Medikamentenrückstände. Gadolinium ist so ein Fall. Wer per Magnetresonanztomografie, kurz MRT, untersucht werden soll, dem wird das Kontrastmittel gespritzt. Über den Urin findet es dann in verdünnter Form seinen Weg zurück in die Umwelt. In Ems, Weser und Elbe konnte Michael Bau von der Jacobs University in Bremen bereits Gadolinium nachweisen. Und auch im Trinkwasser vieler großer Städte, denn Klärwerke schaffen es nicht, die stark verdünnten Stoffe herauszufiltern.

Nicht gesundheitsgefährdend

Laut Zeitschrift Öko-Test werden in Deutschland jährlich 1600 Kilogramm Gadolinium verbraucht. Das Metall zählt zu den sogenannten Seltenen Erden. In sehr geringer Konzentration kommt es auch ohne menschliches Zutun in der Umwelt und auch im Wasser vor. Doch Forscher wie Michael Bau verzeichnen einen stetigen Anstieg. „Nicht verwundernswert“ nennt er die Ergebnisse einer neueren Untersuchung zu Gadolinium im Trinkwasser. Erhöhte Werte wurden unter anderem in Münster festgestellt – vermutlich Medikamentenrückstände, so „Öko-Test“ . Die Autoren stellen einen Zusammenhang mit dem Oberflächenwasser her, das die Westfalen aus dem Dortmund-Ems-Kanal abzapfen und in Trinkwasser umwandeln. Spuren fanden sich auch in Oldenburg. In Osnabrück und Bremen hingegen ließen sich demnach keine Rückstände feststellen.

Besteht Gefahr beim Trinken? „Nein, das Gadolinium ist in den bisher im Trinkwasser gemessenen Konzentrationen gesundheitlich völlig unbedenklich“, sagt Professor Bau. Gadolinium sei aber ein Indiz dafür, was unsere Kläranlagen so alles passieren ließen. Die Forscher von „Öko-Test“ beklagen, dass nur punktuell auf Rückstände hin untersucht werde.In der Trinkwasser-Verordnung gebe es keinen Richtwert. Auch die Forschung zu Auswirkungen der Rückstände auf Mensch und Umwelt seien noch ganz am Anfang.

Über solche Fragen soll am Mittwoch ab 10.30 Uhr auf einem Forum der Deutschen Bundesstiftung Umwelt in Osnabrück diskutiert werden. Unter anderen will Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) dazu Stellung beziehen.

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