Zum 70. Jahrestag der Befreiung Das hat Auschwitz Opfern aus der Region angetan

Von



Osnabrück. Vor 70 Jahren befreiten Soldaten der Roten Armee Auschwitz. Von den mehr als eine Million Opfern stammten viele aus der Region. Das sind ihre Geschichten.

Vor 70 Jahren, am 27. Januar 1945, erreichten Soldaten der Roten Armee das Konzentrationslager Auschwitz und befreiten rund 7000 Häftlinge, die die SS-Wachen dort zurückgelassen hatten. Damit endete der industrielle Massenmord der Nazis, dem alleine hier mehr als eine Million Menschen zum Opfer gefallen waren. Viele von ihnen stammten aus unserer Region.

Eines der bekanntesten Opfer aus der Region war der Maler Felix Nussbaum. Er, seine Eltern Philipp und Rahel, sein Bruder Justus sowie Felix Nussbaums Frau Felka Platek sterben alle 1944 im Vernichtungslager Auschwitz. (Weiterlesen: Auschwitzprozess: Zeugenaussagen online veröffentlicht).

Die aus dem ostfriesischen Emden stammenden Eltern gründen in Osnabrück ein Einzelhandelsgeschäft, Justus steigt später dort ein, Felix wird Maler. Ab 1937 lebt er mit Felka im belgischen Brüssel. Zwei Tage nach dem Einmarsch der Wehrmacht wird Felix Nussbaum verhaftet und in das südfranzösische Internierungslager Saint-Cyprien gebracht. Er kann fliehen und kehrt zu Felka nach Brüssel zurück.

Ihr Versteck bei einem Kunsthändler wird verraten, beiden werden nach Auschwitz deportiert und getötet. Neuen Erkenntnissen zufolge lebte Felix Nussbaum, der als Häftling die Nummer B-3594 trug, noch bis Ende September 1944.

Erna de Vries überlebt Auschwitz ganz knapp. Die damals 20-Jährige wartet 1943 bereits in einer Schlange, die vergast werden soll, als sie ein SS-Wachmann herausholt. Kurz zuvor kam dort ihre Mutter ums Leben. Als Halbjüdin wird Erna ins KZ Ravensbrück gebracht, wo sie Kriegsmaterial produziert. 1947 heiratet sie Josef de Vries und lebt seither in Lathen.

(Weiterlesen: Todeslager Auschwitz: Das Symbol des Grauens)

Siegmund Haunauer, Besitzer eines Modegeschäfts, gehört in Lingen sogar dem Traditionsverein der Kivelinge an. Aber auch das schützt ihn nicht vor der Nazi-Verfolgung. Er flieht nach Amsterdam, wird aber mit Frau Anna und Sohn Leo 1944 gefasst und in Auschwitz vergast. Zuvor starben dort sein Bruder Siegfried und in Sobibor seine Schwester Rosa.

Minna Dessauer aus Osnabrück ist Anfang 60, als die Nazis sie zwingen, ihr Zuhause zu verlassen und in das sogenannte Judenhaus in der Kommenderiestraße zu ziehen. Sie wird nach Theresienstadt deportiert, von wo aus sie ihrer Schwester Grete Postkarten schickt, die aber die Wahrheit des KZ verheimlichen. Während sie selbst in Auschwitz stirbt, überlebt Grete später Theresienstadt.

(Weiterlesen: Auch 70 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz ist die Arbeit der Historiker in der Gedenkstätte Yad Vaschem noch nicht abgeschlossen.)

Maria Bernstein und Hermann Heymann heiraten 1939 – da haben die Nazis ihnen bereits alles genommen. Heymann verlor sein Osnabrücker Geschäft, woraufhin sich seine erste Frau Bertha das Leben nahm. In der Reichsprogromnacht wird er verhaftet, nach Buchenwald deportiert und wieder entlassen. Heymann und Bernstein, sowie ihr Stiefsohn, sterben später in Auschwitz.

Peter van Pels aus Osnabrück lebt mit seiner Familie von 1942 bis 1944 im selben Amsterdamer Hinterhof-Versteck wie Anne Frank und ihre Familie. In ihrem berühmten Tagebuch benutzt Anne Frank für die Nachbarn das Pseudonym Van Daan.Beide werden nach Auschwitz deportiert, gehören jedoch zu denen, die wegen des Vormarsches der Roten Armee wieder in westliche KZ gebracht werden. Anne stirbt in Bergen-Belsen, Peter in Buchenwald.

Ruth ten Brink aus Bramsche, die im Osnabrücker Kaufhaus Alsberg arbeitet, wandert 1935 in die Niederlande aus – wie später auch ihr Bruder und ihre Eltern. In Apeldoorn arbeitet Ruth in einer jüdischen Pflegeanstalt, die sie nach dem Überfall der Wehrmacht auf die Niederlande aus Solidarität zu den Patienten nicht verlässt. Sie stirbt mit ihnen in Auschwitz.


NOZ-Buch über Auschwitz

Auschwitz – der Ort steht stellvertretend für das Grauen des Holocaust. In einem neuen Band unserer Sachbuch-Reihe haben wir aus Anlass des Gedenkens viele dokumentarische Informationen über das größte KZ der Nazis gesammelt. Betroffen macht zudem eine Sammlung beispielhafter Kurz-Biografien regionaler Auschwitz-Opfer. Das Buch ist gedruckt (19,99 Euro) oder als E-Book (7,99 Euro) in unseren Geschäftsstellen oder online bestellbar unter noz.de/shop. (ew)

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN