Vierte Verhandlungsrunde angesetzt Caritas-Tarifgespräche im Norden könnten schwierig werden

Am 7. Januar werden in Hannover die Tarifverhandlungen der Caritas Nord fortgesetzt. Foto: Michael GründelAm 7. Januar werden in Hannover die Tarifverhandlungen der Caritas Nord fortgesetzt. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Dreimal endeten im Jahr 2014 die Tarifverhandlungen von Caritas-Arbeitgebern und Mitarbeitern in Niedersachsen und Bremen bereits ergebnislos – am 7. Januar startet in Hannover ein neuer Anlauf. Es dürften erneut schwierige Gespräche werden.

„Wir sind immer noch weit voneinander entfernt“, sagt Alfred Sliwinski , Vertreter der Arbeitnehmer in der Arbeitsrechtlichen Kommission der Caritas. Dagegen hofft Werner Negwer, Verhandlungsführer der Arbeitgeber, auf ein Einlenken. Es geht um einen Abschluss für rund 40000 Caritas-Beschäftigte in der Region Nord, von denen 6000 in der Altenhilfe arbeiten.

Das Angebot der Arbeitgeber (Dienstgeber genannt) des katholischen Wohlfahrtsverbandes orientiert sich im Wesentlichen an den Eckpunkten der Caritas-Bundesebene. Demnach ist eine Gehaltssteigerung von 5,4 Prozent in zwei Stufen vorgesehen, jedoch zeitlich versetzt: Statt einer Umsetzung in zwei Stufen rückwirkend zum 1. Juli 2014 und zum 1. März 2015 votierten die Dienstgeber für eine Verschiebung auf den 1. Januar und den 1. Oktober 2015; der zweite Schritt der Umsetzung soll demnach für die stationäre Altenhilfe auf den 1. Januar 2016 verschoben werden.

Als Alternative bieten die Dienstgeber die Umsetzung der bundesweiten Caritas-Tarifbeschlüsse an, verbunden mit einer Spartenregelung, die nur Mitarbeiter der Altenhilfe beträfe: Diese würden auf einen Teil der stufenweisen Lohnsteigerung nach einer bestimmten Betriebszugehörigkeit verzichten.

Zu schlecht verhandelt?

Dies lehnt die Mitarbeiterseite ab und spricht von einer Absenkung des Lohnniveaus. „Die Arbeitnehmer wollen nicht eine Abspaltung der Altenpflege“, sagt Verhandlungsführer Sliwinski. Er geht mit neuen Argumente in die Öffentlichkeit. So führt er an, die Sozialkassen seien gut gefüllt. Das Geld müsse auch bei den Mitarbeitern ankommen. Zum Teil hätten Einrichtungen über viele Jahre keine Verhandlungen über den Pflegesatz geführt. Daher müsse man sich fragen, ob die Arbeitgeber zu schlecht oder gar nicht mit den Pflegekassen verhandelt hätten.

Sliwinski erwartet zudem, dass sich das Bistum Osnabrück angesichts hoher Einnahmen bei der Kirchensteuer vorübergehend zugunsten wirtschaftlich Not leidender Einrichtungen der Altenhilfe finanziell engagiert.

Fatale Auswirkungen für die Altenpflege fürchtet der Vertreter der Caritas-Arbeitnehmer, wenn es dort „Tarif-Absenkungen“ gebe. Dies gelte gerade angesichts einer geplanten Pflegeausbildung, die Altenpflege, Krankenpflege und Kinderkrankenpflege zusammengeführt. Dann werde die Altenpflege noch unattraktiver, sagt Sliwinski.

Politik und Gesellschaft würden die Pflege aufwerten, doch die Dienstgeber wollten sie durch eine „Absenkung“ finanziell abwerten. Das passe nicht zusammen. Die Mitarbeiter seien zwar zur Solidarität bereit, aber nur so weit, wie es nötig sei. Durch die Verschiebung der Gehaltserhöhung ergäben sich für sie bereits jetzt Verluste von teilweise rund 1000 Euro.

„Lohnniveau bundesweit Spitze“

Für die Arbeitgeber unterstreicht der Osnabrücker Caritasdirektor Franz Loth, das Lohnniveau der Caritas gehöre zur bundesweiten Spitze: „Ein Branchenvergleich des unabhängigen Fachmagazins ,Wohlfahrt intern‘ belegt, dass wir durchgängig sehr gute Gehälter zahlen, in einigen Arbeitsfeldern sogar besser als das, was Verdi mit den kommunalen Trägern verhandelt hat.“ Für die Dienstgeber erklärt Verhandlungsführer Negwer, es müsse ein Abschluss gefunden werden, der die Probleme der Einrichtungen in der Altenhilfe nicht weiter verschärfe.

Kein Streik

Für einie Einigung müssen die Verhandlungspartner einen Beschluss mit einer Mehrheit von 75 Prozent fassen. Sollten die Gespräche am 7. Januar nicht zu einem Ergebnis führen, wird ein Vermittlungsverfahren eingeleitet. Einen Streik wird es nicht geben, denn bei der Caritas gibt es den sogenannten Dritten Weg. Er bedeutet, dass die Arbeitsbedingungen in kirchlichen Einrichtungen durch eine paritätisch besetzte arbeitsrechtliche Kommission aus Arbeitgebern und Arbeitnehmern geregelt werden.


In der Regionalkommission Nord der Caritas verhandeln je sechs Vertreter von Dienstgeber- und Mitarbeiterseite (so heißen bei der Caritas Arbeitgeber und Arbeitnehmer) aus Niedersachsen und Bremen. Das Gremium ist zuständig für die Bistümer Osnabrück, Hildesheim und den Offizialatsbezirk Oldenburg. In diesem Bereich arbeiten nach Caritas-Angaben rund 40000 Mitarbeiter, davon etwa 6000 in der Altenhilfe.

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