Kammer fordert Impfung statt Keulen Tierärzte zu Vogelgrippe: Massentötung „ethisch fragwürdig“

Von Dirk Fisser


Osnabrück. Die Bilder verstören: Aus einer Radladerschaufel fallen die Kadaver toter Puten in einen Container – vergast, weil in ihrem Stall in Barßel im Landkreis Cloppenburg der Vogelgrippe-Erreger H5N8 nachgewiesen worden ist. Aus Sicht der Bundestierärztekammer ist das „ethisch fragwürdig“ und der falsche Weg der Tierseuchenbekämpfung.

Kammerpräsident Theodor Mantel forderte im Gespräch mit unserer Redaktion ein Umschwenken der Politik: weg vom Keulen ganzer Tierbestände hin zu vorbeugenden Impfungen. „Das massenhafte Töten von Tieren ist ethisch fragwürdig und darf nicht der Weisheit letzter Schluss sein. Davon müssen wir weg“, so Mantel. Das EU-Recht zur Tiergesundheit müsse entsprechend geändert werden, da hier das Keulen als Bekämpfungsmaßnahmen von Seuchen noch Vorrang habe.

„Überhaupt keinen Spielraum“

Im Fall der Vogelgrippe räumte Mantel zwar ein, dass es derzeit weder rechtlich noch medizinisch mangels Impfstoff eine Alternative zur Massentötung von betroffenen Beständen gebe. „Da haben wir leider überhaupt keinen Spielraum.“ Die Politik müsse allerdings die rechtlichen Rahmenbedingungen dafür schaffen, dass es sich für die Industrie lohne, an Impfstoffen gegen die Geflügelpest zu forschen.

„Deprimierende Situation“

Als Beispiel nannte Mantel die Maul- und Klauenseuche bei Rindern und Schweinen. Hier seien Impfstoffe vorhanden, kämen im Ernstfall aber nicht zum Einsatz, weil das Keulen von Beständen vorgeschrieben sei. „Das ist für Veterinäre eine deprimierende Situation. Wir haben nicht Tiermedizin studiert, um massenhaft Tiere zu töten.“

Bislang 120.000 Tiere getötet

Nach dem Nachweis der Vogelgrippe auf dem Putenbetrieb in Barßel waren auf dem Betrieb und in angrenzenden Ställen insgesamt 120.000 Tiere getötet worden. Bei weiteren Untersuchungen konnte bislang kein weiterer Vogelgrippe-Fall nachgewiesen werden. Ein großer Ausbruch im Raum Weser-Ems hätte fatale Folgen: Allein hier gibt es 90 Millionen Stallplätze für Geflügel wie Masthähnchen, Legehennen oder eben Puten.

Momentan gelten in der Region Cloppenburg und angrenzenden Landkreisen noch Transportverbote für Geflügel. Diese könnten ab Freitag gelockert werden.

Noch im März hatte unsere Redaktion ein Unternehmen portraitiert, das sich auf die Massentötung von Tierbeständen spezialisiert hat. Den Text lesen Sie auf noz.de.