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Statistik für West-Niedersachsen Einbrüche in der Region: wo die Täter herstammen

Einbrecher bei der Arbeit. Foto: dpaEinbrecher bei der Arbeit. Foto: dpa

Osnabrück. Mancher Einbrecher nimmt weite Wege auf sich, um im Raum Weser-Ems seinem kriminellen Handwerk nachzugehen. Das zeigt der Blick in die Statistiken der Polizei. Von 482 Tatverdächtigen im Gebiet der Polizeidirektion Osnabrück hatten 140 keinen deutschen Pass. Die russische Mafia scheint die Region allerdings noch nicht erreicht zu haben.

Etwa 20.000 Menschen rechnet das Bundeskriminalamt hierzulande straff organisierten „russisch-eurasischen Gruppierungen“ zu, sagte der mittlerweile pensionierte BKA-Chef Jörg Ziercke noch im Oktober. Sie sollen für einen Teil der 150.000 Wohnungseinbrüche im Jahr 2013 verantwortlich sein. Die Hintermänner vermutet das BKA in der ehemaligen Sowjetunion. Zum Teil handelt es sich dabei laut Ziercke um frühere Agenten des Geheimdienstes KGB.

Brigaden teilen Deutschland auf

Deutschland hätten diese Banden in 22 Gebiete aufgeteilt, in denen ihre sogenannten Brigaden agierten. Werde ein Bandenmitglied geschnappt, so Ziercke, komme die Mafia für die Familie des Inhaftierten auf. Etwa 30 Verbrecherbanden seien vergangenes Jahr aufgeflogen, neun seien von russischen Staatsangehörigen geführt worden, gefolgt von Ukrainern, Kasachen und Georgiern.

Einbrecher aus den Niederlanden

Ein Problem auch zwischen Nordseeküste und Teutoburger Wald? Zumindest im Jahr 2013 noch nicht, geht es nach der Statistik. Aus der Russischen Föderation und der Ukraine zählte die hiesige Polizei jeweils nur einen Verdächtigen. Die meisten kamen aus den Niederlanden, Serbien und der Türkei mit jeweils 14 Beschuldigten. Dahinter folgen Bosnien und Herzegowina (13), der Kosovo (12) und Polen (8). Mit 342 Tatverdächtigen hatte der überwiegende Teil aber einen deutschen Pass.

So auch die mutmaßlichen Haupttäter hinter einer vierköpfigen Bande, die kürzlich hochgenommen wurde. Über eineinhalb Jahre sollen die Männer Beute im Wert von mehr als einer Million Euro gemacht haben. Knapp ein Dutzend Einbrüche sollen auf ihr Konto gehen – unter anderem in der Region Osnabrück oder der Grafschaft Bentheim. Ein Sondereinsatzkommando erwischte die Männer in September in Bielefeld auf frischer Tat.

Mittäter aus Ukraine eingeflogen

Die Bande soll hoch professionell agiert haben. Für manche Einbrüche haben sie sich nach Erkenntnissen der Polizei die Dienste von Experten gesichert. So soll in einem Fall beispielsweise ein Profi aus der Ukraine eingeflogen sein, um bei einem Einbruch in Nordwest-Deutschland zu helfen. An den Tatorten soll die Bande mit einer Mercedes S-Klasse vorgefahren sein.

Für Osnabrücks Polizeipräsident Bernhard Witthaut ist das ein Beispiel für professionell agierende überregionale Banden, die immer häufiger in Erscheinung treten. Die Polizeistrategie sei entsprechend darauf ausgerichtet worden, solche Gruppierungen hochzunehmen. „Wir geben keine Ruhe und rücken den Tätern auf den Pelz“, so Witthaut. Im Fall der S-Klasse fahrenden Bande könnte es derweil im Frühjahr zum Prozess vor dem Landgericht Osnabrück kommen.

Mit Bügeleisen gefoltert

Vor dem Landgericht in Saarbrücken läuft derweil bereits ein Verfahren, dass die Brutalität deutlich macht, mit der manche Einbrecherbanden vorgehen: Drei Angeklagten wirft die Staatsanwaltschaft vor, einen Rentner in Saarlouis so lange mit einem Bügeleisen gefoltert zu haben, bis er 50.000 Euro herausrückte. Die Drei sollen sich als Mitglieder der „Russen-Mafia“ bei dem Überfall vorgestellt haben.

Keine Brigaden im Nordwesten?

Deren Aktivitäten beschränken sich nach Erkenntnissen des BKA bislang vor allem auf Großstädte und die Metropolregionen. Diese „Speckgürtel“ versprechen allem Anschein nach besonders reiche Beute. Zumindest bislang seien die sogenannten Brigaden entlang der niederländischen Grenze noch nicht aufgefallen, heißt es bei der Polizeidirektion. Allerdings: Nur jeder Dritte Einbruch wird auch aufgeklärt. Vielleicht ist die Russen-Mafia also schon längst da. (mit dpa)


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