Fahrlässige Tötung in Ritterhude? Explosion in Chemiefirma: Staatsanwaltschaft ermittelt

Von Eckhard Stengel

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Totalschaden: Nach der Explosion am 9. September will der Betreiber keine neue Produktion in Ritterhude aufbauen. Foto: dpaTotalschaden: Nach der Explosion am 9. September will der Betreiber keine neue Produktion in Ritterhude aufbauen. Foto: dpa

Bremen. Die verheerende Explosion in einem Chemiewerk in Ritterhude bei Bremen hat jetzt auch strafrechtliche Folgen: Die zuständige Staatsanwaltschaft Verden hat ein Ermittlungsverfahren gegen Mitglieder der Firmengeschäftsführung wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung eingeleitet. Das sagte Behördensprecher Lutz Gaebel am Freitag auf Anfrage unserer Redaktion.

Bei der Explosion der Chemiemüll-Aufbereitungsfirma war am 9. September ein Mitarbeiter so schwer verletzt worden, dass er eine Woche später starb. Die Strafermittler wollen jetzt prüfen, ob dem Unglück ein schuldhaftes Handeln der Firmenleitung voranging. Gaebel betonte, dass es sich bisher nur um einen Anfangsverdacht handele, der sich aus den noch laufenden Brandursachenermittlungen ergeben habe. Um welche Verdachtsmomente es sich handelt, wollte er nicht mitteilen. Die Ermittlungen stünden noch ganz am Anfang und würden noch einige Monate andauern, sagte er.

Gegen die zuständigen Genehmigungs- und Aufsichtsbehörden wird laut Gaebel bisher nicht ermittelt. Anwohner hatten ihnen einen zu nachsichtigen Umgang mit dem Unternehmen vorgeworfen, das seine gefährliche Produktion mitten in einem Wohnviertel betreibt. Gaebel schloss aber nicht aus, dass im Zuge der Ermittlungen gegen die Firmenchefs auch das Verhalten der Behörden angeschaut werde. „Wir laufen ja nicht mit Scheuklappen durch ein Verfahren“, sagte der Staatsanwalt.

40 Wohnhäuser beschädigt

Bei der Explosion waren auch 40 benachbarte Wohnhäuser beschädigt worden. Acht davon galten zunächst als unbewohnbar; sie werden derzeit repariert. Die Bewohner kamen bei Verwandten, Bekannten, im Wohnmobil oder auch in Ferienwohnungen unter, die von hilfsbereiten Bürgern zur Verfügung gestellt wurden. Eine Interessengemeinschaft der Geschädigten rechnet damit, dass die meisten Bewohner ihre Häuser erst in einigen Monaten wieder beziehen können. Der Gesamtschaden bei den Anwohnern und der fast völlig zerstörten Fabrik dürfte in die Millionen gehen.

Weder die 15000-Einwohner-Gemeinde Ritterhude noch die Baubehörde des Landkreises Osterholz oder das Staatliche Gewerbeaufsichtsamt Cuxhaven hatten nach eigenen Angaben eine rechtliche Handhabe gesehen, um den Betrieb aus der Siedlung zu vertreiben. Ritterhudes Bürgermeisterin Susanne Geils (SPD) sagte jetzt aber unserer Zeitung: „Für uns als Gemeinde und auch für den Landkreis ist vollkommen klar, dass diese Firma niemals dort wieder angesiedelt wird.“ Das Unternehmen versichert bereits selbst auf seiner Internetseite: „Organo Fluid wird keine neue Produktion in Ritterhude aufbauen.“ Und es bittet „alle Betroffenen um Entschuldigung“.


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