Blick auf die Zahlen Ist Radfahren in Osnabrück gefährlicher als andernorts?

Von Jörg Sanders


Osnabrück. Nach drei getöteten Radfahrern und mehreren Schwerverletzten ist eine Diskussion über Fahrradsicherheit in Osnabrück entbrannt – nicht nur in der Politik. Doch ist Radfahren in Osnabrück wirklich gefährlicher als andernorts?

Eine Karte und Grafiken finden Sie weiter unten bzw. auf www.noz.de/fahrrad!

Zehn Radfahrer starben in den vergangenen zehn Jahren auf Osnabrücks Straßen – in diesem Jahr waren es bereits drei. Zwei von ihnen starben an der Ecke Kommenderiestraße und Johannistorwall im März und Oktober dieses Jahres. Die Politik diskutiert, wie sie die Ecke sicherer machen kann, und auf noz.de und der Facebookseite unserer Zeitung wird nicht an Schuldzuweisungen gespart: Oftmals sind pauschal alle Radfahrer Rüpel und ohne Zweifel schuld – oder eben die Autofahrer. Ein Gefühl bleibt bei vielen: Fahrradfahrer sind in Osnabrück nicht sicher.

Ein Blick auf die Unfallzahlen mit Personenschäden (Verletzte und Getötete) und Fahrradbeteiligung für Niedersachsen zeigt: In Osnabrück (263 Unfälle in 2013) gibt es überdurchschnittlich viele Unfälle in Relation zu den Einwohnerzahlen. Nur in Oldenburg (381), Emden (97) und Wilhelmshaven (137) ist es – rein statistisch betrachtet – gefährlicher, mit dem Rad unterwegs zu sein. Am sichersten sind Radfahrer in den dünn besiedelten und ländlich geprägten Landkreisen Helmstedt und Osterode am Harz unterwegs. In den Landkreisen Osnabrück und Emsland ist es schon wesentlich gefährlicher.

In Städten ist das Risiko eines Unfalls aufgrund der hohen Verkehrsdichte und mehr Radfahrern ohnehin höher als in ländlichen Gegenden. „Und in Osnabrück sind ja auch einfach viel mehr Radfahrer unterwegs als in einer eher ländlichen Gegend wie dem Landkreis Lüchow-Dannenberg“, erklärt Sabine Härtel vom niedersächsischen Landesamt für Statistik. Im reinen Städtevergleich rangiert die Stadt Osnabrück weit hinter Städten wie Salzgitter, Wolfsburg und Delmenhorst.

Unfallhäufigkeit klärt nicht die Schuldfrage

Die Zahl der Unfälle mit Radfahrern lässt jedoch vorerst keinen Rückschluss auf die Schuldfrage zu. Die Polizei Osnabrück berichtete jüngst, dass an einem Drittel der Unfälle mit Fahrradbeteiligung die Radfahrer schuld seien. Die Nachricht hätte auch anders formuliert werden können: An zwei Dritteln der Unfälle mit Radfahrern haben die Radler keine Schuld. Genauer: In mehr als der Hälfte der Unfälle (55 Prozent) sind Autofahrer schuld, in sechs Prozent Lkw-Fahrer. Viele Unfälle passieren beim Abbiegen.

Blick auf landesweite Zahlen

Landesweit verhält es sich ähnlich: Von den 7335 Unfällen mit Verletzten und Toten und Fahrradbeteiligung (innerorts) waren die Radfahrer in 34 Prozent der Fälle schuld. In 56 Prozent der Fälle waren es Autofahrer. 54 Radfahrer starben 2013 auf Niedersachsens Straßen, 32 davon innerorts.

Jeder zehnte Todesfall ein Radfahrer

Ein Fünftel aller Schwerverletzten und zehn Prozent der im Straßenverkehr Getöteten sind dem Bundesamt für Statistik zufolge Radfahrer. Die Zahl Schwerverletzten nahm seit 1979 um 37,1 Prozent zu, wohingegen die Zahl der Getöteten im selben Zeitraum von 1357 auf 354 zurückging (-73,9 Prozent).

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Unfälle in Niedersachsen mit Personenschäden und Fahrradbeteiligung (2013)


Quelle: Landesamt für Statistik; Karte: Google/Jörg Sanders



Die Zahlen basieren auf den Unfallzahlen mit Personenschäden (Verletzte und Getötete) in Niedersachsen, die wir hierzu in Relation zu den Einwohnerzahlen gesetzt haben. Ein errechneter Quotient gibt an, wie gefährlich das Radfahren in einem Landkreis oder einer kreisfreien Stadt ist (statistisch).