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Todesfälle in Delmenhorst und Oldenburg Mordverdächtiger Pfleger: Keine Menschen, nur Objekte

Von dpa

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Der wegen mehrfachen Mordes angeklagte Krankenpfleger. Foto: dpaDer wegen mehrfachen Mordes angeklagte Krankenpfleger. Foto: dpa

Oldenburg. Er soll seine Patienten getötet haben statt ihnen zu helfen. Wegen dieses furchtbaren Verdachts steht ein Pfleger in Niedersachsen vor Gericht. Er sah die kranken Menschen nur als Objekte, sagen Psychologinnen.

Gestörte Persönlichkeit oder nicht?: Einen unter Mordverdacht stehenden Krankenpfleger beurteilen zwei Psychologinnen unterschiedlich. Der 37-Jährige leide an einer Persönlichkeitsstörung, sagte die Gefängnis-Psychologin am Donnerstag vor dem Landgericht im niedersächsischen Oldenburg. Dort muss sich der frühere Pfleger wegen dreifachen Mordes und zweifachen Mordversuchs an Patienten am Klinikum Delmenhorst verantworten. Eine Psychologin, die den Mann einige Jahre zuvor begutachtet hatte, sieht dagegen keine Persönlichkeitsstörung vorliegen.

Die beiden Psychologinnen sagten vor Gericht aus, dass der Pfleger einen ausgeprägten Geltungsdrang gehabt habe und dass er die Patienten nicht mehr als Menschen gesehen habe. Das Opfer im ersten Prozess habe er als „vergammelte Hülle“ bezeichnet, sagte die Psychologin, die ihn wegen einer möglichen Vollzugslockerung untersucht hatte. „Der Patient war für ihn ein Objekt.“ Er habe Notfälle provoziert, um mit dem Gefühl nach Hause gehen zu können, ein toller Krankenpfleger gewesen zu sein.

„Es mussten ganz viel Blut, ganz viel Piepen und viele Leute drum herum sein“, sagte die Anstaltspsychologin, die den ehemaligen Pfleger seit 2011 betreut. „Nur durch diese Bewunderung hat er sich gespürt.“ Er habe immer besser sein wollen, als die anderen Pflegekräfte. Er habe viel zu viel gearbeitet, viel Alkohol und Tabletten genommen, um abschalten zu können. Weitere Taten habe er in den Gesprächen mit ihr nie direkt zugegeben - eher „durch die Blume“, sagte sie. „Mein Verständnis war immer, dass es noch weitere Fälle gibt.“

Derzeit sieht das Oldenburger Landgericht keine verminderte Schuldfähigkeit des Angeklagten. „Wir haben keine Anhaltspunkte dafür momentan“, sagte der Richter am Donnerstag während einer Bewertung der bisherigen Erkenntnisse.

Das Gericht hatte den Angeklagten wegen eines Mordversuchs an einem Patienten auf der Delmenhorster Intensivstation bereits 2008 zu siebeneinhalb Jahren Haft verurteilt. Er sitzt in Oldenburg in Haft.

Jetzt muss sich 37-Jährige seit September wegen dreifachen Mordes und zweifachen Mordversuchs an Patienten am Klinikum in Delmenhorst verantworten. Er soll ihnen eine Überdosis eines Herzmedikaments gespritzt haben, um diese wiederbeleben zu können.

Nach der Aussage eines Gutachters gibt es nach Angaben des Vorsitzenden Richters jedoch Zweifel, ob einer der Patienten tatsächlich an dem Mittel gestorben ist. Die Kammer wird jetzt prüfen, ob ein Mord deshalb als Mordversuch zu werten ist.

Eine Sonderkommission der Polizei untersucht insgesamt mehr als 200 Verdachtsfälle . Am Dienstag hatte die Klinik in Oldenburg ein Gutachten veröffentlicht, laut dem es in der Zeit, in welcher der Pfleger hier gearbeitet hatte, bis zu zwölf Todesfälle mit Einfluss von außen gegeben haben soll.

Eine große Mordserie bestreitet der Angeklagte nach Aussage der Gefängnispsychologin. „Er hat gesagt, er wäre doch nicht der größte Massenmörder.“ Dass die Polizei nun so viele Fälle untersuche, habe er als Wahnsinn bezeichnet. Andere Häftlinge hatten vor Gericht dagegen ausgesagt, er habe im Gefängnis mit seinen Taten geprahlt - bei 50 Opfern solle er angeblich aufgehört haben zu zählen. Die Richter wollten am Nachmittag eine erste Bewertung des Verfahrens abgeben.

Außerdem werden die Richter prüfen, ob die Ermittlungen in dem Fall verschleppt worden sind. Im Zusammenhang mit den Mordermittlungen gegen den ehemaligen Krankenpfleger gerät die Oldenburger Staatsanwaltschaft zunehmend unter Druck . Patientenschützer haben angesichts des Verdachts auf die Mordserie in Kliniken Schwerpunkt-Staatsanwaltschaften für Medizin und Pflege gefordert.


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