Gab es Versäumnisse? Staatsanwälte geraten wegen Klinik-Morden unter Druck

Von dpa

Tötete der Krankenpfleger hier möglicherweise zwölf wehrlose Menschen? Ein Gutachten legte den Schluss nahe. Nun gerät auch die Staatsanwaltschaft unter Druck. Foto: dpaTötete der Krankenpfleger hier möglicherweise zwölf wehrlose Menschen? Ein Gutachten legte den Schluss nahe. Nun gerät auch die Staatsanwaltschaft unter Druck. Foto: dpa

Oldenburg. Im Zusammenhang mit den Mordermittlungen gegen einen ehemaligen Krankenpfleger gerät die Oldenburger Staatsanwaltschaft unter Druck. Warum fehlte der notwendige Biss bei den Ermittlungen?

Es gebe einen Anfangsverdacht wegen Strafvereitlung im Amt gegen die damals zuständigen Staatsanwälte, sagte Behördensprecher Martin Rüppell am Mittwoch. Der frühere Pfleger steht zurzeit wegen dreifachen Mordes und zweifachen Mordversuchs an Patienten am Klinikum Delmenhorst vor Gericht. Die Ermittler gehen inzwischen mehr als 200 Verdachtsfällen an der Klinik und weiteren Arbeitsstätten des Mannes nach.

2005 schon Hinweise

Am Dienstag veröffentlichte die Klinik Oldenburg ein Gutachten, das die Vermutung nahelegt, dass der wegen mehrfachen Mordes angeklagte Pfleger Nils H. möglicherweise zwölf weitere schwer kranke Menschen getötet hat. Von seinem Arbeitgeber hatte der Pfleger damals trotz Bedenken ein gutes Zeugnis bekommen.

„Wir müssen der Frage nachgehen, warum damals möglicherweise nicht mit dem nötigen Biss in der Sache ermittelt wurde“, sagte der Sprecher der zuständigen Generalstaatsanwaltschaft, Rolf-Dieter Snakker, dem NDR. Angehörige werfen den damaligen Ermittlern Versäumnisse vor, da es schon 2005 Hinweise auf ein viel größeres Ausmaß gegeben habe.

Gab es Versäumnisse?

Die Staatsanwaltschaft prüft zurzeit intern, ob es Versäumnisse gab. Die Ergebnisse sollen nach Angaben von Rüppell in etwa einem Monat vorliegen. Danach soll die Generalstaatsanwaltschaft eine andere Staatsanwaltschaft damit beauftragen, die Vorfälle zu prüfen.


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