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Neuer Fall in den Niederlanden Wieder Vogelgrippe: Geflügelpest kommt Raum Weser-Ems näher

In niederländischen Betrieben ist die Vogelgrippe festgestellt worden. Die betroffenen Gebiete grenzen direkt an die deutsche Hühnerhochburg Weser-Ems. Foto: dpaIn niederländischen Betrieben ist die Vogelgrippe festgestellt worden. Die betroffenen Gebiete grenzen direkt an die deutsche Hühnerhochburg Weser-Ems. Foto: dpa

df/sen Osnabrück. Die Vogelgrippe kommt näher: Niederländische Behörden haben in Kamperveen in der Provinz Overijssel Geflügelpest in einem Stall mit 10.000 Tieren festgestellt. Overijssel grenzt an die Grafschaft Bentheim und damit direkt an die deutsche Hühnerhochburg Weser-Ems.

Wie das niederländische Wirtschaftsministerium am Freitag mitteilte, sei in dem Betrieb die Vogelgrippe nachgewiesen worden. Bislang sei aber nicht klar, ob es sich dabei um einen hochpathogenen Stamm wie etwa H5N8 handle.

Der sei mittlerweile für den zweiten Fall von Geflügelpest in Ter Aar nachgewiesen, so das Ministerium. Hier mussten am Donnerstag 43.000 Legehennen getötet werden. Bis Sonntag haben die Behörden ein Transportverbot für Geflügel und Geflügelprodukte wie Eier über die Niederlande verhängt.

Um beide nun betroffenen Betriebe seien Sperrzonen gezogen worden. Im Fall des Hofes in Kamperveen seien davon 34 weitere Betriebe betroffen. Sie würden nun von den Behörden auf Fälle von Geflügelpest hin untersucht.

Mit dem Fall aus Kamperveen, das im Westen der Provinz Overijssel liegt, kommt die Vogelgrippe dem Raum Weser-Ems immer näher. Hier gibt es 90 Millionen amtlich registrierte Stallplätze für Geflügel. Die deutschen Behörden haben bislang davon abgesehen, eine Stallpflicht zu erlassen, mahnen aber die Einhaltung von Hygiene-Vorschriften an, um eine Einschleppung der Krankheit zu verhindern.

Dies rät auch Lambert Hüring, Geschäftsführer des Landvolks Emsland, den Landwirten der Region. Nach den Fällen in Mecklenburg-Vorpommern und Ter Aar habe sich auch mit dem neuen Nachweis in Kamperveen nichts geändert. Geflügelhalter sollten auf die Einhaltung der hygienischen Maßnahmen achten und den Publikumsverkehr in ihren Ställen auf Null zurückfahren. Vor allem die Landwirte, die Freilandhaltung betreiben, stelle die aktuelle Situation vor große Probleme. „Sie machen sich riesige Sorgen“, sagt Hüring. Ihre Ställe sind für die Freilandhaltung konzipiert und solange keine Aufstallungspflicht erlassen werde, bewegen sich ihre Hühner weiter unter freiem Himmel.

Auch wenn bislang keine Bestätigung eines hochpathogenen Stammes wie der zuvor aus Asien stammende Subtyp H5N8 vorliege, müsse von einem Typus dieser Art ausgegangen werden, meint Friedrich-Otto Ripke, der Vorsitzende der Niedersächsischen Geflügelwirtschaft (NGW). Aktuell arbeiten die Kreisveterinärämter an einer neuen Risikoprüfung der Region. Mit dem aktuellen Fall in Kamperveen habe sich die Gefahr stark erhöht. „Wir müssen das sehr ernst nehmen“, sagt Ripke. „Wir haben im Nordwesten Niedersachsens eine große Geflügeldichte. Der Schaden wäre massiv.“ Auch er empfiehlt den Landwirten der Weser-Ems-Region eine sorgfältige Einhaltung der Hygienevorschriften. So sollten die Ställe geschlossen gehalten werden, damit keine Schaderreger, wie beispielsweise Mäuse, zu den Tieren gelangen könnten. Zudem sollten Landwirte, wenn sie von einem Stall zum nächsten laufen, ihre Kleidung wechseln und sich desinfizieren. Auch die Transportwege in die Niederlande müssten kontrolliert werden.

Geflügelverbände vermuten, dass Zugvögel den gefährlichen Erreger H5N8 aus Asien eingeschleppt haben könnten. Friedrich-Otto Ripke teilt diese Einschätzung: „Die Wildvögel sind ein großes Risiko. Es gibt aktuell keine anderen Hinweise.“ Naturschützer widersprachen dieser Schuldzuweisung an Gänse und Co.

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Die Geflügelpest

Die Geflügelpest ist eine unter anderem für Hühner, Gänse und Puten hochansteckende Viruserkrankung. Sie wird oft auch als Vogelgrippe bezeichnet. Binnen weniger Tage kann der ganze Tierbestand erkranken.

Bei den Viren spielen die Subtypen H5 und H7 eine besondere Rolle. Sie können in einer niedrigpathogenen (krankmachenden) und einer hochpathogenen Form auftreten. Mit H und N werden die Eiweiße der Virushülle - Hämagglutinin und Neuraminidase - abgekürzt.

Das jetzt in Europa aufgetauchte Virus H5N8 war zuvor nur aus Asien bekannt. „Wie jedes andere hochpathogene Virus hat es eine Veränderung im Genom, so dass es sich schnell im gesamten Tier ausbreitet und dann zum Tod führt“, erläuterte der Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI), Thomas Mettenleiter. Eine Übertragung auf den Menschen könne grundsätzlich nicht ausgeschlossen werden. Dies sei aber bislang bei H5N8 nicht beobachtet worden. Die Experten warnen vor Panik.

Wilde Wasservögel sind die natürlichen Wirte solcher Viren. Sie erkranken gewöhnlich kaum. Menschen können sich bei intensivem Kontakt mit Geflügel anstecken. Infektionen mit bestimmten Varianten können tödlich verlaufen. So steckten sich weltweit seit 2003 weit über 600 Menschen mit dem Erreger H5N1 an; mehr als die Hälfte von ihnen starb an den Folgen. (dpa)