Polizei vermutet Serientäter Tresore aufgeflext: Einbrecher stehlen Millionen in Region

Von Karsten Frei


Osnabrück. Fast eineinhalb Jahre lang sollen vier Serieneinbrecher in der Region ihr Unwesen getrieben und Beute im Wert von einer Million Euro gemacht haben. Auf das Konto der Bande gehen nach Polizeiangaben knapp ein Dutzend Einbrüche in ganz Niedersachsen, unter anderem auch in Osnabrück, Bad Bentheim und Georgsmarienhütte. Jetzt hat die Polizei die mutmaßlichen Serientäter geschnappt.

Verlassene Häuser in wohlhabenden Wohngegenden – das soll das bevorzugte Beuteschema der vier Männer gewesen sein, wenn sie in Niedersachsen, Hamburg und Nordrhein-Westfalen auf Raubzug gingen. Hatten sie ein geeignetes Objekt gefunden, stiegen die Einbrecher ein und suchten nach Wertsachen. Teuren Schmuck und größere Mengen Bargeld fanden sie meist an dem Ort, an dem ihre Besitzer diese für sicher aufbewahrt hielten: im Tresor. Zentimeterdicke Panzerplatten konnten die Bande nicht stoppen. Mit einer Flex schnitten sie die Safes auf, manchmal mitten in der Nacht, berichtet Polizeisprecher Marco Ellermann. Nicht immer hätten sie dabei Erfolg gehabt: Mal widerstand der Tresor der schweren Maschine, mal kamen die Besitzer früher zurück.

Wertvolle Beute

Es war ein scheinbar rentables Geschäft für die vier Deutschen. So soll ein Mitglied der Diebesbande etwa für einen Wohnungseinbruch extra aus der Ukraine eingeflogen sein. Insgesamt Beute im Wert von circa einer Million Euro hätten die Einbrecher gemacht. Auch der für die Taten verwendete Wagen konnte sich sehen lassen: Laut Polizei nutzten die Männer eine Mercedes S- Klasse.

Knapp eineinhalb Jahre, von Mai 2013 bis September 2014, sollen die Männer so auf Diebestour gegangen sein. In der Gruppe habe jeder seine Aufgabe gehabt, sagt Ellermann. Zwei Männer im Alter von 60 und 59 Jahren hätten als Späher fungiert: Sie suchten die Objekte aus und stellten sicher, dass niemand zu Hause war. Die schweißtreibende Arbeit hätten zwei jüngere Männer im Alter von 28 und 39 Jahren erledigt, die wegen Raub und Diebstahl bereits einschlägig vorbestraft sein sollen. „Die haben eine richtige Arbeitsteilung gemacht“, sagt Ellermann. Das Vorgehen der Bande sei „gewieft und professionell“ gewesen. Auf einer Schulnotenskala war das eine 1- oder vielleicht auch eine 1.“

Männer fürs Grobe

Allein: Es half nichts. Die Ermittler der Zentralen Kriminalinspektion Osnabrück (ZKI) engten den Kreis der Tatverdächtigen immer weiter ein. Schließlich schlug ein mobiles Einsatzkommando im September zu und ertappten die beiden Männer fürs Grobe auf frischer Tat bei einem Einbruch in Bielefeld. Dafür fand Polizeipräsident Bernhard Witthaut lobende Worte. Monatelang hätten die Ermittler akribisch und professionell“ gearbeitet, um der Bande „das Handwerk zu legen“.

Bei Durchsuchungen stellte die Polizei eine Menge Diebesgut, Bargeld sowie die angeblich für die Taten genutzte S-Klasse sicher. Von den vier Tatverdächtigen sitzen zwei derzeit in Untersuchungshaft in Lingen und Oldenburg. Die beiden anderen dürfen in Freiheit auf ihren Prozess warten. Der wird aller Voraussicht nach im Frühjahr 2015 stattfinden.

Mehr Einbrüche

Die Anzahl der Taten bei Wohnungseinbrüchen in der Polizeidirektion Osnabrück nahm von 2012 auf 2013 um über 4 Prozent auf insgesamt 2151 Taten zu. Die Anzahl der Taten in 2014 ist nach derzeitigem Stand weiter auf hohem Niveau. Wohnungseinbrüche können nicht nur zu hohen materiellen Schäden, sondern auch zu gravierenden psychischen Schädigungen bei den Einbruchsopfern führen.