Liberale fordern Stallpflicht FDP: Geflügel muss wegen Vogelgrippe im Stall bleiben

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Osnabrück. Angesichts des Ausbruchs der Vogelgrippe in Mecklenburg-Vorpommern, den Niederlanden und Großbritannien fordert die FDP die Stallpflicht für Geflügel in Niedersachsen. Landesregierung und Landkreise zögern noch vor diesem Schritt. Aldi warnt indes vor Eier-Knappheit.

„Worauf warten wir in Niedersachsen noch?“, fragte Hermann Grupe, agrarpolitischer Sprecher der Liberalen im Landtag, in einer Mitteilung. Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) sei „im Zweifel für die Freiheit der Hühner. Wichtiger wäre im Zweifel die Sicherheit von Menschen und Tier.“ Grupe spricht von einem „ideologischen Freiland-Fetisch“.

Ministerium beobachtet Situation

Auf Nachfrage unserer Redaktion gibt sich das Agrarministerium entspannter als die Opposition. Die Situation werde „sehr genau beobachtet“, so ein Sprecher. Bislang sei ein Aufstallungsgebot aus Sicht der Behörde aber noch nicht nötig. Dabei müsste sämtliches Geflügel in Freilandhaltung im Stall bleiben. Es habe nach jetzigem Kenntnisstand auch keine Kontakte zwischen Niedersachsen und den Seuchenregionen in Mecklenburg-Vorpommern oder den Niederlanden gegeben.

Im Nachbarland war in einem Legehennenbetrieb der Vogelgrippe-Erreger H5N8 nachgewiesen worden. 150000 Hühner wurden getötet und ein 72-stündiges Transportverbot für Tiere und Eier verhängt, das an diesem Mittwochmorgen ausläuft. Dies wiederum veranlasste Aldi Süd am Dienstag, vor einem Engpass bei Eiern zu warnen. Der Grund: Die Niederlande exportieren jährlich sechs Milliarden Eier. Ein Großteil davon geht nach Deutschland.

Probleme für emsländische Landwirte

Das Transportverbot treffe auch hiesige Bauern, betont Lambert Hurink vom Emsländischen Landvolk. So hätten beispielsweise Hähnchenmäster im Emsland und der Grafschaft Bentheim ihre Tiere nicht zum Schlachten in die Niederlande liefern können. Die Hähnchen müssten länger im Stall bleiben als geplant. „Wenn das Transportverbot verlängert wird, müssen wir hier nach Alternativen suchen.“

Laut Hurink befinde sich die „Geflügelseuchenvorsorge GmbH“ des Landvolks in Alarmbereitschaft. Die 2005 gegründete Tochterfirma kann im Fall eines Krankheitsausbruchs betroffene Bestände zeitnah keulen, um eine weitere Ausbreitung der auch Geflügelpest genannten Krankheit zu verhindern.

Landvolk: Geflügel vorsorglich aufstallen

Hurink regte an: „Grundsätzlich sollten wir aber darüber nachdenken, in Frühjahr und Herbst zum Zug der Wildvögel das Freilandgeflügel vorsorglich aufzustallen.“ Zu diesen Jahreszeiten fänden immer wieder Krankheitserreger ihren Weg in die Ställe. Hurink warnt, dass die Freilandhaltung, die teilweise in direkter Nachbarschaft zu geschlossenen Ställen praktiziert werde, als Einfallstor in die Region diene.

Ein Ausbruch der Geflügelgrippe im Raum Weser-Ems hätte verheerende Folgen. Nach Recherchen unserer Redaktion existieren hier 90 Millionen Geflügel-Stallplätze. Von den zuständigen Landkreisen der Region ist zu hören, dass derzeit kreisübergreifend an Risikoabschätzungen gearbeitet werde. Das heißt: Ist es aus Sicht der Veterinärämter zu riskant, Geflügel im Freiland zu halten, weil über Zugvögel eine Ansteckung erfolgen könnte, wird ein Aufstallungsgebot erlassen.

Warnung vor Schnellschüssen

Die Hürden hierfür seien aber sehr hoch, betont der Landkreis Emsland. Aus der Grafschaft wird vor „Schnellschüssen“ gewarnt. Werde aufgestallt, könnten Eier nicht mehr als „Freiland“ verkauft werden. Das sei mit Verlusten für die Bauern verbunden. Auch deswegen müsse gründlich abgewogen werden. (Mit Reuters)

Was man über die Vogelgrippe wissen sollte, steht auf www.noz.de.

Mehr zur Landwirtschaft auf www.noz.de/landwirtschaft


Die Geflügelpest

Die Geflügelpest ist eine unter anderem für Hühner, Gänse und Puten hochansteckende Viruserkrankung. Sie wird oft auch als Vogelgrippe bezeichnet. Binnen weniger Tage kann der ganze Tierbestand erkranken.

Bei den Viren spielen die Subtypen H5 und H7 eine besondere Rolle. Sie können in einer niedrigpathogenen (krankmachenden) und einer hochpathogenen Form auftreten. Mit H und N werden die Eiweiße der Virushülle - Hämagglutinin und Neuraminidase - abgekürzt.

Das jetzt in Europa aufgetauchte Virus H5N8 war zuvor nur aus Asien bekannt. „Wie jedes andere hochpathogene Virus hat es eine Veränderung im Genom, so dass es sich schnell im gesamten Tier ausbreitet und dann zum Tod führt“, erläuterte der Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI), Thomas Mettenleiter. Eine Übertragung auf den Menschen könne grundsätzlich nicht ausgeschlossen werden. Dies sei aber bislang bei H5N8 nicht beobachtet worden. Die Experten warnen vor Panik.

Wilde Wasservögel sind die natürlichen Wirte solcher Viren. Sie erkranken gewöhnlich kaum. Menschen können sich bei intensivem Kontakt mit Geflügel anstecken. Infektionen mit bestimmten Varianten können tödlich verlaufen. So steckten sich weltweit seit 2003 weit über 600 Menschen mit dem Erreger H5N1 an; mehr als die Hälfte von ihnen starb an den Folgen. (dpa)

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