Antifa-Gegenkundgebung in Hannover Hooligan-Demo: Polizei ermittelt wegen Totschlagversuch


kfr/epd Hannover. Nach der Hooligan-Demonstration am Samstag ermittelt die Polizei Hannover wegen versuchtem Totschlag und gefährlicher Körperverletzung. Vier Teilnehmer der Kundgebung der „Hooligans gegen Salafisten“ (Hogesa) sollen von 30 bis 40 Vermummten angegriffen und teilweise schwer verletzt worden sein.

Nach Darstellung der Polizei sollen die vier Opfer aus Bielefeld im Alter von 42 bis 47 Jahren, im Bereich der Straße Postkamp Ecke Striehlstraße von einer etwa 30-40 köpfigen Gruppe vermummter Personen angegriffen worden sein.

Die mutmaßlich der linken Szene angehörenden Täter hätten die vier Männer zunächst als Nazis beschimpft und ohne Vorwarnung mit Pfefferspray besprüht. Dann hätten sie die Hooligans getreten und geschlagen. Vermutlich seien dabei auch Schlagwerkzeuge eingesetzt worden. Einer der Betroffenen erlitt den Angaben zufolge diverse Prellungen, einen Rippenbruch und eine Kopfverletzung, ein anderer einen Kieferbruch. Beide Männer mussten im Krankenhaus behandelt werden. Die beiden anderen Teilnehmer der „Hogesa“-Veranstaltung wurden leicht verletzt. Der genaue Tatablauf sei weiterhin unklar, teilt die Polizei mit.

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Weil die Täter den Tod eines 45-Jährigen zumindest billigend in Kauf genommen hätten, wird wegen versuchtem Totschlag ermittelt. Das Opfer sei immer noch nicht vernehmungsfähig, konnte von den Ermittlern aber informell befragt werden, erklärte die Polizei.

Eine Befragung der behandelnden Ärzte soll jetzt Aufschluss über die Art und den Umfang der Verletzungen geben. Daraus erhoffen sich die Beamten, auch Rückschlüsse auf Tatwaffen ziehen zu können. Bei den Tätern soll es sich um eine Gruppe aus Männern und Frauen mittleren Alters handeln, sie waren schwarz gekleidet und mit schwarzen Masken vermummt. Die Ermittlungen dauern an. Hinweis nimmt die Polizei unter der Telefonnummer 05 11/1 09 55 55 entgegen.

Am Ende gingen die Hools aufeinander los

Noch am Sonntagmittag hatte die Polizei auf Anfrage unserer Redaktion mitgeteilt, keine Kenntnis von dem Vorgang zu haben. Auch bei der Pressekonferenz am Nachmittag wurden auf Nachfragen von Journalisten keine Angaben zu dem jetzt bekannt gewordenem Gewaltverbrechen gemacht. Zuvor waren in sozialen Netzwerken angebliche Augenzeugenberichte veröffentlicht worden, in denen von einem Messerangriff auf die Bielefelder Gruppe die Rede war. Schon nach der Hogesa-Veranstaltung in Köln mit 4800 Teilnehmern Ende Oktober war von Angriffen durch linke Gruppen gesprochen worden. Gerüchte, wonach einem Senioren ins Bein geschossen worden sein soll, stellten sich aber als unwahr heraus.

Rund 3000 Hooligans und Sympathisanten hatten am Samstag in Hannover gegen Islamismus demonstriert. Sie durften dabei nicht wie geplant durch die Stadt ziehen, sondern mussten sich unter zahlreichen Auflagen auf eine Kundgebung hinter dem Hauptbahnhof beschränken. Die Polizei konnte so größere Krawalle verhindern. An mehreren Gegendemonstrationen von Gewerkschaften, Parteien und Kirchen sowie linken Gruppen beteiligten sich insgesamt etwa 6000 Menschen, darunter schätzungsweise über 1000 Linksautonome.

5300 Polizisten setzen Hooligans und Rechte matt

Unterdessen dauert die Aufarbeitung der Hogesa-Demonstration an: Insgesamt 91 Strafverfahren sind laut Polizei mittlerweile eingeleitet worden, hauptsächlich wegen Verstößen gegen das Versammlungsgesetz und gegen das Waffengesetz, aber auch wegen gefährlicher Körperverletzung. Elf Personen waren vorrübergehend festgenommen worden. Unter den sichergestellten Gegenständen fanden sich neben Schutzbekleidung und Masken auch Pfefferspray und Messer sowie eine Drohne, die ein Teilnehmer am Andreas-Hermes-Platz eingesetzt hatte.

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