Bei Freigängen untergetaucht Maßregelvollzug: Fünf Straftäter in Niedersachsen flüchtig

Von Dirk Fisser


Osnabrück. In Niedersachsen sind mehr Straftäter aus dem Maßregelvollzug auf der Flucht als bislang bekannt. Auf Nachfrage unserer Redaktion bestätigte das Sozialministerium in Hannover: Insgesamt seien fünf Flüchtige untergetaucht. Deutlich mehr sind es in Nordrhein-Westfalen: Hier sind gleich 14 Häftlinge aus dem Maßregelvollzug verschwunden.

Ein Sprecher des niedersächsischen Sozialministeriums erklärte, zwei Männer seien seit 2013 verschwunden, drei im Laufe dieses Jahres untergetaucht. Die verurteilten Straftäter seien jeweils von unbegleiteten Ausgängen nicht in den Maßregelvollzug zurückgekehrt, wo sie wegen psychischen Problemen oder Drogensucht ihre Haftstrafe verbüßen sollten.

Nur klassische Ausbrüche bekannt gemacht

Die Fluchten seien in der jüngsten Debatte um die Sicherheit des Maßregelvollzugs nicht öffentlich bekannt gemacht worden, weil sie als sogenannte passive Entweichung zählten, so der Sprecher. Im Fokus der Diskussion hätten die sogenannten aktiven Entweichungen gestanden. Dazu zählten klassische Ausbrüche oder aber das Weglaufen während eines Freiganges.

Davon hatte es im Oktober gleich mehrere gegeben. Besonders spektakulär die Flucht eines Schwerverbrechers aus Moringen: Mit einem selbstgebauten Wurfanker konnte er die Mauer der Anstalt überwinden. Alle Flüchtigen seien mittlerweile aber wieder gefasst oder seien freiwillig zurückgekehrt, hieß es aus dem Ministerium – im Gegensatz zu den Fünf untergetauchten. Nach ihnen wurde bislang allerdings nicht öffentlich gefahndet. Aus Kreisen heißt es, die Männer seien wegen Diebstahl, Nötigung und (teils schwerer) Körperverletzung verurteilt worden.

14 Flüchtige in NRW

In Nordrhein-Westfalen sind unterdessen gleich 14 verurteilte Straftäter aus dem Maßregelvollzug entwichen und noch nicht wieder aufgetaucht. Das teilte das Gesundheitsministerium in Düsseldorf mit Stichtag 1. Oktober auf Nachfrage unserer Redaktion mit.


Was ist eigentlich was?

Strafvollzug: Das klassische Gefängnis, in dem Straftäter die gegen sie verhängte Strafe absitzen.

Maßregelvollzug: Das Strafgesetzbuch sieht für psychisch kranke oder suchtkranke Straftäter die Unterbringung in einer speziellen klinischen Einrichtung vor, die sich von einem Gefängnis unterscheidet. Im Maßregelvollzug soll die Krankheit behandelt, der Straftäter zugleich aber sicher untergebracht werden. Gilt er beispielsweise von seiner Alkoholkrankheit oder Drogensucht als geheilt, könnte er seine Strafe in einem regulären Gefängnis zu Ende absitzen.

Sicherungsverwahrung: Nach Verbüßung ihrer Strafe in einem Gefängnis landen Straftäter, von denen nach wie vor eine Gefahr für die Öffentlichkeit ausgeht, in Sicherungsverwahrung. Sie haben Anspruch auf eine „komfortablere“ Unterbringung als in einer normalen Gefängniszelle. Ist die Gefährlichkeit nicht mehr gegeben, können auch Sicherungsverwahrte frei gelassen werden.