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H5N8 in Niederlanden nachgewiesen Weser-Ems: Geflügelhalter fürchten Vogelgrippe

Von Dirk Fisser


Osnabrück. Die Angst geht um unter den Geflügelhaltern in Niedersachsen. In den Niederlanden ist der Vogelgrippe-Erreger H5N8 nachgewiesen worden, 150.000 Tiere mussten getötet werden. Kommt die Krankheit, auch Geflügelpest genannt, mit Flugvögeln auch in die Region Weser-Ems, die Hühnerhochburg in Niedersachsen und Deutschland?

Das befürchtet die Niedersächsische Geflügelwirtschaft (NGW). Der Spitzenverband der Branche habe die Landkreise entlang der Nordseeküste und der niederländischen Grenze angeschrieben und eine Stallpflicht empfohlen, sagt Vorsitzender Friedrich-Otto Ripke. „Wir halten Wildgeflügel für potenzielle Überträger der Krankheit. Deren Zugrouten gehen genau über diese Landkreise hinweg“, so Ripke.

Durch das Einstallen von Legehennen, Puten und Co solle eine Übertragung durch frei lebende Gänse oder Enten verhindert werden, die in den Auslaufflächen der eingestallten Tiere landen. Dazu bedürfe es aber einer entsprechenden Risikoabschätzung der Landkreise, so Ripke. Erst danach könne das sogenannte Aufstallungsgebot erlassen werden. In der Region gibt es nach Recherchen unserer Zeitung Geflügel-Stallplätze für etwa 90 Millionen Tiere.

Forderung nach Wildgeflügel-Monitoring

Zudem sprach sich der Verbandsvorsitzende für ein Wildgeflügel-Monitoring aus. Von Jägern geschossene Gänse oder Enten sollten von Behörden auf Erreger hin untersucht werden, um die Verbreitung beobachten zu können. Zugleich warnte Ripke aber auch vor Panikmache: „Der Erreger ist nur bei sehr intensivem Kontakt mit Geflügel für den Menschen gefährlich.“

Am Wochenende wurde der besonders aggressive Erreger H5N8 etwa 150.000 Tieren in den Niederlanden zum Verhängnis. Hier war die Variante der Vogelgrippe nachgewiesen worden, sämtliche Legehennen wurden notgeschlachtet. Laut Volkskrant ist ein Sperrbezirk um den Betrieb errichtet worden. In den gesamten Niederlanden ist der Transport von Geflügel und Eiern für 72 Stunden untersagt.

Exportverbot für die Niederlande?

Die EU-Kommission, berichten verschiedene niederländische Medien könnte zudem ein Exportverbot für Geflügelprodukte aus den Niederlanden verhängen. Das träge die Branche besonders stark, das etwa sechs Milliarden Eier im Jahr exportiert. Niederländische Behörden ordneten zudem eine einstweilige Schließung der Streichelzoos im Land an.

Selbiger Erreger war Anfang des Monats in einem Mastputenbetrieb in Mecklenburg-Vorpommern nachgewiesen worden. 30.000 Tiere wurden getötet. Das Auftreten beschränkte sich aber auf den einzelnen Betrieb. Vermutlich kam H5N8 über Zugvögel aus Asien nach Deutschland und jetzt auch in die Niederlande. Aus Großbritannien wurde ebenfalls ein Fall von Vogelgrippe gemeldet. Mehrere tausend Enten mussten notgeschlachtet werden. Die EU-Kommission lobte das Vorgehen von England und den Niederlanden. „Wir können das Verhalten der Behörden der beiden Mitgliedsstaaten nur loben“, sagte der Sprecher von EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis.

Minister: Handelskontakte überprüfen

Zahlreiche Experten halten eine Übertragung durch Wildvögel für wahrscheinlich. Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) warnt allerdings, dass dieser Übertragungsweg bislang noch nicht nachgewiesen sei. Er appellierte an Geflügelhalter, im Verdachtsfall Veterinärämter umgehend zu informieren und ansonsten die strikten Hygieneempfehlungen umzusetzen. Zudem empfahl der Minister Buch zu führen über die Hofbesucher. Im Fall eines Ausbruchs der Vogelgrippe könne so leichter die Ursache ermittelt werden. „Besonders wichtig für die niedersächsischen Geflügelhalter ist derzeit auch die Überprüfung etwaiger Handelskontakte zum betreffenden niederländischen Legehennenbetrieb“, sagte Meyer auf Nachfrage unserer Redaktion.

Übertragung unwahrscheinlich

Der jetzt aufgetretene Erreger H5N8 gilt zwar als aggressiv und endet für Tiere häufig tödlich. Eine Übertragung auf den Menschen sei aber nur bei sehr engem Kontakt zu Geflügel möglich, geben Experten Entwarnung. Ein anderer Stamm Vogelgrippe-Stamm fordert hingegen seit Jahren zahlreiche Menschenleben: H5N1. So wurde beispielsweise am Montag ein Todesfall aus Ägypten gemeldet. Eine 19-Jährige soll an dem Virus gestorben sein, der 2006 auch in Europa grassierte. Seit 2003 steckten sich weltweit 600 Menschen mit dem Erreger an, viele davon starben. Ein anderer Stamm wiederum – H10N7 – sorgte jüngst für ein Seehundsterben in der Nordsee.

(Weiterlesen: Was man über Vogelgrippe wissen sollte)


Die Geflügelpest

Die Geflügelpest ist eine unter anderem für Hühner, Gänse und Puten hochansteckende Viruserkrankung. Sie wird oft auch als Vogelgrippe bezeichnet. Binnen weniger Tage kann der ganze Tierbestand erkranken.

Bei den Viren spielen die Subtypen H5 und H7 eine besondere Rolle. Sie können in einer niedrigpathogenen (krankmachenden) und einer hochpathogenen Form auftreten. Mit H und N werden die Eiweiße der Virushülle - Hämagglutinin und Neuraminidase - abgekürzt.

Das jetzt in Europa aufgetauchte Virus H5N8 war zuvor nur aus Asien bekannt. „Wie jedes andere hochpathogene Virus hat es eine Veränderung im Genom, so dass es sich schnell im gesamten Tier ausbreitet und dann zum Tod führt“, erläuterte der Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI), Thomas Mettenleiter. Eine Übertragung auf den Menschen könne grundsätzlich nicht ausgeschlossen werden. Dies sei aber bislang bei H5N8 nicht beobachtet worden. Die Experten warnen vor Panik.

Wilde Wasservögel sind die natürlichen Wirte solcher Viren. Sie erkranken gewöhnlich kaum. Menschen können sich bei intensivem Kontakt mit Geflügel anstecken. Infektionen mit bestimmten Varianten können tödlich verlaufen. So steckten sich weltweit seit 2003 weit über 600 Menschen mit dem Erreger H5N1 an; mehr als die Hälfte von ihnen starb an den Folgen. (dpa)