Direktor Loth: Verdammtes Dilemma Verhärtete Fronten vor Tarifverhandlung bei Caritas

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df/sha Osnabrück. Neuer Anlauf in den Verhandlungen um einen Tarif für die rund 40.000 Angestellten der Caritas in Niedersachsen und Bremen: Ab Montag kommen Vertreter der Arbeitgeber- und der Mitarbeiterseite in Hannover zusammen. Die Fronten in der Caritas-Region Nord sind verhärtet.

Ein erstes Angebot des Arbeitgebers, der sogenannten Dienstgeber, hatten die Arbeitnehmervertreter empört abgelehnt. Gerade in der Altenpflege sollten die Gehälter massiv gesenkt werden, hieß es jetzt im Vorfeld der neuen Verhandlungsrunde. „Die Kürzungen würden für diese Mitarbeiter dauerhafte Verluste von bis zu 500 Euro im monatlich bedeuten“, so die Arbeitnehmervertreter in einer Mitteilung.

Streitpunkt: Pflegekräfte

Streitpunkt ist besonders die Vergütung von rund 6000 Pflegekräften. Sie sollen in den Bistümern Osnabrück, Hildesheim und dem Offizialat Vechta weniger verdienen, als das ein deutschlandweiter Tarifvertrag der Caritas vorsieht. Von dem können die Regionen allerdings im gewissen Rahmen abweichen.

Und das möchte die Arbeitgeberseite im Norden. Gelinge es dem Verband nicht, die Lohnkosten in ihren Altenhilfe-Einrichtungen zu senken, drohten Insolvenzen und Schließungen – das befürchtet Franz Loth, der für das Bistum Osnabrück zuständige Caritas-Direktor.

„Verdammtes Dilemma“

Die Caritas befinde sich in einem „verdammten Dilemma“, da sie ihre in der Altenhilfe tätigen Mitarbeiter angemessen bezahlen wolle, da wegen hoher Kosten aber zugleich die Existenz von Altenhilfe-Einrichtungen bedroht sei. „Das halten wir nicht aus“, sagte Loth im Gespräch mit unserer Redaktion.

Ziel bei den Verhandlungen mit den Mitarbeitervertretern ist demnach die Verringerung der bisher sechs „Entwicklungsstufen“, an denen Mitarbeiter abhängig vom Lebensalter Lohnerhöhungen bekommen, auf drei. Das bedeutet faktisch eine Gehälterkürzung.

Aus Sicht der Mitarbeitervertreter widerspricht diese Absicht der Nord-Caritas in drastischer Weise der Zielsetzung des aktuellen Pflegereformgesetzes und der von der Caritas-Bundesebene empfohlenen Tariferhöhung. In Nordrhein-Westfalen, in Rheinland-Pfalz, Bayern und Baden-Württemberg haben sich die für Tarifverhandlungen zuständigen Regionalkommissionen auf Kompromisse geeinigt.

Der Konflikt ist nur in der Region Nord (Niedersachsen und Bremen) und in der Region Ost derart eskaliert. Loths Begründung dafür: „Im Norden und im Osten steht die Caritas seit Jahren finanziell deutlich schlechter da.“ In Nordrhein-Westfalen etwa lägen die Pflegesätze, aus denen Altenhilfe finanziert werde, bis zu 20 Prozent höher. Im Norden dagegen habe man die für den Zeitraum von 2003 bis 2015 angesetzte Gehältersteigerung nur zur Hälfte finanziert bekommen.

Loth betonte trotz der seiner Ansicht nach „dramatisch zugespitzten Lage“, oberste Priorität für die Caritas habe das Ziel, weiter in der Altenhilfe tätig zu bleiben, denn: „Die Sorge für alte und kranke Menschen ist unsere Kernaufgabe.“

Die Arbeitnehmerseite zeigte sich im Vorfeld angriffslustig. Verhandlungsteilnehmer Alfred Sliwinksi sagte unserer Redaktion, man werde sich „mit aller Macht“ gegen eine Schlechterstellung wehren.


In der Regionalkommission Nord der Caritas verhandeln je sechs Vertreter von Dienstgeber- und Mitarbeiterseite (so heißen bei der Caritas Arbeitgeber und Arbeitnehmer). Das Gremium ist zuständig für die Bistümer Osnabrück, Hildesheim und den Offizialatsbezirk Oldenburg. In diesem Bereich arbeiten nach Caritas-Angaben rund 40000 Mitarbeiter, davon etwa 6000 in der Altenhilfe. (hav)

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