Zugverkehr, Polizeieinsatz, Gewaltpotenzial Alles, was man zur Hooligan-Demo in Hannover wissen muss

Meine Nachrichten

Um das Thema Niedersachsen Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


hab/hp/sen/mao/dpa Osnabrück/Hannover. Wird es ein zweites Köln geben? Am Samstag findet in Hannover die umstrittene Demonstration von Hooligans und Rechten gegen Islamismus statt. Wie rüstet sich die Stadt Hannover? Sind Polizisten aus unserer Region im Einsatz? Und was sollten Bahnreisende beachten? Unsere Redaktion beantwortet die wichtigsten Fragen zur Anti-Islamismus-Demo.

Von Hans Brinkmann, Mark Otten, Sarah Engel und Harald Pistorius

Wie viele Hooligans werden in Hannover erwartet?

Mindestens 5000 Hooligans und Rechtsextreme erwartet die Polizei an diesem Samstag zu der Demonstration „Europa gegen den Terror des Islamismus“ in Hannover. Nach Angaben von Polizeipräsident Volker Kluwe vom Freitag wurde die Teilnehmerzahl aufgrund neuer Erkenntnisse noch einmal nach oben korrigiert.

Was für Gegendemonstrationen sind geplant?

Zugleich gab es 17 Anmeldungen für Gegendemonstrationen. Die größte Veranstaltung stellt dabei eine Kundgebung unter dem Motto „bunt statt braun“ dar, zu der DGB, Kirchen, Parteien und andere Gruppen mit bis zu 2500 Teilnehmern rechnen.

Was passierte am 26. Oktober in Köln?

14 verletzte Polizisten und 20 festgenommene Demonstranten – so lautete das erschreckende Resultat einer Kundgebung von Hooligans und Rechtsradikalen gegen Salafisten am 26. Oktober in Köln. Über das Internet und soziale Netzwerke hatte sich die Bewegung „Hooligans gegen Salafisten“ (HoGeSa) formiert und bei der Kölner Polizei 1500 Menschen zu einer friedlichen Demonstration angemeldet. Doch von Frieden konnte an diesem Sonntag keine Rede sein. Nach Schätzungen erschienen mehr als 4000 gewaltbereite Hooligans und Rechtsradikale, um gegen den Islam und Ausländer zu demonstrieren. Sie attackierten mit Feuerwerkskörpern und Flaschen die Polizei, die mit rund 1500 Beamten im Einsatz war. Zudem bildete sich vor dem Kölner Dom eine Gegendemonstration mit rund 500 Teilnehmern. Sie protestierten unter dem Motto „Schulter an Schulter gegen Rassismus und religiösen Fundamentalismus“ gegen die gewaltbereite Meute.

Am späten Nachmittag kam es darüber hinaus zu Ausschreitungen am Kölner Hauptbahnhof. Demonstranten versuchten dabei, das abgesperrte Bahnhofsgebäude zu stürmen, sodass die Polizei Wasserwerfer einsetzen musste. Aufgrund der Randale kam es zudem zu Störungen des Bahnverkehrs. Noch Stunden nach Demonstrationsende kam es in der Kölner Innenstadt zu Attacken und Ausschreitungen.

Gibt es gewaltbereite Hooligans in der Region?

Ja, aber die Polizei nennt keine Zahlen. Zumal die Polizei davon ausgeht, dass bei der Hooligan-Demo in Hannover nicht nur Hooligans, sondern auch Rocker, Linke, Rechte und gewaltbereiten Fußballfans vor Ort sein werden. Frank Oevermann, Pressesprecher der Polizeiinspektion Osnabrück sagte am Freitag über seinen Zuständigkeitsbereich: „Wir haben momentan keinerlei Hinweise, dass sich gewaltbereite Fans auf den Weg nach Hannover machen.“ Dass am Samstag trotzdem polizeibekannte Personen aus der Region in der Landeshauptstadt auftauchten, sei deshalb aber nicht ausgeschlossen.

Spielen auch Fans des VfL Osnabrück eine Rolle?

In der Fanszene des VfL Osnabrück gibt es eine Gruppierung namens Rock´n Rolla, die der Hooligan-Szene zuzurechnen ist. An der Demonstration in Köln haben keine Mitglieder der Gruppe teilgenommen (in der ersten Version dieses Artikels war das behauptet worden; es handelte sich um eine Fehlinformation). Die Szene wird mit Blick auf die Demonstration in Hannover weiter beobachtet, aber es gibt derzeit keine Erkenntnisse, dass Osnabrücker Hools teilnehmen. Die führende Ultra-Gruppe „Violet Crew“ des VfL hat sich in ihrer jüngsten Publikation ausdrücklich von der Hooligan-Demo abgegrenzt.

Wie stellt sich die Polizei auf?

Die Polizei will mit einem Großaufgebot Ausschreitungen wie vor einigen Wochen in Köln verhindern. Genaue Zahlen nannte Kluwe nicht. Er wies jedoch darauf hin, dass deutlich mehr Beamte als in Köln, hier waren 1 500 Polizisten aktiv, zum Einsatz kommen sollten. Darunter befänden sich auch Einheiten aus anderen Bundesländern. Trotz des Massenaufgebots dürfte es laut Kluwe Krawalle geben, die man jedoch im Keim ersticken wolle.

Die Polizei will nach eigenen Angaben alle Teilnehmer der Veranstaltung auf dem zentralen Omnibusbahnhof überprüfen. Flaschen, Dosen und Pyrotechnik dürfe nicht mitgeführt werden; alkoholisierte Personen müssten mit einem Platzverweis rechnen.

Ziel ist es laut Kluwe, rivalisierende Gruppen wie insbesondere Hooligans und Linksextreme zu trennen. Besonders geschützt werden solle auch ein Flüchtlingscamp in der Nähe des Veranstaltungsortes.

Sind Einsatzkräfte aus den Regionen Osnabrück und Emsland vor Ort?

Ja. Nicht bekannt ist allerdings, wie viele und welche Beamte nach Hannover reisen. „Aus einsatztaktischen Gründen nennen wir keine Zahlen. Wir werden die Kollegen in Hannover aber im erforderlichen Umfang unterstützen,“ sagte Marco Ellermann, Pressesprecher der Polizeidirektion Osnabrück am Freitag.

Wie rüstet sich Hannover?

Unterdessen gibt es in der Hannoveraner Geschäftswelt, gerade auch in der Einkaufszone im Bahnhof, Unruhe und Besorgnis. Zwei Hotels in unmittelbarer Nähe des Veranstaltungsbereichs kündigten an, zu schließen und die Glasfronten durch Bretter zu schützen. Ein großes Einkaufszentrum am Bahnhof wollte die Sicherheitsvorkehrungen verstärken.

Was müssen Zugreisende am Samstag beachten?

Der Hauptbahnhof Hannover untersteht am Samstag dem Sicherheitskonzept der Bundes- und Landespolizei. Sie kümmern sich um die Gefahrenabwehr auf dem Gelände. Darüber hinaus stellt die Deutsche Bahn zusätzliches Servicemitarbeiter und Sicherheitskräfte. Diese werden aber nicht die Polizeibeamten unterstützten, sagt Egbert Meyer-Lovis, Pressesprecher des Konzerns. Vielmehr werden die Angestellten der Bahn Ansprechpartner für Reisende vor Ort sein. Die Zahl der zusätzlichen DB-Mitarbeiter nennt auch Meyer-Lovis nicht. „Wir hoffen, dass der Bahnverkehr reibungslos läuft“, sagt der Pressesprecher. Reisende können sich auf der Homepage der Deutschen Bahn über die Live-Auskunft informieren, ob es zu Verspätungen oder Ausfällen im Bahnverkehr kommt.

Zudem hat die Polizei für Samstag ein Alkohol-und Pyrotechnikverbot in den Anreisezügen der Deutschen Bahn nach Hannover ausgesprochen. Polizeipräsident Volker Kluwe betonte, er gehe davon aus, dass sowohl der reguläre Zugverkehr im Hauptbahnhof als auch das Einkaufsgeschäft in der hannoverschen City ohne unmittelbare Beeinträchtigungen gewährleistet werden könnten. So hätten sich auch in Köln Aktionen der Hooligans nicht gegen Passanten und Geschäfte gerichtet.

Warum konnte die Demonstration nicht untersagt werden?

Die Polizei Hannover hatte am vergangenen Montag die Anti-Islamismus-Demonstration zunächst untersagt. Sie begründete das Verbot mit befürchteten Auseinandersetzungen, die von gewaltbereiten Hooligans und Rechtsextremisten ausgehen könnten. Die Organisatoren hatten daraufhin gegen das Verbot einen Eilantrag beim Verwaltungsgericht Hannover eingereicht – mit Erfolg. Die Richter urteilten am Donnerstag, dass die Kundgebung grundsätzlich den Schutz der Versammlungsfreiheit genieße. Die Veranstaltung sei sichtlich auf Meinungskundgabe gerichtet und nicht auf die Ausübung von Gewalt. Gefahren für die öffentliche Sicherheit könnten durch polizeiliche Beschränkungen abgewendet werden. Die Polizei verzichtete daraufhin auf ein weiteres juristisches Vorgehen. Es sei nicht zu erwarten, dass eine Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht Lüneburg doch noch zu einem Verbot führen werde, sagte Hannovers Polizeipräsident Volker Kluwe.


Live-Berichterstattung am Samstag

Noz.de berichtet am Samstag live von der umstrittenen Hooligan-Demonstration in Hannover. Wird die Gewalt wie in Köln eskalieren? Behält die Polizei die Kontrolle über die Lage? Wie verlaufen die Gegendemonstrationen? Auf www.noz.de behalten unsere Reporter das Geschehen für Sie im Blick.

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN