Initiative gegen Mobbing „Kein Kind soll mit Angst zur Schule kommen“

Von Hans Brinkmann

Eine Initiative gegen Mobbing startete Kultusministerin Frauke Heiligenstadt am Mittwoch in Hannover. Foto: dpaEine Initiative gegen Mobbing startete Kultusministerin Frauke Heiligenstadt am Mittwoch in Hannover. Foto: dpa

Hannover. Niedersachsen will das Mobben aus den Schulen verbannen. Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) startete am Mittwoch in Hannover ein gemeinsames Anti-Mobbing-Projekt mit der Techniker Krankenkasse (TK); zudem kündigte sie den weiteren Aufbau von Mobbing-Interventions-Teams an.

Heiligenstadt betonte, Mobbing sei ein gesamtgesellschaftliches Problem und mache auch vor der Schule nicht halt. Die Formen seien vielfältig und reichten von verbalen und körperlichen Attacken bis hin zu Beschimpfungen und Beleidigungen im Internet. „Für die betroffenen bedeutet das oft eine Qual“, bemerkte die Kultusministerin.

Heiligenstadt verwies auf Erkenntnisse der von ihrem Ministerium eingerichteten Anlaufstelle für Missbrauch und Diskriminierung, wonach sich die meisten der über 1000 Beschwerden in den beiden letzten Jahren auf Mobbing bezogen.

TK-Landesleiterin Inken Holldorf erklärte, laut einer Untersuchung aus dem Jahre 2009 hätten zehn Prozent der Schülerinnen und Schüler bereits Mobbing-Situationen miterlebt. Die Folgen seien gravierend: „Mobbing kann sehr krank machen“, betonte die Expertin.

Um dieses Problem zu mildern, habe man in Hamburg erfolgreich eine Kampagne gestartet, die man nun auch auf Niedersachsen ausdehnen möchte – erweitert um das sogenannte Cybermobbing, der Verfolgung anderer via Internet. Demnach sollen 1000 „Anti-Mobbing-Koffer“ an Schulen des Landes verteilt werden, mit deren Inhalt – Filme und anderes Unterrichts- und Informationsmaterial – Projektwochen gezielt zum Thema Mobbing veranstaltet werden können.

Konkret sollen Verhaltensweisen eingeübt werden, die Mobbing-Attacken in einer Schulklasse vorbeugen und letztendlich zu „mobbingfreien Schulen“ führen. So ist zum Abschluss der Projektwoche ein Klassenvertrag gegen Cybermobbing vorgesehen, in dem sich die Schüler auf bestimmte Regeln verständigen – zum Beispiel keine Fotos im Internet ohne Einwilligung der Betroffenen zu verbreiten, keine Beleidigungen in Chats auszusprechen oder Hilfe zu leisten, wenn jemand im Internet gemobbt wird.

„Kein Kind soll mehr mit Angst in die Schule kommen“, gab Heiligenstadt als Devise aus. Dafür soll aber nicht nur im Rahmen der Projektwochen-Aktion gesorgt werden, sondern auch mit der Installierung weiterer Mobbing-Interventionsteams. 252 solcher Gruppen mit speziell ausgebildeten Lehrkräften gibt es derzeit bereits an den Schulen, weitere 100 Lehrer absolvieren gerade eine solche Ausbildung. Diese Zusatzqualifizierung soll laut Heiligenstadt auch über 2014 hinaus angeboten werden.