Täter-Motiv unklar Schlechte Überlebenschancen für freigelassene Luchse

Von dpa

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Ein Luchs in einem Luchsgehege nahe der Rabenklippen bei Bad Harzburg. Die illegale Freilassung dreier junger Luchse im Harz bleibt rätselhaft. Foto: dpaEin Luchs in einem Luchsgehege nahe der Rabenklippen bei Bad Harzburg. Die illegale Freilassung dreier junger Luchse im Harz bleibt rätselhaft. Foto: dpa

Bad Harzburg. Sie haben das Jagen nicht gelernt. Die von Unbekannten aus einem Schaugehege freigelassenen Luchse haben schlechte Überlebenschancen.

Die illegale Freilassung dreier junger Luchse im Harz bleibt rätselhaft. „Wir wissen noch immer nicht, worum es den Tätern geht“, sagte der Leiter des Harzer Luchs-Projektes, Ole Anders. Weder bei der Nationalparkverwaltung noch bei der Polizei ist ein Bekennerschreiben eingegangen. Es gebe nicht den geringsten Hinweis auf die Täter, sagte ein Sprecher der Polizei in Goslar. Unbekannte hatten Mitte vergangener Woche Löcher in den Zaun des Luchs-Schaugeheges an den Rabenklippen bei Bad Harzburg geschnitten. Durch diese waren ein männlicher und zwei weibliche Luchse entkommen.

Auch wenn konkrete Hinweise auf die Tierbefreier fehlen: Anders geht davon aus, dass die Unbekannten ganz gezielt vorgegangen sind. „Sie haben abgewartet, bis die Nationalparkmitarbeiter nach Feierabend weggefahren sind. Und dann haben sie sofort an einer schwer einsehbaren Stelle Löcher in den Zaun geschnitten. Das war garantiert keine spontane Aktion, sondern geplant.“

Während Ellen, eine der jungen Luchsinnen, schnell wieder eingefangen werden konnte, sind ihre Zwillingsschwester Alice und Paul seit einer Woche spurlos verschwunden. Es gebe zwar laufend Hinweise aus der Bevölkerung. „Aber nichts Konkretes“, sagte Anders. Sicher sei dagegen: „Die illegalen Befreier haben den Tieren keinen Gefallen getan.“ Für die beiden Luchse werde es schwer, in Freiheit zu überleben. „Sie haben das Jagen nicht gelernt. Und sie müssen sich ihren Artgenossen stellen“. Revierkämpfe seien Alice und Paul nicht gewohnt.

Über das Motiv könne man daher nur rätseln, sagte Anders. „In den 14 Jahren seit Bestehen des Geheges hat es keinerlei Vandalismus oder irgendwelche Forderungen nach einer Freilassung der Luchse gegeben. Deswegen kam die Aktion völlig überraschend.“

Der Nationalpark hatte das Schaugehege im Jahr 2000 wegen des großen öffentlichen Interesses am Auswilderungsprogramm eingerichtet. Das Gehege ist seither eine Besucherattraktion. Alleine zu den Schaufütterungen kommen jährlich weit mehr als 10 000 Gäste. Im Rahmen der Wiederansiedlung wurden im Harz 24 Luchse freigelassen, die sich vermehrt und auch angrenzende Regionen besiedelt haben.

Als Konsequenz aus der illegalen Befreiungsaktion werde der Nationalpark die Überwachungstechnik am Schaugehege ausbauen, sagte Anders. Verhindern ließen sich weitere Taten dadurch möglicherweise nicht. „Wir sind dann aber zumindest schneller alarmiert.“


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