Fast 6000 Deutsche verschwunden Vermisste Männer aus Bünde sind keine Einzelfälle

Katrin Konerts Verschwinden liegt mehr als 13 Jahre zurück, während Karl-Friedrich Meyer seit zwei Jahren unauffindbar ist. Foto: dpa/privat/Montage: Holger BlumbergKatrin Konerts Verschwinden liegt mehr als 13 Jahre zurück, während Karl-Friedrich Meyer seit zwei Jahren unauffindbar ist. Foto: dpa/privat/Montage: Holger Blumberg

cl/ski/as/ngr/dpa Osnabrück. Vor zehn Tagen verschwanden Maximilan K. (24) und Alexander K. (25). Ihr Schicksal ist kein Einzelfall. Bundesweit werden fast 6000 Personen vermisst.

Am Wochenende trafen sich rund 90 Helfer in der Tiefgarage am Autohof Bünde, darunter viele Freunde der beiden Familien, um nach den vermissten Männern zu suchen. In vier Gruppen aufgeteilt, fuhren die Helfer nach Lemgo. Denn die letzte Spur der jungen Männer aus Bünde und Bruchmühlen führt nach einer Handy-Ortung nach Lemgo. Doch das Schicksal der Freunde ist kein Einzelfall. Wie eine Sprecherin des Bundeskriminalamtes in Wiesbaden unserer Zeitung sagte, waren zum Stichtag am 1. Januar 2014 in der zentralen Vermisstendatei 5887 Fälle registriert, darunter 3743 Erwachsene und 1128 Jugendliche im Alter zwischen 14 und 17 Jahren sowie 185 Kinder bis 13 Jahre. In den übrigen Fällen ließe sich das Alter nicht genau zuordnen, erklärte die Sprecherin die Differenz. In der Datei werden alle Vermisstenfälle der vergangenen 30 Jahre erfasst. In dieser Zahl sind also sowohl Fälle enthalten, die sich innerhalb weniger Tage aufklärten, als auch Vermisste, die seit bis zu drei Jahrzehnten verschwunden sind.

Bundesweit werden pro Tag zwischen 250 und 300 Personen als vermisst gemeldet und registriert. Meistens werden die Daten aber schnell wieder gelöscht. Denn: Nach Angaben der Ermittlungsbehörde erledigen sich etwa 50 Prozent der Fälle innerhalb der ersten Woche. Binnen Monatsfrist liegt die „Erledigungs-Quote“ bereits bei über 80 Prozent. Drei Prozent beträgt der Anteil der Personen, die länger als ein Jahr vermisst werden. Bei Kindern liegt die Aufklärungsquote sogar bei über 99 Prozent. Im Bereich Aurich/Wittmund hielt etwa 2013 ein Mädchen in einer staatlichen Einrichtung die Polizei auf Trab: Nach Angaben der Polizeidirektion Osnabrück wurde sie über 50 Mal abgängig gemeldet, weil sie abgehauen war. Dass das Schicksal von vermissten Personen nicht aufgeklärt wird, ist also eine Ausnahme, wie auch eine Sprecherin der hiesigen Polizeidirektion betont.

Ein Beispiel für einen ungeklärten Fall ist die Akte Maria-Brigitte Henselmann . Er sorgte deutschlandweit für Schlagzeilen. Die damals 13-Jährige wurde Anfang Mai 2013 vermisst gemeldet. Das BKA vermutet, dass das Mädchen aus Freiburg/Breisgau mit dem über fünfzigjährigen Bernhard Haase aus Blomberg in Nordrhein-Westfallen untergetaucht ist. Sie sollen sich im Internet kennengelernt haben. Von ihnen fehlt bislang jede Spur.

Auch in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen gibt es weitere Fälle.

Von einem jungen Mann, der in der Nacht zum 7. September bei Barnstorf im Landkreis Diepholz in die Hunte gestürzt ist, fehlt nach Angaben der Polizei jede Spur. Sein Schicksal bleibt weiterhin ungeklärt.

Auch Heinrich R. kehrte im August 2013 nicht in die Einrichtung der Rotenburger Werke der Inneren Mission zurück. Er wird immer noch vermisst.

Seit dem Oktober 2012 gilt der Physiotherapeut Karl-Friedrich Meyer aus dem Wittlager Nachbarkreis Minden-Lübbecke als vermisst. Die Polizei geht davon aus, dass er einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist. Seit dem 21. Juli muss sich ein 46-jähriger Mann aus Petershagen wegen Totschlags vor dem Landgericht Bielefeld verantworten. Doch ohne Leiche ist der Prozess äußerst schwierig. Denn das Opfer und sein auffälliges Auto, ein Jeep Wrangler, bleiben verschwunden. Die ehemalige Lebensgefährtin des Opfers ist ebenfalls angeklagt. Sie soll mit dem Haupttäter eine Beziehung gehabt und ihm ein falsches Alibi gegeben haben. Karl-Friedrich Meyer wurde zuletzt am 12. Oktober 2012 lebend gesehen. Seine Lebensgefährtin will ihn am Abend des 21. Oktober letztmalig gesehen haben. Die Mordkommission nimmt an, dass Meyer zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr lebte.

Im Fall von Katrin Konert scheint ein Kapitalverbrechen nicht ausgeschlossen zu sein. Sie war 15 Jahre alt, als sie verschwand. Seit dem fehlt jedes Lebenszeichen von ihr. Mehr als 13 Jahre nach dem Verschwinden von Katrin Konert versuchte die Polizei über die Sendung „Aktenzeichen XY...ungelöst“ erneut, das Schicksal der Frau aus dem Wendland zu klären. Anfang August wurde der Fall der Schülerin erneut in der Fahndungssendung thematisiert. Katrin Konert war auf dem Heimweg von ihrem Freund, als sie am Neujahrstag 2001 nicht mehr nach Hause kam. Zeugen sahen sie an einer Bushaltestelle, doch zu Hause kam Katrin nie an. Als letztes Lebenszeichen schickte sie ihrer Schwester eine Handy-Nachricht. Die Polizei geht von einem Verbrechen aus.

In der Polizeidirektion Osnabrück, zuständig auch für Ostfriesland, das Emsland und die Grafschaft Bentheim, wird nach wie vor nach Jutta Tirrel aus Bad Bentheim gefahndet. Sie wird seit dem 21.12.2009 vermisst. Die bisherigen Ermittlungen der Polizei ergaben keine Anhaltspunkte, wo sich die Bentheimerin aufhalten könnte. Die Frau wurde zuletzt in einer Bank-Filiale in Bad Bentheim gesehen. Danach verliert sich ihre Spur.